BND-Außenstelle Rheinhausen

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Die BND-Außenstelle Rheinhausen (frühere (Tarn-)Bezeichnung: Ionosphäreninstitut)[1] ist eine spezialisierte Außenstelle des Bundesnachrichtendienstes (BND), die Signale aus internationalen Telekommunikationsnetzen verarbeitet.[2] Sie liegt in der Gemeinde Rheinhausen (Landkreis Emmendingen) im Breisgau. Ähnliche BND-Außenstellen bestehen in Schöningen und Bad Aibling.[3] In der BND-Außenstelle Rheinhausen werden hauptsächlich Satelliten-Strecken im Rahmen der Fernmeldeaufklärung erfasst.[4] Von den 28 Parabolantennen haben die aktuell größten einen Durchmesser von 18 Metern.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Außenstelle geht auf die in den 1930er Jahren begonnene Ionosphärenforschung an der Technischen Universität München unter Jonathan Zenneck zurück. Anfangs bezog der BND und sein Vorläufer, die Organisation Gehlen, Funkwetter-Vorhersagen von einer Ionosphärenbeobachtungsstation in Breisach am Rhein, welche der französischen Marine unterstand und von dem Deutschen Karl Rawer geleitet wurde. Der Zustand der Ionosphäre hat für das Funkwetter der Kurzwelle eine wesentliche Bedeutung in Bezug auf Fernmeldeaufklärung, Führungs- und Agentenfunk.[6] Die Station wurde am 1. Juli 1956 als unabhängiges Ionosphäreninstitut in den nachgeordneten Bereich des Fernmeldetechnischen Zentralamtes (FTZ, Hauptsitz: Darmstadt) der Deutschen Bundespost übernommen. Ende 1962 vereinbarten FTZ und BND, dass das Institut zum BND wechselt. Im März 1963 wurden die ersten 24 Mitarbeiter übernommen. Sieben Mitarbeitern wurden aus Sicherheitsgründen die Übernahme verweigert.[7]

Die Außenstelle in Rheinhausen wurde zwischen 1972 und 1976 für 90 Millionen Mark erbaut. Bis zum Ende des Kalten Krieges wurden sowjetische Spionagesatelliten verfolgt.[5] Zur Außenstelle gehörte eine 56-Meter-Gitter­parabolantenne, die für einen Dollar von den US-Amerikanern erworben wurde und zuvor an der Nordküste Schottlands aufgestellt war. Sie wurde Anfang 1997 ausgesondert und dem nahe gelegenen Europa-Park in Rust geschenkt, wo sie heute zu sehen ist.[7] Der BND hat die Legendierung der BND-Außenstelle als Ionosphäreninstitut am 6. Juni 2014 aufgegeben.[8] Zuvor hatte die Bundesregierung behauptet, die Anlage sei eine Einrichtung des Bundes zu Zwecken der Landesverteidigung[9] und Themenschwerpunkte des „Instituts“ lägen im Bereich militärischer Entwicklungs- und Forschungsaufgaben auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beschlussempfehlung und Bericht des 1. Untersuchungsausschusses gemäß Artikel 44 des Grundgesetzes: Drucksache 18/12850. (PDF) In: Deutscher Bundestag: 18. Wahlperiode. 23. Juni 2017, abgerufen am 17. Februar 2020.
  2. Unsere Standorte: Außenstellen zur technischen Aufklärung. In: Bundesnachrichtendienst. Abgerufen am 17. Februar 2020.
  3. Die Spione im Elm: Ein Besuch beim BND (Memento vom 20. April 2015 im Internet Archive) bei ndr.de vom 16. April 2015
  4. André Meister: Geheimes Projekt „ABSINTH“: Der BND arbeitet an einer erheblichen Erweiterung seiner Satelliten-Überwachung. In: netzpolitik.org. 13. Februar 2017, abgerufen am 17. Februar 2020.
  5. a b Felix Bender: BND spioniert ganz offiziell. In: Lahrer Zeitung. 18. Oktober 2018, abgerufen am 17. Februar 2020.
  6. Armin Müller: Wellenkrieg – Agentenfunk und Funkaufklärung des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968. Hrsg.: Jost Dülffer et al. (= Veröffentlichungen der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968. Band 5). Ch. Links Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-86153-947-6, S. 61.
  7. a b Armin Müller: Wellenkrieg – Agentenfunk und Funkaufklärung des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968. Hrsg.: Jost Dülffer et al. (= Veröffentlichungen der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945–1968. Band 5). Ch. Links Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-86153-947-6, S. 272 ff.
  8. Transparenzoffensive: BND gibt ab sofort einige Tarnnamen auf. In: Die Welt. 6. Juni 2014, abgerufen am 17. Februar 2020.
  9. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Frau Teubner und der Fraktion DIE GRÜNEN: Ionosphären-Institut in Rheinhausen/Südbaden (Drucksache 11/7613). In: Deutscher Bundestag, 11. Wahlperiode. 13. August 1990, abgerufen am 17. Februar 2020.
  10. Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 9. September 2013 eingegangenen Antworten der Bundesregierung (Drucksache 17/14744). In: Deutscher Bundestag, 17. Wahlperiode. 13. September 2013, abgerufen am 17. Februar 2020 (S. 1).

Koordinaten: 48° 15′ 29″ N, 7° 42′ 0″ O