BVG-Stadion

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BVG-Stadion
Blick auf die Tribüne des Stadions
Blick auf die Tribüne des Stadions
Daten
Ort DeutschlandDeutschland Berlin-Lichtenberg, Deutschland
Koordinaten 52° 31′ 46,8″ N, 13° 30′ 8,1″ OKoordinaten: 52° 31′ 46,8″ N, 13° 30′ 8,1″ O
Eröffnung ca. 1922
Oberfläche Naturrasen
Architekt Jean Krämer (Tribüne)
Kapazität ca. 2000 Plätze
Spielfläche 106 m × 80 m
Verein(e)

Das BVG-Stadion (auch: BVB-Stadion) ist eine Sportstätte im Berliner Ortsteil Lichtenberg des gleichnamigen Bezirks. Es wurde zwischen 1920 und 1922 erbaut und diente zuerst unter der Bezeichnung „Straßenbahnerplatz“ der sportlichen Ertüchtigung der Mitarbeiter des in der Nähe gelegenen Straßenbahnhofs Lichtenberg.

Lage und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stadiongelände befindet sich im Norden des Ortsteils Lichtenberg. Begrenzt wird es im Westen durch die Siegfriedstraße, im Norden durch ein Gewerbegebiet und im Osten sowie im Süden durch die Gleise der stillgelegten Industriebahn für die Großbetriebe in der Herzbergstraße. Früher befand sich östlich in direkter Nachbarschaft zum BVG-Stadion das Lichtenberger Stadion, das 1990 aufgegeben wurde und bis zur Erweiterung des Landschaftsparks Herzberge stückweise von der Natur zurückerobert wurde. Seit den 2010er Jahren ist es total beseitigt, seine Fläche wurde in den Landschaftspark mit einbezogen.

Neben dem eigentlichen Hauptstadion gibt es auf dem Gelände noch zwei Kunstrasenplätze (ein Groß- sowie ein Kleinfeld), einen Tennisplatz, ein Freibad sowie mehrere Funktionsbauten. Das Stadion beinhaltet neben dem Rasenfußballplatz eine 400-Meter-Laufbahn und mehrere Leichtathletikanlagen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tribünen-Ruine des BVG-Stadions im März 2009

Das Stadion wurde um 1920 direkt neben dem ebenfalls 1920 fertiggestellten Lichtenberger Stadion erbaut. Die überdachte Zuschauertribüne an der östlichen Längsseite des Stadions wurde dabei vom Architekten Jean Krämer errichtet und steht heute unter Denkmalschutz.[1] Als die BVG 1928 gegründet wurde, ging das Stadion in deren Besitz über und erhielt den Namen „BVG-Stadion“.

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs wurden auf dem Stadiongelände Fliegerabwehreinheiten der deutschen Wehrmacht stationiert und ein Munitionslager angelegt. Die von der Frankfurter Allee vordringenden Kämpfer der Roten Armee konzentrierten sich bei ihren Straßenkämpfen auf diesen Abschnitt.[2] Zur Beseitigung der Trümmer, die durch Kämpfe und Bombenabwürfe an den großen benachbarten Industriebetrieben entstanden waren, richtete die Bezirksverwaltung Lichtenberg zwischen 1945 und 1948 eine kleine Trümmerbahnstrecke vom Stadiongelände über die Reinhardsbrunner Straße bis zur heutigen Straße Am Wasserwerk ein. Die alten Flakstellungen wurden dabei mit Trümmern eingeschüttet.[3]

Nach der Schuttkippung übernahm ab 1948 die BVG ihren Platz wieder. Er diente nun als Betriebssportplatz für die neu gegründete SV Berliner VG 49.[4] In den 1970er Jahren wurde die Sportanlage in „BVB-Stadion“ umbenannt, was aus Namensstreitigkeiten zwischen den Ost- und West-Berliner Verkehrsgesellschaften resultierte.

Ende der 1990er Jahre wurde das BVG-Stadion saniert; bei den Erdarbeiten fand man über fünf Tonnen teilweise noch scharfer Munition sowie eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe, die beseitigt wurden.[5][6] Danach erhielt das Stadion eine neue Rasenfläche und kann wieder uneingeschränkt bespielt werden.

Freibad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neptunfest im Freibad, 1985
Ehemaliges Freibad im März 2009

Bei der Anlage des BVG-Stadions wurde auf einer Fläche von ca. 20.000 m² nördlich des Stadionrunds im Jahr 1928 auch ein Freibad gebaut. Es diente ausländischen Schwimm-Wettkämpfern als Trainingsstätte für die Olympischen Sommerspiele 1932 und 1936.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte zunächst keine sportliche Nutzung des Schwimmbeckens, bis die DDR in den 1970er Jahren die Anlagen überarbeiten ließ und das Freibad wieder eröffnete. Als Sommervolksbad war es bis in die späten 1980er Jahre in Benutzung und wurde ‚BVB-Freibad‘ genannt. Die jugendlichen Teilnehmer an den Zeltlagern auf dem früheren Gelände des Lichtenberger Stadions waren häufig zu Gast im Schwimmbad. Es ist ohne Totalsanierung nicht mehr nutzbar.

Andere Bauten auf dem Stadiongelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im südlichen Eingangsbereich des Sportstadions steht ein kleines Backsteinhäuschen neben einem Pförtnergebäude, beide müssen auch dringend saniert werden. Der Trägerklub des BVG-Stadions errichtete bis 2010 ein mehrgeschossiges Klubhaus auf dem Gelände, das den Anforderungen an eine weitere sportliche Nutzung voll genügen wird.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: BVG-Stadion – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tribüne BVG-Stadion
  2. Richard Lakowski, Klaus Dorst: Berlin. Frühjahr 1945, Militärgeschichtliche Skizzen. Militärverlag der DDR, S. 44 f: Antifaschisten erleben die Befreiung Lichtenbergs
  3. Angela M. Arnold, Gabriele von Griesheim: Trümmer, Bahnen und Bezirke. Selbstverlag, 2002, S. 124/125
  4. Vorbei der Feuerbrand… / Kriegsende und Neubeginn in einem Berliner Bezirk (Ausstellungskatalog). Hendrik Bäßler Verlag, Berlin 1995
  5. Bombenfund auf dem Sportplatz. In: Berliner Zeitung, 20. Januar 2000
  6. Noch mehr Munition im Stadion gefunden. In: Berliner Zeitung, 7. April 2000
  7. Ronald Gorny: Lichtenberg rettet Schulen. In: Berliner Kurier, 7. Januar 2009