Autoren Galerie Kostka

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Die Autoren Galerie Kostka (Eigenschreibweise AUTOREN GALERIE KOSTKA) war ein künstlerisches Ausstellungsprojekt in dem Wasserturm der ehemaligen Sidol-Werke in Köln-Braunsfeld.[1] Das Projekt wurde in den Jahren von 1991 bis 1999 durchgeführt. Der vorangegangene, mit nationalen und internationalen Architekturpreisen ausgezeichnete Umbau des Wasserbehälters zu einem Ausstellungsraum, ermöglichte den ausstellenden Künstlern raumgreifende Bild-, Klang- und Lichtinstallationen.[2]

Sidol-Werk mit dem Wasserturm, erbaut von Otto Müller-Jena

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserturm

Nach der Fusionierung von der hier ansässigen Chemischen Werke Siegel & Co. (Sidol-Werk) mit den Düsseldorfer Thompson-Werken und späteren Übernahme durch Henkel im Jahr 1971 erfolgte Verlagerung der Produktion in den 1980er Jahren nach Düsseldorf.[3] Im Jahr 1991 wurde auf Initiative des Architekten und Künstlers Norbert Kostka im leerstehenden Wasserturm des Sidol-Werksgelände, das 1926 bis 1928 von Otto Müller-Jena errichtet wurde, ein Ausstellungsprojekt ins Leben gerufen. Der nicht mehr genutzte Fabrikkomplex an der Eupener Straße bot in den 1990er Jahren zahlreichen Kölnern Künstlern Atelierflächen.[4] Das Projekt wurde beendet, weil man im Jahr 2000 beabsichtigte, das 1998 unter Denkmalschutz gestellte Industrieensemble abzureißen.[5][6]

Kunstkonzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raum im Raum

Im Rahmen seines Architekturkonzepts Gewinnung von Räumen, das er bereits bei anderen Objekten anwandte, wandelte Kostka zunächst den Behälterraum des Wasserturms zu einer begehbaren Skulptur um.[7] Der Raum, 5,0 × 6,0 × 6,0 Meter groß, enthält ein ehemaliges Wasserreservoir, das 3,0 × 3,7 × 3,8 Meter groß und nach oben offen ist. Unter der Decke des Außenraumes befinden sich gegenüber zwei Fensterbänder mit jeweils drei Fenstern. Er entfernte alle technischen Elemente und durchbrach die Behälterwände mit vier türgroßen Öffnungen. Die Wände wurden weiß gestrichen. Nach dem Eingriff entstand ein labyrinthisches Gebilde nach dem Prinzip „Raum im Raum“. Durch eine Zwischengalerie aus Gitterrosten ergab sich die Möglichkeit, den Raum aus allen Perspektiven zu betrachten.[8] Die öffentliche Raumvorstellung fand am 6. Dezember 1992 statt. Ein anderes Beispiel für das Konzept ist der Wasserturm Uevekoven.

Das mit mehreren Architekturpreisen[9][10] bedachte Konzept der Umnutzung des Wasserturms schuf die räumlichen Voraussetzungen zur Einrichtung einer Galerie.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Fertigstellung des neu erstandenen „Raum im Raum“ – Konzeptes wurde der Wasserturm als Ausstellungsraum permanent genutzt. Aufgrund seiner polnischen Herkunft nannte Kostka das Ausstellungsprojekt Autoren Galerie, was übertragen als Produzentengalerie zu verstehen ist. Der Galerie lag das Konzept zugrunde, Künstler verschiedenster Stil- und Medienrichtungen einzuladen, die den Raum als Performancefläche nutzen konnten, um den Besucher mit unterschiedlichsten Raumwahrnehmungen zu konfrontieren. Der erste Künstler, der sich kreativ mit dem Raum auseinandersetzte, war der Architekturfotograf Tomas Riehle.[11]

Ausstellungen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Räumen der Galerie fanden in den acht Jahren ihres Bestehens zahlreiche, international beachtete Ausstellungen renommierter Künstler statt. Die Galerie im Wasserturm war in den Jahren 1995 und 1997 einer der Veranstaltungsorte der Internationalen Photoszene Köln, die in Kooperation mit der Photokina ausgetragen wird.[12]

  • Seyed Mohammad Oreyzi: Zeitraum – eine Rauminszenierung (Eisblöcke, Eisenkreuze, Neonlicht), 12. Dezember 1992 bis 11. Januar 1993[13]

"Die Eisplastiken entsprechen durchaus dem (recht kalten) Raumklima, das zudem von einem kühlen und doch diffusen Neonlicht getränkt ist.-zeitraum- ist eine Installation aus vier Eiskuben (50 × 50 × 50 cm), die jeweils an den Raumachsen platziert werden, auf jedem Würfel liegt ein Eisenkreuz. Diese Arbeit demonstriert begrenzte Dauer, Vergänglichkeit – indem das Eis allmählich wegschmilzt. Doch für die Dauer seiner Präsenz fügt die Installation dem Raum eine eigene „eisige“ Aura hinzu, einen auch physisch-erfahrbaren Kältezusatz im ohnehin schon frostigen Galerieraum. (e.s.)"

" Frances Scholz gelang es, durch die Installation ihrer Gemälde den skulpturalen Charakter des Raumes zu akzentuieren. In dem knapp ein Meter breiten Gang rings um den zentralen Raum direkt hinter den Türöffnungen hängte die Künstlerin drei ihrer Gemälde, knapp über die Mauern des Innenraums, unter den Oberlichtern des fast sechs Meter hohen Außenraumes ein viertes. Die Enge und Höhe des Rundganges war für die Künstlerin Provokation für ihre Gemälde, denn er verweigerte Distanz bei deren Betrachtung, konnte gleichzeitig ganz neue Sichtweisen evozieren. Betrachte man die Bilder aus der dort größtmöglichen Entfernung, sah man meist nur ein Fragment des Gemäldes hinter der Wand – ein paradoxes Phänomen, wenn gewöhnlich die Perspektive eines aus direkter Nähe betrachteten Bildes nur eine fragmentarische sein kann. (Uta. M. Reindl)"

  • Daniel Tschannen: Raumskulptur (Schalungstafeln gelb, Gerüstnetz grün), 28. Juni bis 5. September 1993[16][17]
  • Enno Stahl: Wasserspräche – eine Stimmklanginstallation, 11. bis 12. September 1993[18]
  • Volker Saul: Four Directions – Wandmalerei, 26. September bis 21. November 1993[19][20]
  • A. Harold Barreiro: Kathedrale & Hymne – eine Installation für Metall und Spiegel mit Klangaufführungen, 1994[21]
  • Katrin Nalop: the four women – Installation aus Fotografie und Malerei, 1995[22]
  • Norbert Kostka: 9. Internationale Photoszene Köln 1995: „Really virtual reality“ – Zwei Räume werden mit Hilfe von Fotos (Tomas Riehle) und Videoübertragung in Verbindung gebracht: „Raum ohne Boden“ ehemaliger Kohlenbunker und „Raum im Raum“ ehemaliger Wasserturm, 27. Oktober bis 1. November 1995[23]
  • Hongku Kwon: Integration zur Architektur – eine Rauminstallation, 1996
  • Norbert Kostka: Zwei Installationen für zwei Türme, 5. September bis 26. September 1997[24][25]
  • Ali Oreyzi+: 11. Internationale Photoszene Köln 1997: BOX 2 – eine Rauminszenierung, 10. Oktober bis 19. Oktober 1997[26]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das künstlerische „Raum im Raum“-Konzept im Wasserturm der Sidol-Werke, die für die Autoren Galerie Kostka entwickelt wurde, ist mit mehreren nationalen und internationalen Architekturpreisen ausgezeichnet worden:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Turck: Die ehem. Sidol-Werke in Köln-Braunsfeld. Von der chemischen Fabrik zum Kunst- und Kulturzentrum?, Rheinische Kunststätten Heft 482, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (Hrsg.), Köln 2004
  • BDA – Förderpreis 1993 des Landesverbandes NRW für junge Architekten, Bund Deutscher Architekten, Düsseldorf 1993
  • BDA Handbuch 1996. Eutin Architektur Verlag Nord 1996, ISBN 3-930448-12-2, S. 174
  • Bonner Kunstverein: Werkkatalog Frances Scholz anlässlich der Verleihung des Peter Mertes Stipendium, Bonn 1993
  • Kunsthalle Bremen: Werkkatalog Frances Scholz zur Verleihung des Kunstpreises der Böttcherstraße, Bremen 1993
  • Artis – Zeitschrift für neue Kunst: Reviews-Frances Scholz in Autoren Galerie Kostka von Uta M. Reindl, Bern und Stuttgart, September 1993
  • Kunst Forum International Nr. 124: Magazin Projekte Köln, Köln, November–Dezember 1993
  • Art News: Reviews-Colgne- Volker Saul in Autoren Galerie Kostka von Gerrard A. Goodrow, New York December 1993
  • Kunst – Bulletin: Daniel Tschannen – Ein langer Weg zur Spitze der Pyramide von Wout Nierhoff, Krins/Schweiz März 1994
  • Bijutsu Techo – Monthly Art Magazine: Volker Saul in der Autoren Galerie Kostka, Tokyo/Japan March, 1994
  • Neue Bildende Kunst – Zeitschrift für Kunst und Kritik: Ein Rundgang durch die Galerien von Uta M. Reindl, Berlin April–Mai 1994
  • Bausubstanz – Das Fachmagazin für Bauwerkserhaltung: Präsentation im Turm von Thomas Wieckhorst, Neustadt an der Weinstraße, Februar 1995
  • db – deutsche Bauzeitung: Einfach und minimiert – Findlinge – Auf der Spur nichtgesehener Architektur von Andreas Ruby, Juli, Stuttgart 1995
  • Stadt Revue – Kölns Stadtillustrierte Nr. 11: In Brücken und Wassertürmen von Andreas Ruby, Köln, November 1995
  • Daniel Tschannen: Skulpturen. Gothaer Kunstforum, Köln 1996
  • Junge Beiträge zur Architektur – Nordrhein-Westfalen. Nelte-Verlag, Wiesbaden 1996, ISBN 3-9803466-3-3, Seite 56–57
  • Thomas Wickhorst: Wassertürme neu genutzt. Meininger-Verlag, Neustadt an der Weinstraße 1996, ISBN 3-87524-112-6, Seite 22–23
  • Norbert KOSTKA: Genesis – Wer BIN ICH?, Katalog 2007

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Konservator der Stadt Köln – Bilderbuch.de: Sidol-Werke, abgerufen am 26. März 2014
  2. Kulturserver.de: Ausstellungsprojekt Autoren-Galerie-Kostka, abgerufen am 25. März 2014
  3. Rheinische Industriekultur: Sidol-Werke, Köln, abgerufen am 27. März 2014
  4. Architekturkoeln.de: Sidol Abriss kontra Denkmalschutz, abgerufen am 25. März 2014
  5. Denkmalliste der Stadt Köln
  6. Kölner Stadtanzeiger: Sidol-Gelände, Widerstand gegen die Abbruchpläne, Ausgabe 14. März 2013
  7. Andreas Ruby: Norbert Kostka schafft Räume, indem er schon existierende ausräumt. In: db-deutsche bauzeitung 07/1995
  8. Norbert Kostka: Raum im Raum Köln – Umnutzung eines Wasserturms zum Ausstellungsraum, abgerufen am 25. März 2014
  9. Deutsches Architektenblatt NRW: BDA-Förderpreis 1993 verliehen, Düsseldorf, Januar 1994
  10. V Miedzynarodowe Biennale Architektury Krakow, Krakow/Polen, Dezember 1993
  11. Tomas Riehle auf Arturimages: Autorengalerie Kostka, abgerufen am 25. März 2014
  12. Künstler der Galerie, abgerufen am 27. März 2014
  13. Kölner Stadt Anzeiger: Eisplastiken in Kostkas Autoren-Galerie, Köln, Dezember 1992
  14. Reviews-Colgne- Volker Saul in Autoren Galerie Kostka von Gerrard A. Goodrow. Art News, New York December 1993
  15. Kölner Stadt Anzeiger: Kunst auf dem Tapeziertisch, Köln, 10./11. April 1993
  16. Daniel Tschannen – Ein langer Weg zur Spitze der Pyramide von Wout Nierhoff. Kunst – Bulletin, Krins/Schweiz März 1994
  17. Kölner Stadt Anzeiger: Unheimlich wuchert die Phantasie – Eine große Skulptur des Künstlers Daniel Tschannens in der Autoren-Galerie Kostka, Köln, 27. Juli 1993
  18. Kölner Stadt Anzeiger: Enno Stahl Wassergespräche in Autoren-Galerie Kostka, Köln 10. September 1993
  19. Volker Saul in der Autoren Galerie Kostka, Bijutsu Techo – Monthly Art Magazine, Tokyo/Japan March, 1994
  20. Stadt Revue – Kölns Stadtillustrierte Nr. 9: Zeit im Raum von Kerstin Jäger, Köln, September 1993
  21. Kölner Stadt Anzeiger: 25. März 1994, 2./3. April 1994
  22. Kölner Stadt Anzeiger: 29./30. Juli 1995
  23. Katalog Internationale Photoszene, Köln 1995
  24. Kölnische Rundschau: Ungewöhnliche Ausstellung von Norbert Kostka – Wer alles sehen will, muß von Braunsfeld zur Südstadt pendeln, Köln, 11. September 1997
  25. Der Weg: Neue Kunst-Räume, Norbert Kostka in der Kölner Lutherkirche von Engelbert Broich, September, Köln 1997
  26. Katalog Internationale Photoszene, Köln 1997
  27. Der Architekt: BDA-Förderpreis NRW, Bonn, Februar 1994
  28. V Miedzynarodowe Biennale Architektury Krakow, Krakow/Polen, Dezember, 1993
  29. Gazeta Krakowska, Ausgabe 25. Oktober 1993
  30. Czas, Ausgabe 25. Oktober 1993
  31. WEKA Architekturpreis 1994 – Gewinnung von Räumen, Leonardo Magazin für Architektur, Oktober-November, Augsburg 1995

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 50° 56′ 28,3″ N, 6° 53′ 17,1″ O