k.k. Staatsbahnen

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Die k.k. Staatsbahnen (kurz kkStB, auch k.k. österreichische Staatsbahnen[1]) waren die staatlichen Bahnen der österreichischen („cisleithanischen“) Reichshälfte von Österreich-Ungarn.

Geschichte[Bearbeiten]

Die k.k. Staatsbahnen entstanden 1884 infolge der Notverstaatlichung wirtschaftlich angeschlagener Eisenbahnunternehmen in der österreichischen Reichshälfte. Dies war eine direkte Konsequenz der Wirtschaftskrise von 1873, die ein Umdenken in der staatlichen Eisenbahnpolitik zur Folge hatte. Die Rakonitz–Protivíner Bahn war danach die erste Eisenbahn, die durch den Staat selbst errichtet wurde. Vollständig im Jahr 1876 fertiggestellt, musste der dortige Betrieb zunächst privaten Eisenbahnunternehmen überlassen werden.

Für die staatlichen Bahnen wurde am 1. Jänner 1884 die Generaldirektion der k.k. Staatsbahnen eingerichtet, die dem k.k. Handelsminister unterstand. Nach Jahrzehnte langer Wahrnehmung der Eisenbahnagenden in diesem Ressort wurde in Cisleithanien 1896 an Stelle der Generaldirektion das k.k. Eisenbahnministerium eingerichtet, das bis 1918 bestand. Das Ministerium leitete die Staatsbahnen direkt, ohne einen dazwischen geschalteten Generaldirektor oder dergleichen; die Eisenbahnminister wurden zumeist aus den Spitzenbeamten des Hauses gewählt.

Da sich fast in ganz Europa das Staatsbahnsystem durchsetzte, wurden seit den 1880er Jahren zahlreiche private österreichische Eisenbahnunternehmen systematisch und planvoll verstaatlicht, darunter so große Unternehmen wie 1906 die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn (siehe Verkehrspolitik).

Durch Neubauprogramme des Staates wurde das Streckennetz der kkStB wesentlich vergrößert. Das bekannteste Beispiel dafür waren im ersten Jahrzehnt des 20. Jh. realisierte Großprojekte der Nord-Süd-Alpenquerung in erster Linie zur besseren Erschließung des Seehafens Triest, die unter dem politischen Begriff Neue Alpenbahnen zusammengefasst wurden. Es waren dies Tauernbahn, Karawankenbahn, Wocheiner Bahn (inkl. Karstbahn), Pyhrnbahn und Wechselbahn. Ein ähnliches Projekt war die in den Jahren 1887 bis 1889 errichtete Böhmisch-Mährische Transversalbahn, mit der eine neue Ost-West-Transversale in den Kronländern Böhmen und Mähren geschaffen werden sollte.

1891 umfasste das k.k. Staatsbahnnetz 7.132 km (von insgesamt 28.066 Bahn-km in ganz Österreich-Ungarn), 1378 Lokomotiven, 3195 Personen- und 25.883 Güterwagen. Befördert wurden in diesem Jahr 31,9 Millionen Personen und 16,9 Millionen Tonnen Güter.[2] Bis 1918, als die Monarchie zerbrach, erreichte das Netz der kkStB eine Länge von etwa 19.000 km.

Die k.k. österreichischen Staatsbahnen waren Mitglied im 1847 in Pest gegründeten Verein Deutscher Eisenbahnverwaltungen, der an der Normung von Bahntechnik und Bahnvorschriften sowie an der internationalen Fahrplankoordination mitwirkte.[3]

Verstaatlichte Eisenbahnen[Bearbeiten]

Zu den wichtigsten verstaatlichten Eisenbahngesellschaften zählten:

Zeitleiste[Bearbeiten]

Kaschau-Oderberger Bahn Stauding-Stramberger Eisenbahn Neutitscheiner Lokalbahn Buschtiehrader Eisenbahn Aussig-Teplitzer Eisenbahn Vorarlberger Bahn Ungarische Westbahn Tarnow-Leluchower Staatsbahn Prag-Duxer Eisenbahn Österreichische Nordwestbahn Österreichische Lokaleisenbahngesellschaft Niederösterreichische Südwestbahnen Mühlkreisbahn Mährisch-Schlesische Centralbahn Mährische Grenzbahn Lemberg-Czernowitz-Jassy Eisenbahn-Gesellschaft Rudolfsbahn Kremstalbahn kkStB Franz-Josefs-Bahn kkStB Erzherzog Albrecht-Bahn kkStB Erste Ungarisch-Galizische Eisenbahn kkStB Eisenbahn Pilsen-Priesen-Komotau) Dux-Bodenbacher Eisenbahn Bozen-Meraner Bahn Böhmische Westbahn Böhmische Nordbahn Böhmische Nordbahn Turnau-Kralup-Prag Böhmische Commerzialbahnen Rakonitz-Protiviner Bahn Istrianer Staatsbahn Dniester Bahn Dalmatiner Staatsbahn Kaiserin Elisabeth-Bahn Pferdeeisenbahn Budweis-Linz-Gmunden Österreichische Nordbahn Brünn-Rossitzer Eisenbahn Österreichische Ostbahn Staats-Eisenbahn-Gesellschaft Südöstliche Staatsbahn Ungarische Zentralbahn Nördliche Staatsbahn Carl Ludwig-Bahn Östliche Staatsbahn Krakau-Obersleschische Bahn Südliche Staatsbahn Südbahn Tiroler Staatsbahn Lombardisch-Venetianische Staatsbahn Lombardisch-Venetianische Ferdinandsbahn Milano-Monza

Ende der k.k. Staatsbahnen[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden Strecken und Fahrzeuge der kkStB von November 1918 an unter den Nachfolgestaaten (Deutsch-)Österreich, Tschechoslowakei, Polen, Italien, Rumänien und SHS-Staat (ab 1929 Jugoslawien) aufgeteilt. Die kkStB gingen in folgenden Staatsbahnen auf:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mit österreichische z. B. im Staatshandbuch 1907 und auf der Titelseite von: K. K. Eisenbahnministerium (Hrsg.), Friedrich Wilhelm Benesch: Die neuen österr. Alpenbahnen. Wien 1910
  2. Meyers Konversations-Lexikon, 5. Auflage, 5. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1894, S. 516 f.
  3. Meyer, a. a. O., S. 556