Bahnstrecke Teterow–Gnoien

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Teterow–Gnoien
Streckennummer (DB): 6937
Kursbuchstrecke (DB): 176 (1996)
Streckenlänge: 26,5 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
von Güstrow
Bahnhof, Station
0,0 Teterow
   
nach Neubrandenburg
   
1,9 Teterow See
   
7,1 Thürkow
   
10,2 Schwetzin
   
12,4 Groß Wüstenfelde
   
14,9 Schrödershof
   
17,2 Poggelow
   
20,8 Klein Lunow
   
von Grammow (s.u.)
   
24,9 Dölitz
   
26,5 Gnoien

Die Bahnstrecke Teterow–Gnoien war eine eingleisige Nebenbahn in Mecklenburg-Vorpommern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhofsgebäude in Gnoien (2009)
Siegelmarke der Gnoien-Teterower Eisenbahn-Gesellschaft

Teterow-Gnoiener Eisenbahn-Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1864 wurde die Bahnstrecke Bützow–Stettin von Güstrow über Teterow nach Neubrandenburg verlängert, drei Jahre später weiter nach Stettin.

Zur Erschließung der vor allem landwirtschaftlich genutzten Gegend nördlich von Teterow mit der Kleinstadt Gnoien wurde durch die Teterow-Gnoiener Eisenbahn-Gesellschaft gegründet. Die Konzession zum Bau der Strecke wurde am 14. Februar 1884 erteilt. Die Bauausführung und der Betrieb erfolgte durch das in Stettin ansässige Unternehmen Lenz & Co. Die Strecke wurde am 5. November 1884 eröffnet. Ursprüngliche Überlegungen, die Strecke weiter über Tribsees in Richtung Stralsund oder Greifswald zu führen, wurden nicht verwirklicht.[1]

Betrieb in Staatseigentum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. März 1890 wurde die Bahngesellschaft, wie viele andere private mecklenburgischen Bahngesellschaften jener Zeit, verstaatlicht und Bestandteil der Großherzoglichen Friedrich-Franz-Eisenbahn.[2] Dabei gingen drei Lokomotiven der Teterow-Gnoiener Eisenbahn in den Bestand der Staatsbahn über.

Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Strecke wie die ganze Friedrich-Franz-Bahn in den Deutschen Reichseisenbahnen auf, aus denen sich die Deutsche Reichsbahn entwickelte. Praktisch im gesamten Existenzzeitraum der Strecke bestand das Personenzugangebot auf der Strecke aus vier, selten fünf, Zugpaaren, die zwischen Teterow und Gnoien pendelten. Nach 1945 entging die Strecke nur knapp der Demontage durch die sowjetischen Besatzungstruppen.[3] Bedeutung hatte die Strecke bis 1990 vor allem für den Güterverkehr mit landwirtschaftlichen Produkten. 1990 fuhren die letzten Zuckerrübenzüge, das übrige Frachtaufkommen schmolz dahin.[3]

Mitte der 1990er Jahre war die Strecke in zweifacher Hinsicht ein Kuriosum: Zum einen verkehrte hier der letzte Personenzug mit Güterbeförderung bei der Deutschen Bahn, der einen Brennstoffhändler am Bahnhof Gnoien belieferte. Zum anderen gab es auf der Strecke einen mehrere Kilometer langen Abschnitt, der nur mit 10 km/h befahrbar war. Die Züge benötigten zuletzt 33 Minuten für die fünf Kilometer von Thürkow nach Groß Wüstenfelde.[4] Dies führte – auch aufgrund der dünnen Besiedlung entlang der Strecke – zu ihrem raschen Ende. Am 1. Juni 1996 wurde der Verkehr eingestellt, ein Jahr später wurde die Strecke stillgelegt. Heute sind die Gleise komplett abgebaut.

Anschlussbahn Grammow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dölitz–Grammow
Streckenlänge: 11,7 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
   
von Gnoien (s.o.)
   
0,0 Dölitz
   
nach Teterow (s.o.)
   
3,3 Groß Nieköhr
   
4,6 Tessiner Chaussee
   
6,7 Samow
   
8,2 Viecheln
   
9,8 Nustrow
   
11,7 Grammow

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Planungen diskutiert, Gnoien mit Tessin und der dort bestehenden Bahnstrecke nach Rostock zu verbinden.[2] Dazu kam es aber nicht. Stattdessen wurde eine Anschlussbahn gebaut, die der Erschließung der umliegenden Güter, vor allem zur Abfuhr von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, diente. Sie wurde spätestens in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts eröffnet.[5]

Die 11,7 km lange regelspurige Bahn zweigte an der Haltestelle Dölitz, der letzten Station vor Gnoien, ab und wurde mit Güterzügen von Gnoien aus bedient. Regulären Personenverkehr gab es nicht. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden der Bahnbetrieb auf der Strecke eingestellt und die Gleise demontiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lothar Schultz: Eisenbahnen in Mecklenburg. 3. Auflage, transpress, Berlin 1992, ISBN 3-344-70732-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Wilhelm: Die Franzburger Südbahn. EK Verlag, Freiburg 1997, ISBN 3-88255-424-X
  2. a b Schultz, Eisenbahnen in Mecklenburg
  3. a b W. Fiegenbaum, W. Klee: Abschied von der Schiene. Stuttgart 1999, S. 15
  4. Kursbuch 1995/96
  5. Verkehrs-Atlas von Europa (Dr. W. Kochs Eisenbahn- und Verkehrsatlas von Europa), hrsg. von C. Opitz, Leipzig : Arnd, 1906. Dort ist die Strecke enthalten. Neuzeitliche Quellen, in denen ein Eröffnungsjahr 1911 genannt wird (z. B. Schultz, Eisenbahnen in Mecklenburg), stehen dazu im Widerspruch. Auch in einer undatierten Ausgabe des "Eisenbahn- und Verkehrs-Taschen-Atlas", + etwa 1898-1900 (alle späteren Ausgaben ab 1900 sind datiert) ist die Nebenstrecke nach Grammow bereits eingezeichnet.