Ayathekla

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Zisterne
Höhlenkirche

Ayathekla, auch Ayatekla, vom griechischen Ἁγια Θεκλα, Hagia Thekla, dt. Heilige Thekla, auch Meriamlik, ist der türkische Name einer Wallfahrtsstätte der Heiligen Thekla. Der Ort liegt im Süden der Kreisstadt Silifke, des antiken Seleukia am Kalykadnos, in der türkischen Provinz Mersin, etwa zwei Kilometer südöstlich der dortigen Burg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reste der Apsis der Basilika

Der Legende nach verbrachte die heilige Thekla, ursprünglich eine vornehme Jungfrau aus Ikonion, nach ihrer Bekehrung durch den Apostel Paulus und längeren Verfolgungen im 1. Jahrhundert n. Chr. hier in einer Höhle ihren Lebensabend und ist hier auch begraben. Im 2. Jahrhundert wurde über dieser Höhle und ihrem Schrein eine erste Kirche errichtet. In der Mitte des 4. Jahrhunderts wurde, im Zuge der Auseinandersetzungen zwischen Römern und Isauriern, eine christliche isaurische Adlige namens Bassiane im Heiligtum als Geisel gehalten. Obwohl die Schwangere das feuchtheiße Klima nicht vertrug und in Ohnmacht fiel, wurde sie nach der Legende von der Heiligen gerettet.[1] Der Ort entwickelte sich zum vielbesuchten Wallfahrtsziel, vor allem für Pilgerinnen. 374 zog sich Gregor von Nazianz für einige Zeit in die Räumlichkeiten zurück, im Jahr 384 besuchte die geweihte Jungfrau Egeria die Stätte auf der Rückreise von ihrer Pilgerfahrt ins Heilige Land. In ihrem Itinerarium berichtet sie über die Kirche und zahlreiche Mönchszellen in der Umgebung. Der Standort dieser ersten Kirche konnte noch nicht lokalisiert werden. Kurz darauf wurde der Heiligenschrein in eine Höhle am Südhang des Hügels verbracht, in die eine dreischiffige Krypta gebaut wurde.[2] Zur Zeit von Egerias Besuch war der Pilgerbereich durch eine starke Mauer umgeben worden, zum Schutz gegen Überfälle von räuberischen Isauriern.[3] 476 baute der oströmische Kaiser Zenon der Isaurier das Heiligtum weiter aus, indem er eine Basilika anfügte.[4] Ende des 5. bis Anfang des 6. Jahrhunderts entfaltete sich eine rege Bautätigkeit, es wurden mindestens zwei weitere Kirchen, ein öffentliches Bad und mehrere Zisternen errichtet.[5] In Korasion, Korykos, Olba, Seleukia und Anemurion wurden Grab- und Weihinschriften gefunden, die auf die Heilige Thekla Bezug nahmen.[4]

In osmanischer Zeit wurde das Gelände der Maria zugerechnet und deshalb Meriamlik genannt, die Bezeichnung hat sich bis heute gehalten.[4] Unter diesem Namen beschreibt auch der französische Reisende Victor Langlois in seinem 1861 erschienenen Bericht über seine Kilikienreise den Ort.[6]

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zisterne

Der heilige Bezirk liegt auf abschüssigen Kalksteinzungen an der heutigen Ayatekla Sokak im Süden von Silifke, im weitläufigen Nekropolenbereich von Seleukia, von dem zahlreiche Grabhöhlen im Gelände zu sehen sind. Am Parkplatz ist der Eingang zur unterirdischen Kirche. Hierbei handelt es sich um eine dreischiffige Säulenkirche von 17 m Länge. Vom Eingang im Süden betritt man einen Narthex mit Tonnengewölbe. Von dort gelangt man ins Mittelschiff, von dem durch zwei Reihen dorischer Säulen die Seitenschiffe abgegrenzt sind. Im Norden liegen natürlich geformte Höhlenräume, nach der Überlieferung die Wohnräume der Heiligen. An eine halbrunde Apsis schließt sich im Süden ein Pastophorion (Aufenthaltsstätte des Priesters) an.

Über der Höhle befand sich die Thekla-Basilika, von der heute nur noch ein Stück der Apsis erhalten ist. Aufgrund archäologischer Befunde wurde eine dreischiffige Säulenbasilika erschlossen mit Abmessungen von etwa 70×40 m. Ihr war ein Narthex mit Freitreppe vorgelagert, von dem aus man in die drei Schiffe mit je 15 Säulen gelangte. An die Apsis, die über vier halbrunde Doppelfenster verfügte, schlossen sich auf beiden Seiten kapellenartige Nebenräume an. Im Süden war auf der gesamten Länge der Kirche eine Vorhalle angelagert, die dem Bauwerk einen repräsentativen Charakter verlieh.[7]

Um Höhle und Kirche erstreckt sich ein Temenosbezirk, der von einer Befestigungsmauer umgeben ist. Innerhalb dieses Bereichs lagen mehrere Zisternen sowie ein Kloster. Eine der Zisternen ist freigelegt und zu besichtigen. Nördlich des befestigten Bereichs lagen ein öffentliches Bad sowie mindestens zwei weitere Kirchen, die sogenannte Kuppelkirche und die noch nicht ergrabene Nordkirche. Bei der Kuppelkirche, die ins späte 5. Jahrhundert datiert wird, handelt es sich um eine dreischiffige Emporenkirche mit im Westen vorgelagertem halbrundem Atrium und Narthex. Ob sie wirklich überkuppelt oder vielmehr, vergleichbar der Ostkirche im nahegelegenen Alahan Manastırı, mit einem achteckigen hölzernen Pyramidendach bedeckt war, ist umstritten.[7]

Im syrischen Ort Maalula liegt mit der Höhle Mağarat Mār Taqlā ein weiterer Wallfahrtsort der Heiligen Thekla, der ebenfalls für sich in Anspruch nimmt, das Grab der Heiligen zu beherbergen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Herzfeld, Samuel Guyer: Meriamlik und Korykos; Zwei christliche Ruinenstätten des rauhen Kilikiens. Manchester University Press, Manchester 1930
  • Gabriele Mietke: Bauphasen und Datierung der Basilika von Meriamlik (Ayatekla). In: Ina Eichner, Vasiliki Tsamakda (Hrsg.): Syrien und seine Nachbarn von der Spätantike bis in die islamische Zeit. Reichert, Wiesbaden 2009, S. 37–56
  • Urs Peschlow: Die Zisternen von Meriamlik. Fragen zu Bau- und Mauertechnik im Bezirk von Ayatekla. In: In: Ina Eichner, Vasiliki Tsamakda (Hrsg.): Syrien und seine Nachbarn von der Spätantike bis in die islamische Zeit. Reichert, Wiesbaden 2009, S. 57–80

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ayathekla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Feld: Barbarische Bürger. Die Isaurier und das Römische Reich. Walter de Gruyter, Berlin 2005, S. 52 ISBN 9783110188998 bei GoogleBooks
  2. Stephen J. Davis: The Cult of Saint Thecla. A Tradition of Women's Piety in Late Antiquity. Oxford University Press, 2008 S. 5 u. 37 ISBN 9780199548712 bei GoogleBooks
  3. Feld, S. 158–159.
  4. a b c Feld, S. 26
  5. Davis, S. 38f.
  6. Victor Langlois. Voyage dans la Cilicie et dans les montagnes du Taurus: exécuté pendant les années 1851-1853. Paris 1861 S. 184 bei GoogleBooks
  7. a b Gunnar Brands: Pilgerfahrten und Wallfahrtsstätten im spätantiken Orient, in Sabine Gralla: Oriens Christianus: Geschichte und Gegenwart des nahöstlichen Christentums. LIT Verlag Münster, 2003 S. 23–24. ISBN 9783825865122 bei GoogleBooks

Koordinaten: 36° 21′ 48″ N, 33° 55′ 52″ O