BSS 01

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BSS 01
Computerspielemuseum-14 (16948383310).jpg
Ein weißes BSS 01 mit schwarzen Paddles und schwarzen Knöpfen
Hersteller VEB Halbleiterwerk Frankfurt (Oder)
Typ stationäre Spielkonsole
Generation 1. Konsolengeneration
Hauptprozessor keiner
Grafikprozessor keiner
Speichermedien Keine (4 Spiele integriert, 2 weitere nach Umbau)
Controller 2 mit der Konsole festverbundene Paddles
Online-Dienst keiner
Verkaufte Einheiten ca. 1000
Vorgänger keiner
Nachfolger BSS 02 (geplant, aber nie veröffentlicht)
Info Einzige in der DDR gebaute Spielkonsole

Das BSS 01 (abgeleitet von dem Wort Bildschirmspiel 01,[1][2][3] auch TV-Spiel oder RFT TV-Spiel genannt (RFT steht für Rundfunk- und Fernmelde-Technik)) ist eine zwischen 1979 und 1981[4] von dem zum Kombinat Mikroelektronik Erfurt zugehörigen VEB Halbleiterwerk Frankfurt (Oder)[4] in der DDR gebaute stationäre Spielkonsole.[1] Sie gelangte aufgrund des hohen Einstiegspreises von 500,[1] 550[2][3][5] oder 620[6] Mark in der DDR nur selten in Privathaushalte. Das System ist eine sogenannte Pong-Konsole und zählt somit zur ersten Konsolengeneration. Die Konsole wurde von 1980 bis 1984 ausschließlich in der DDR verkauft.[1] Das BSS 01 ist die einzige in der DDR hergestellte Spielkonsole.

Ein Nachfolger namens BSS 02, wahrscheinlich mit Farb- statt Schwarz-weiß-Videoausgabe, war in Planung, die Produktion von Spielkonsolen in der DDR wurde jedoch zugunsten der von Radioweckern eingestellt.[1][7] Ob Prototypen, Skizzen oder ähnliches vom BSS 02 existieren, ist unbekannt.

Entwicklung und Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1980er-Jahren sollten Videospiele in der DDR Kinder und Jugendliche an die Technologie heranführen und die DDR als fortschrittliches Land zeigen.[8] So wurde im Rahmen der Konsumgüterproduktion des Halbleiterwerkes in Frankfurt (Oder) zwischen 1979 und 1981 das BSS 01 gebaut. Als Basis dafür diente der aus dem Nichtsozialistischem Wirtschaftsgebiet importierte Pong-Videospiel-Schaltkreis AY-3-8500-7 der US-amerikanischen Firma General Instrument,[1] auf dem sechs verschiedene Pong-Varianten (Tennis (Pong-Klon), Soccer, Squash, Practice und zwei Schießspiele) gespeichert waren. Die beiden Schießspiele sind jedoch nur mit einer Lightgun spielbar, die nie offiziell für das BSS 01 erschien. Durch einen Eingriff in die Hardware ist der Anschluss einer solchen Lightgun an das BSS 01 möglich, wodurch die beiden Spiele freigeschaltet werden.[9]

Das BSS 01 hatte einen Einzelhandelsverkaufspreis von 500,[1] 550[3][5] oder 620[6] Mark in der DDR (dies entsprach ungefähr der Hälfte eines durchschnittlichen Monatseinkommens in der DDR) und wurde deshalb meist an Jugendzentren, Freizeit- und Bildungseinrichtungen ausgeliefert, wo sie zum kostenlosen Spielen aufgebaut wurden.[10] Laut einem Katalog von 1984 wurde der Preis der Konsole 1984 jedoch auf 330,00 Mark in der DDR gesenkt.[3] Insgesamt wurden in der ersten Serienfertigung des BSS 01 in etwa 1000 Einheiten des Systems hergestellt und verkauft. Weitere Serienfertigungen gab es nicht mehr.[3]

Ein schwarzes BSS 01 mit schwarzen Paddles und orangefarbenen Knöpfen

Je nach Materialbestand konnten sich die Ausführungen der Konsole geringfügig voneinander unterscheiden,[11] beispielsweise in der Gehäusefarbe (weiß oder schwarz), den Paddles (weiß, grau oder schwarz) oder den auf der rechten Seite verwendeten Knöpfen (gelb, orange oder schwarz), wobei die Knöpfe auf der linken Seite immer schwarz und der Ein- bzw. Ausschalter rechts oben immer rot ist. Auf dem Aufkleber links oben steht aus unbekanntem Grund bei einigen Ausführungen der Konsole "TV-Spiel" und bei anderen "RFT TV-Spiel". Alle Geräte tragen einen Aufkleber mit einer Seriennummer, der sich am Boden der Aussparung für den rechten Controller befindet. Diese sind mit "Einlage" und darunter der Seriennummer der jeweiligen Konsole beschriftet. Heute werden nur einzelne Exemplare zu hohen Preisen verkauft, Exemplare mit Originalverpackung sind in der Regel seltener und teurer. Im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe kann auf einem alten Sessel im Stil der 1980er-Jahre auf einem Röhrenfernseher mit dem BSS 01 gespielt werden.

Technik und Spiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Anschluss der Konsole an einen Bildschirm erfolgt über die Antennenbuchse. Ausgegeben wird das Bild mit 312 Zeilen und einer Bildwiederholrate von 50 Hz in schwarz-weiß auf Kanal 3 (VHF).[3] Das BSS 01 wird über ein integriertes Netzteil (220 Volt, 2 Watt) mit Strom versorgt. Soundeffekte werden über einen in der Konsole eingebauten Piezo-Piepser (ARZ 090), nicht über das TV-Gerät, ausgegeben.[3] Die Konsole ist ca. 32,5 cm lang, ca. 5,5 cm hoch und ca. 17,5 cm breit und wiegt dabei etwa 1,3 kg.[3]

Der für die Konsole verwendete Schaltkreis AY-3-8500-7 war bereits in diversen westlichen Pong-Konsolen zum Einsatz gekommen, entsprechende Spiele sind auch beim BSS 01 integriert. Es sind vier verschiedene Pong-Varianten mit der Konsole vorgesehenerweise spielbar, die Tennis, Fußball, Squash und Pelota genannt wurden. Die ersten drei Spiele sind nur mit zwei Spielern spielbar, ein Computergegner steht nicht zur Verfügung, da das BSS 01 keine CPU eingebaut hat. Das Spiel "Pelota" ist für einen Spieler ausgelegt. Nach 15 Punkten ist jedes der vier Spiele beendet und kann neugestartet werden. Wenn im ausgeschalteten Zustand keine der Spielauswahltasten gedrückt ist und man die Konsole dann einschaltet, aktiviert man die im AY-3-8500-7-Chip enthaltene, aber oft versteckte, gehandicapte Version von Fußball, bei der der rechte Spieler einen weiteren Schläger direkt vor dem Stürmer des rechten Schlägers erhält, was das Spiel für den linken Spieler schwieriger macht.[5] Der Balleinwurf erfolgt je nach Einstellung entweder manuell oder automatisch. Gesteuert wird über einen Drehregler auf dem Paddle, welches mit der Konsole festverbunden ist.[12] Auf der Konsole befinden sich zwei Spalten von mechanischen Knöpfen, mit denen man verschiedene Spieleinstellungen wie Ablenkwinkel, Ballgeschwindigkeit, Schlägergröße, Balleinwurf und Nullstellung vornehmen kann (rechte Spalte) und die Konsole an- und ausschalten kann und die Spiele ausgewählt werden können (linke Spalte).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g OLD-COMPUTERS.COM : The Museum. Abgerufen am 18. April 2019.
  2. a b Objects. 18. Februar 2017, abgerufen am 5. Oktober 2019.
  3. a b c d e f g h Bildschirmspielgerät BSS01 Misc Halbleiterwerk Frankfurt /Od. Abgerufen am 6. Januar 2019.
  4. a b Bildschirmspiel 01. In: mediengeschichten. 12. Juli 2011, abgerufen am 6. Januar 2019.
  5. a b c Rft Bss 01. Abgerufen am 6. Januar 2019.
  6. a b Süddeutsche de GmbH, Munich Germany: Mit Pittiplatsch auf Pixelfang. Abgerufen am 12. Mai 2019.
  7. Christian Huberts: Poly-Play, BSS 01 & KC85-4 – Spielen für den Sozialismus. 3. Oktober 2016, abgerufen am 6. Januar 2019.
  8. Jan Bojaryn: BSS 01: Wie die DDR mit volkseigener Konsole den sozialistischen Nachwuchs erzog. In: Motherboard. 27. März 2015, abgerufen am 6. Januar 2019.
  9. Pong Picture Page. 25. September 2015, abgerufen am 6. Januar 2019.
  10. pongmuseum.com - and the ball was square... RFT - TV Spiel BSS 01 made in DDR - GDR. Abgerufen am 6. Januar 2019.
  11. RFT Bildschirmspiel 01 – BSS01 – Retro-Konsolen.de. Abgerufen am 6. Januar 2019.
  12. pongmuseum.com - and the ball was square... RFT - TV Spiel BSS 01 made in DDR - GDR. Abgerufen am 6. Januar 2019.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]