Bagasse

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Bagasse Lager Si Thep, Thailand

Als Bagasse (auch: Begasse) bezeichnet man die faserigen, gemahlenen Überreste, die bei der Zuckerfabrikation nach dem Auspressen des Zuckersaftes aus dem Zuckerrohr und Sorghumhirsen zurück bleiben.

Bagasse ist als ein Nebenprodukt zu bezeichnen und kann einer vielseitigen Weiterverwendung zugeführt werden.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort Bagasse hat eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich. Es stammt ursprünglich aus dem lateinischen, galloromanischen und schließlich Okzitanischen Sprachraum. Über diesen langen Zeitraum und die unterschiedlichen Sprachgebiete hatte das Wort Bagasse nicht immer dieselbe Bedeutung. So war eine „Bagasse“ im Venezianischen Sprachraum eine Prostituierte, im Gallorömischen war eine „Bacassa“ eine Dienerin, im Indogermanischen war die „Bacassa“ eine Tochter oder Magd. Im 18. Jahrhundert wurde der Name „Bagasse“ für alle Rückstände aus dem Pressen von Früchten, wie Oliven, Palmnüssen und Trauben, sowie Pflanzenmaterialien wie Sisal, Zuckerrohr und Zuckerrüben verwendet[1]

Erst langsam begann sich die Bezeichnung Bagasse für „Zuckerrohr, aus dem der Saft gewonnen wurde“ durchzusetzen.[2]

Heute werden mit Bagasse ausschließlich die Rückstände des Zuckerrohrs bezeichnet, nach dem der Zuckersaft durch die Zuckerrohrmühle ausgepresst wurde. Die Pressrückstände aus Früchten und Pflanzen werden als Trester oder Treber bezeichnet.

Nebenprodukt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das geerntete Zuckerrohr wird in Zuckerrohrmühlen verarbeitet, indem der zuckerhaltige Saft aus den Pflanzen herausgepresst wird (Pressextraktion). In einigen Fabriken sind jedoch auch Diffuseure im Einsatz, die den Zucker mittels des Diffusionsprozesses extrahieren. Während der gewonnene Saft in Absetzer geleitet wird, wird die als Nebenprodukt zurückbleibende Bagasse auf Halden gefahren. Dabei fallen bei 100 Tonnen Zucker aus Zuckerrohr etwa 34 Tonnen Bagasse als Nebenprodukt an. Weltweit wurden 1995 60–70 Millionen Tonnen Bagasse produziert.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bagasse kann in der Chemie, Industrie und Viehzucht verwendet werden.

Bagasse besteht zu 40 bis 60 % aus Cellulose, zu 20 bis 30 % aus Hemicellulosen und zu etwa 20 % aus Lignin. Es kann energetisch als Festbrennstoff genutzt werden. Dies erfolgt in der Regel bereits in der Zuckerfabrik, wo die Abgase der Verbrennung zur Erzeugung der bei der Zuckerproduktion benötigten elektrischen Energie und Wärme genutzt werden kann.

Durch eine entsprechende Behandlung zur Entfernung des Lignin und eine nachfolgende Mischung mit Zuckerrohrmelasse und eiweißhaltigen Futtermitteln kann mit Bagasse auch Vieh gefüttert werden.

Stofflich wird Bagasse vor allem in der Zellstoffindustrie zur Herstellung von Pappen (Verpackungsmaterial, Bagasseschalen)[3] und Baumaterialien[4] genutzt. Die enthaltenen Hemicellulosen, vor allem das aus dem C5-Zucker Xylose aufgebaute Polysaccharid Xylan kann chemisch-technisch und enzymatisch zur Gewinnung von Grundchemikalien, vor allem Furfural und Lävulinsäure, genutzt werden und ist entsprechend auch für eine Nutzung in der integrierten Bioraffinerie von Interesse.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stichwort Bagasse In: Hans Zoebelein (Hrsg.): Dictionary of Renewable Resources. 2. Auflage, Wiley-VCH, Weinheim und New York 1996; Seite 20. ISBN 3-527-30114-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bagasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Bagasse – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wiktionnaire (französisch) bagasse, Étymologie
  2. Centre National de Ressources Textuelles et Lexicales. Lexicographie Bagasse1 und Bagasse2. Abgerufen am 30. Juli 2018
  3. ecowoman, Einmalig: Recycling-Geschirr aus Zuckerrohr. Abgerufen am 2. Oktober 2018
  4. dds-online Dekodur-Schichtstoffplatte ohne Petrochemie, vom 2. Januar 2018. Abgerufen am 2. Oktober 2018