Bahnstrecke Česká Kamenice–Česká Lípa

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Česká Kamenice–Česká Lípa střelnice[1][2]
Kursbuchstrecke (SŽDC): 901
Streckenlänge: 26,28 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: A
Maximale Neigung: 35 
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Strecke – geradeaus
von Děčín (vorm. BNB)
Bahnhof, Station
0,000 Česká Kamenice früher Böhmisch Kamnitz 320 m
   
nach Varnsdorf (vorm. BNB)
Kilometer-Wechsel
0,228 Infrastrukturgrenze SŽDC / KŽC
   
vlečka Preciosa-Lustry a.s.
   
4,457
0,000
Kamenický Šenov früher Steinschönau 429 m
   
max. Neigung 35 ‰
   
2,207 Horní Prysk früher Oberpreschkau
   
4,606 Kamenický Šenov horní nádraží 568 m
   
früher Parchen-Steinschönau
   
Scheitelpunkt 563 m
   
8,352 Nový Oldřichov früher Ullrichstal
   
9,569 Mistrovice früher Meistersdorf
   
11,909 Nová Ves u České Lípy früher Neudörfel
   
13,341 Volfartice früher Wolfersdorf
   
16,245 Horní Libchava früher Oberliebich
   
18,420 Manušice früher Manisch
   
von Rumburk (vorm. BNB)
Haltepunkt, Haltestelle
21,832 Česká Lípa střelnice (ehem. Bf) 271 m
Strecke – geradeaus
früher Böhmisch Leipa Stadtpark
Strecke – geradeaus
von Česká Lípa (vorm. BNB)

Die Bahnstrecke Česká Kamenice–Česká Lípa war eine Nebenbahn in Tschechien, deren zwei Teilstrecken ursprünglich durch die Böhmische Nordbahn und die private Lokalbahn Böhmisch Leipa–Steinschönau errichtet wurden. Sie führte von Česká Kamenice (Böhmisch Kamnitz) über Kamenický Šenov (Steinschönau) nach Česká Lípa (Böhmisch Leipa). Zwischen Česká Kamenice und Kamenický Šenov besteht heute eine Museumsbahn, die restliche Strecke wurde 1979 stillgelegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon sehr frühzeitig entstanden durch die Böhmische Nordbahn-Gesellschaft BNB die ersten Eisenbahnstrecken zwischen Tetschen (heute: Děčín), Böhmisch Leipa und Rumburg (heute: Rumburk). 1869 konnte die durchgehende Strecke von Prag bis Rumburg im Böhmischen Niederland fertiggestellt werden. Viele kleinere nordböhmische Orte mit aufstrebender Industrie erhielten jedoch noch keinen Bahnanschluss.

Auch Steinschönau, mit der sich langsam entwickelnden Glasindustrie gehörte zu diesen Orten. So ergingen Forderungen an die BNB, auch Steinschönau an die Eisenbahn anzuschließen. Ein 1880 erlassenes Gesetz erleichterte schließlich den Bau von Bahnen untergeordneter Bedeutung. 1882 stellte die BNB ein vorläufiges Projekt vor, welches den Bau einer Lokalbahn von Böhmisch Kamnitz aus vorsah. Aber erst nach Zusicherung eines entsprechenden Verkehrsaufkommens durch die Industrie Steinschönaus begann der Bau am 5. August 1885. Nach sechs Monaten Bauzeit war die Strecke fertiggestellt und am 10. Februar 1886 konnte die neue Lokalbahn feierlich eröffnet werden.

Noch fehlte jedoch eine Eisenbahnverbindung in die nahe Bezirksstadt Böhmisch Leipa. 1892 ermöglicht ein neues Gesetz, staatliche Garantien für den Bau privater Lokalbahnen in Anspruch zu nehmen. Mehrere Entwürfe wurden erarbeitet, um die topografischen Schwierigkeiten beim Bau der Strecke nach Böhmisch Leipa zu meistern. Erst am 24. März 1902 wurde die Konzession erteilt und wenig später konnten die Bauarbeiten beginnen. Am 29. August 1903 verkehrten die ersten Züge von Böhmisch Leipa nach Steinschönau.

Den Betrieb führte die Böhmische Nordbahn-Gesellschaft auf Rechnung der Lokalbahn Böhmisch Leipa–Steinschönau aus. Nach der Verstaatlichung der Böhmischen Nordbahn im Jahre 1908 übernahmen die österreichischen k.k. Staatsbahnen die Betriebsführung auf der Strecke. Nach Gründung der Tschechoslowakei 1919 führte dann die Tschechoslowakische Staatsbahn ČSD den Betrieb fort. 1925 wurden per Gesetz die meisten Privatbahnen in der Tschechoslowakei aufgelöst und auch die Lokalbahn Böhmisch Leipa-Steinschönau wurde endgültig in die ČSD eingegliedert. Fortan wurde die Strecke als durchgehende Linie Böhmisch Leipa–Böhmisch Kamnitz betrieben.

Während der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland ab 1938 wurde die Strecke von der Deutschen Reichsbahn, Reichsbahndirektion Dresden betrieben. 1945 gelangte die Strecke dann wieder zur ČSD.

Museumsbahnverkehr des Klub přátel lokálky (2003)
Bahnhof Kamenický Šenov (2012)
ehemalige Haltestelle Horní Libchava (2011)

Auch nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg behielt die Industrie in Steinschönau (ab 1945: Kamenický Šenov) ihre Bedeutung, so dass auch weiterhin ein starker Güterverkehr bewältigt werden musste. Demgegenüber niedrig waren die Beförderungsleistungen im Reisezugverkehr, sodass in den 70er Jahren die Einstellung des Verkehrs beschlossen wurde.

Am 29. September 1979 verkehrten die letzten Reisezüge und die Strecke von Česká Lípa-Střelnice nach Kamenický Šenov wurde stillgelegt. Von Česká Kamenice nach Kamenický Šenov wurde die Strecke auch weiterhin im Güterverkehr betrieben. Erst nach der Samtenen Revolution in der Tschechoslowakei 1989 verringerte sich das Verkehrsaufkommen und die Reststrecke wurde zum 1. Oktober 1992 stillgelegt.

Im Jahre 1994 gründete sich der Klub přátel lokálky (Klub der Lokalbahnfreunde), um auf dem noch existierenden Gleis der einstigen Nordbahnstrecke bis Kamenický Šenov einen Museumsbahnverkehr einzurichten. Am 21. Juni 1997 verkehrten die ersten Museumszüge nach Kamenický Šenov.

Anfang 2007 schrieb der Streckeneigentümer Správa železniční dopravní cesty (SZDC) die Strecke zum Verkauf aus. Neben dem Klub přátel lokálky gab auch der Klub železničních cestovatelů (KŽC) ein Angebot ab, der letztlich den Zuschlag erhielt. Am 28. Dezember 2008 ging die Strecke schließlich käuflich an KŽC über. Der Klub přátel lokálky löste sich daraufhin auf. KŽC investierte in den Jahren 2009 und 2010 insgesamt 2 414 580 Kč in die Reparatur von Gleisen und Anlagen. Es wurden insgesamt 2400 Schwellen ausgewechselt.[3]

KŽC Doprava nahm 2011 den musealen Verkehr wieder auf. An den Wochenenden des Sommerhalbjahres verkehren jeweils vier Zugpaare als „Kamenický motoráček“.[4] Ab dem Fahrplan 2016 ist die Strecke als saisonale touristische Linie T1 in den Regiotakt Ústecký kraj integriert.[5][6]

Vom 1. bis 9. September 2016 verkehrten nach fast 40 Jahren wieder Züge des öffentlichen Personennahverkehrs. Grund war eine Vollsperrung der Straße I/13 wegen Bauarbeiten am Bahnübergang in Horní Kamenice, bei der eine Umleitung der dort verkehrenden fünf Überlandbuslinien nicht möglich war. Als Ersatz fuhren zwischen Česka Kamenice und Kamenický Šenov täglich 17 Personenzugpaare, die gratis benutzt werden konnten. Verantwortliches Eisenbahnverkehrsunternehmen war KŽC Doprava. Zum Einsatz kam ein Triebwagen der Baureihe 810.[7]

Fahrzeugeinsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Komarek-Triebwagen kkStB 1.0

Ursprünglich sollten Dampftriebwagen im Personenverkehr zum Einsatz kommen, wegen der zu geringen Leistung kamen die beiden von Ringhoffer beschafften Komarek-Triebwagen später auf anderen Lokalbahnen in Böhmen zum Einsatz. So setzte die betriebsführende Böhmische Nordbahn vorerst die Baureihe VIa auf der Strecke ein. 1908 beschaffte die Böhmische Nordbahn zwei Tenderlokomotiven der Reihe VIb bei der Ersten Böhmisch-Mährischen Maschinenfabrik in Prag, welche dann bis 1949 auf der Strecke verkehrten.

Ab den 30er Jahren kamen erstmals Motortriebwagen zum Einsatz, neben der ČSD-Baureihe M 222.0 waren das vor allem die Turmtriebwagen M 130.2. Ab 1949 übernahmen die neugelieferten Triebwagen der Baureihe M 131.1 den Reisezugverkehr, welche bis zur Betriebseinstellung im Einsatz waren. Die letzten Reisezüge wurden 1979 mit den damals neuen Triebwagen der Baureihe M 152.0 gefahren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • L.Čada, J.Koutný, R.Sedláček, J.Strnad: Místní dráha Česká Lípa - Kamenický Šenov - Česká Kamenice, 2. Auflage; Vydavatelství dopravní literatury Ing. Luděk Čada Litoměřice 2001, ISBN 80-902706-4-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Česká Kamenice–Česká Lípa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zdeněk Hudec u.a.: Atlas drah České republiky 2006–2007, 2. Auflage; Verlag Pavel Malkus, Praha, 2006, ISBN 80-87047-00-1
  2. Prohlášení o dráze regionální
  3. http://www.kzc.cz/cz/KZC-doprava/Sklarska-lokalka/Nedavna-minulost
  4. Fahrplan des Kamenický motoráček 2014 (Memento vom 28. Oktober 2014 im Internet Archive)
  5. „Ústecký kraj spustil provoz turistických linek“ auf www.zelpage.cz
  6. „Od Velikonoc jezdí o víkendech a svátcích nostalgické vlaky a loď po Labi“ auf www.kr-ustecky.cz
  7. „Na sklářskou lokálku se kvůli uzavírce vrací pravidelný provoz“ auf www.zelpage.cz