Bahnstrecke Jever–Harle

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Jever–Harle
Strecke der Bahnstrecke Jever–Harle
Streckennummer: 1541
Kursbuchstrecke (DB): ex 10007, ex 221g
Streckenlänge: 20,1 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
von Sande
   
0 Jever
   
nach Esens (–ehemals Norden)
   
4,0 Wiefels
   
6,2 Bussenhausen
   
8,4 Tettens
   
11,1 Hohenkirchen
   
Marinebahn Hohenkirchen–Schillig
   
14,1 Garms (Neugarmssiel)
   
18,0 Carolinensiel
   
20,1 Hafen Harle (ab 1987 Haltepunkt)
Ehemaliges Stationsgebäude Garms

Die Bahnstrecke Jever–Harle war eine 20 Kilometer lange Nebenbahn im Nordwesten von Niedersachsen, die überwiegend dem Verkehr von und zu den Fährschiffen nach Wangerooge diente. Da der Schiffsverkehr nach Wangerooge abhängig von den Gezeiten ist, hatten viele Zugpaare einen täglich wechselnden Fahrplan, weshalb diese Fahrten als Tidezug und die Strecke als Tidebahn bezeichnet wurden. Sie wurde ebenfalls Goldene Linie genannt.

Streckenverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strecke zweigte am Nordwestende des Bahnhofes von Jever von der Ostfriesischen Küstenbahn ab und verlief weitgehend gradlinig und direkt neben der Landstraße nach Norden. Der wichtigste Zwischenbahnhof war in Carolinensiel. Von dort führte sie bis in das Vordeichsgelände am Hafen Harle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau der Bahn war vom Großherzogtum Oldenburg initiiert und unterstützt worden, um den Badebetrieb auf der einzigen oldenburgischen Nordseeinsel Wangerooge zu fördern. Gebaut und finanziert wurde sie von der „Jever-Carolinensieler Eisenbahngesellschaft“, einer Aktiengesellschaft unter Führung des Bankhauses Erlinger&Söhne in Frankfurt (Main). Am 1. September 1888 wurde der Abschnitt Jever–Carolinensiel eröffnet, die Bahn endete jedoch nicht im damals preußischem Carolinensiel, sondern an der Friedrichsschleuse auf Oldenburger Gebiet. Der Anschluss zum Anleger Harle erfolgte am 1. Juli 1890. Der Betrieb wurde von Anfang an von den Großherzoglich Oldenburgischen Staatseisenbahnen (GOE) übernommen. Diese kaufte 1897 auch die verlustbringende Strecke auf. Gleichzeitig übernahm sie ein Seebäderschiff und errichtete die Inselbahn Wangerooge. 1956/57 wurde der Hafen weiter in das Vordeichgelände verlegt und die Strecke verlängert.

Auf der Strecke überlagerte sich der nach festem Fahrplan verkehrende Zugverkehr Jever–Carolinensiel und der der Tidezüge Sande–Harle. 1944 verkehrten werktags sechs Zugpaare und ein Tidezugpaar, 1961 drei Zugpaare und ein bis zwei Tidezugpaare.

Der Betrieb war stets unrentabel. Im Jahre 1966 wurde der Zugverkehr im Winter eingestellt. Die Bedienung der Zwischenhalte endete 1968. Ab 1981 verkehrten Züge nur noch an verkehrsreichen Tagen. Im Jahre 1987 musste das Umsetzgleis in Harle dem Parkplatzausbau weichen, so dass nur noch Schienenbusse verkehren konnten. Ein notwendiger Brückenneubau über das Tettenser Tief war Anlass, die Strecke stillzulegen, und zum Winterfahrplan 1987/88 kündigte die Deutsche Bundesbahn die Einstellung des Personenverkehrs an, der letzte Zug mit Fähranschluss fuhr aber erst am 28. Mai 1988. Bis zum 11. September 1989 gab es noch einzelne Sonderfahrten, und es war noch Güterverkehr möglich. Im Januar 1990 wurde die Strecke abgebaut. Seitdem dienen große Teile der Trasse als Rad- bzw. Gehweg.

Das Bahnhofsgebäude und ein weiteres Bahngebäude in Carolinensiel werden privat genutzt, das Bahnhofsgebäude steht zudem heute unter Denkmalschutz. Das Bahnhofsgebäude in Harle dient als Verkaufsstelle für Fährtickets zur Insel Wangerooge. Vorhanden sind noch die ehemaligen Bahnhofsgebäude - heute privat genutzt - in Tettens und Garms.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Private Seite über die Tidebahn Jever-Harle

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Fiegenbaum, Wolfgang Klee: Abschied von der Schiene – Stillgelegte Bahnstrecken im Personenverkehr Deutschlands 1986–1990. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1991, S. 24–27, ISBN 3-613-01417-3.
  • Malte Werning: Wangerooge: Die Inselbahn und ihre Geschichte. Lokrundschau Verlag, Gülzow 1999, ISBN 3-931647-09-9, S. 114–117.
  • Lothar Kuhne: Eisenbahndirektion Oldenburg 1867–1934. Bernd Neddermeyer, Berlin 2011, ISBN 978-3-941712-16-4.