Enno Stahl

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Enno Stahl (2010)

Enno Stahl (* 24. Juni 1962 in Rheinhausen) ist ein deutscher Schriftsteller, Journalist, Herausgeber und Organisator.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Stahl wuchs auf in Moers am Niederrhein. Nach dem Abitur studierte er Germanistik, Philosophie und Italienisch in Aachen, Köln, Florenz und Siegen und wurde 1997 zum Dr. phil. promoviert.

Seit Mitte der 1980er Jahre veröffentlicht er Prosa, Lyrik, Essays, Glossen und Kritiken in Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsendern sowie in Zeitschriften und Anthologien.

Stahl war Mitherausgeber der Literaturzeitschrift ZeilenSprung (1985–1991), aus der 1988 der KRASH Verlag hervorging (seit 2004: KRASH Neue Edition). Er organisierte diverse Performance-Shows und Live-Literatur-Reihen und war Mitglied der Kunstpiraten (1990–1994), der Rheinischen Fundamentalisten (1995–1999) sowie Mitbegründer der Autorenvereinigung Rheinische Brigade. Von 2005 bis 2011 war er Mitorganisator der Lesebühne am Brüsseler Platz, seit 2011 leitet er u. a. mit Swantje Lichtenstein und Jens Prüss den Literaturclub Düsseldorf (LCD).

Stahl nahm an zahlreichen internationalen Literatur- und Performance-Festivals teil, wo er aus englischen oder italienischen Übersetzungen seiner Prosa und Lyrik las bzw. seine Version der LAUT!Dichtung präsentierte.

Enno Stahl wohnte von 1983 bis 2008 in Köln, seitdem in Neuss. Er arbeitet am Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf, für das er u.a. zwei wissenschaftliche Internetportale – Literarische Nachlässe in rheinischen Archiven und das E-Zine Literatur-Archiv-NRW.de – redaktionell betreut. Er war Kurator der Ausstellungen Popliteraturgeschichte(n) 1965–2007: Texte, Schriften, Bilder, LAUT!Dichtung (2007), und Kein schöner Ding ist auf der Welt / Als seine Feinde zu beißen. Rheinische Literatur in Vormärz und Revolution 1840–1850 (2008) und Literarisches Leben in Düsseldorf seit 1970 (2009).

Seit 2000 veröffentlicht Stahl vornehmlich Romane, etwa "Diese Seelen" (2008) und "Winkler, Werber" (2012), die sich vorrangig mit sozialen Fragestellungen befassen und die Aporien der gesellschaftlichen Gegenwart kritisch nachzuzeichnen versuchen. Stahl hat für seine Produktionsästhetik den Begriff des "analytischen Romans" geprägt (vgl. seinen Essay "Der sozial-realistische Roman", 2006).

Zitate[Bearbeiten]

„Das terroristische Potenzial des Rheinländers ist lange Zeit unterschätzt worden. […] Dieses wird sich schlagartig ändern, wenn man erst Rebellenführer Hector und seiner kleinen terroristischen Zelle ‚2pac Amaru‘ begegnet […]“

taz über 2Pac Amaru Hector

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Wissenschaftliche Publikationen[Bearbeiten]

  • Enno Stahl: Anti-Kunst und Abstraktion in der literarischen Moderne (1909–1933): Vom italienischen Futurismus bis zum französischen Surrealismus (Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte). Peter Lang, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-631-32633-5.
  • Enno Stahl (Bearb.), Gertrud Wegener (Mitarb.), Heribert A. Hilgers (Mitarb.): Kölner Autorenlexikon 1750–2000. Band 1, Emons, Köln 2000, ISBN 3-89705-192-3.
  • Enno Stahl (Bearb.), Uta Biedermann (Mitarb.), Heribert A. Hilgers (Mitarb.): Kölner Autorenlexikon 1750–2000. Band 2, Emons, Köln 2002, ISBN 3-89705-193-1.
  • Enno Stahl (Bearb), Literarische Nachlässe in rheinischen Archiven. Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf 2006, ISBN 3-936698-03-1.
  • Karl Otten Lesebuch. Zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Enno Stahl. Nyland-Stiftung, Köln 2007 (= Nylands kleine rheinische Bibliothek, Bd. 1). ISBN 978-3-936235-17-3.
  • Enno Stahl: Popliteraturgeschichte(n). Mit Beiträgen von Hansjürgen Bulkowski, Peter Glaser, Pamela Granderath und Stan Lafleur. Gestaltet von Marco Lietz. Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-936698-05-3.
  • Gertrud Wegener: Literarisches Leben in Köln 1840–1850. Historisches Archiv der Stadt Köln, Köln 2008, ISBN 978-3-928907-19-4. (Bearbeiter)
  • Enno Stahl: Literarisches Leben am Rhein. Quellen zur literarischen Infrastruktur 1830–1945, Band 1: Staatliche Archive. Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf 2008, ISBN 978-3-936698-06-0.
  • Enno Stahl: Literarisches Leben am Rhein. Quellen zur literarischen Infrastruktur 1830–1945, Band 2: Bd. 2., Kreis-, Kommunal- und Kirchenarchive sowie sonstige Institutionen. Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf 2008, ISBN 978-3-936698-07-7 (m. C. Ilbrig).
  • Enno Stahl: Literarisches Leben am Rhein. Quellen zur literarischen Infrastruktur 1830–1945, Band 3: Kommentar und Register. Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf 2008, (m. C. Ilbrig, Register: K. Adamek, W. Delseit, R. Drost).
  • Enno Stahl (Hg.): Kulturelle Überlieferung. Bürgertum, Literatur und Vereinswesen im Rheinland 1830–1945. Grupello Verlag, Düsseldorf 2008, ISBN 978-3-89978-092-5 (m. C. Ilbrig u. B. Kortländer).
  • Enno Stahl (Hg.): Pop in R(h)einkultur. Oberflächenästhetik und Alltagskultur in der Region. Klartext Verlag, Essen 2008, ISBN 978-3-8375-0005-9. (m. D. Matejovski und M. Kleiner).

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1994: Arbeitsstipendium des Landes NRW
  • 1995 und 1996: Werkverträge mit dem Berliner Senat für Künstlerförderung
  • 2002: Sieger in der Sparte „Experiment“ bei der Literaturbörse des Steirischen Herbstes
  • 2003: Endauswahl beim Essay-Wettbewerb der Heine-Gesellschaft
  • 2004: Preis der Schwartzkopff Buchwerke
  • 2008: Hörspielstipendium der Filmstiftung NRW
  • 2012: Endauswahl des "Stück-auf"-Autorenpreises des Schauspiels Essen (zusammen mit Stefan Filipiak)

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig Janssen (Hrsg.): Literaturatlas NRW. Ein Adreßbuch zur Literaturszene. Düsseldorf 1991.
  • Literarische Gesellschaft Köln / Freunde der Stadtbücherei e.V. / LiK-Archiv der Stadtbücherei Köln (Hg.), Autorinnen u. Autoren in Köln. Vorgestellt in Text und Bild, zusammengestellt und bearbeitet von Uta Biedermann, Köln 1992.
  • Deutsches Literatur Lexikon, Bd. 19.
  • Das Kölner Autorenlexikon 1750–2000, zweiter Band 1900–2000, Emons, Köln 2002.
  • Kürschners Deutscher Literatur-Kalender, Saur, München 2005.
  • Krash Neue Edition im Stahl-Verlag, in: Theo Breuer, Aus dem Hinterland. Lyrik nach 2000, Edition YE, Sistig/Eifel 2005.
  • Dieter Hoffmann: Arbeitsbuch Deutschsprachige Prosa seit 1945, Band 2. Tübingen und Basel: UTB 2006 (zu PEEWEE ROCKS insbes. S. 366 f. und 374 ff.).

Weblinks[Bearbeiten]