Gnoien

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gnoien
Gnoien
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gnoien hervorgehoben
Koordinaten: 53° 58′ N, 12° 43′ O
Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Rostock
Amt: Gnoien
Höhe: 21 m ü. NHN
Fläche: 41,08 km²
Einwohner: 3013 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 73 Einwohner je km²
Postleitzahl: 17179
Vorwahl: 039971
Kfz-Kennzeichen: LRO, BÜZ, DBR, GÜ, ROS, TET
Gemeindeschlüssel: 13 0 72 035
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 11
17179 Gnoien
Webpräsenz: www.gnoien.com
Bürgermeister: Lars Schwarz (CDU)
Lage der Stadt Gnoien im Landkreis Rostock
Rostock Schwerin Landkreis Mecklenburgische Seenplatte Landkreis Vorpommern-Rügen Landkreis Nordwestmecklenburg Landkreis Nordwestmecklenburg Landkreis Ludwigslust-Parchim Admannshagen-Bargeshagen Bartenshagen-Parkentin Börgerende-Rethwisch Hohenfelde (Mecklenburg) Nienhagen (Landkreis Rostock) Reddelich Retschow Steffenshagen Wittenbeck Baumgarten (Warnow) Bernitt Bützow Dreetz (Mecklenburg) Jürgenshagen Klein Belitz Penzin Rühn Steinhagen (Mecklenburg) Tarnow (Mecklenburg) Warnow (bei Bützow) Zepelin Broderstorf Klein Kussewitz Blankenhagen Poppendorf (Mecklenburg) Roggentin (bei Rostock) Broderstorf Thulendorf Altkalen Behren-Lübchin Boddin Finkenthal Gnoien Lühburg Walkendorf Behren-Lübchin Glasewitz Groß Schwiesow Gülzow-Prüzen Gutow Klein Upahl Kuhs Lohmen (Mecklenburg) Lüssow (Mecklenburg) Mistorf Mühl Rosin Plaaz Reimershagen Sarmstorf Diekhof Dolgen am See Hohen Sprenz Laage Wardow Dobbin-Linstow Hoppenrade Krakow am See Kuchelmiß Lalendorf Lalendorf Alt Sührkow Dahmen Dalkendorf Groß Roge Groß Wokern Groß Wüstenfelde Hohen Demzin Jördenstorf Lelkendorf Prebberede Schorssow Schwasdorf Sukow-Levitzow Thürkow Warnkenhagen Alt Bukow Am Salzhaff Bastorf Bastorf Biendorf (Mecklenburg) Carinerland Kirch Mulsow Rerik Bentwisch Blankenhagen Gelbensande Mönchhagen Rövershagen Benitz Bröbberow Kassow Rukieten Schwaan Vorbeck Wiendorf (Mecklenburg) Cammin (bei Rostock) Gnewitz Grammow Nustrow Selpin Stubbendorf (bei Tessin) Tessin (bei Rostock) Thelkow Zarnewanz Elmenhorst/Lichtenhagen Kritzmow Lambrechtshagen Papendorf (Warnow) Pölchow Stäbelow Ziesendorf Bad Doberan Dummerstorf Graal-Müritz Güstrow Kröpelin Kühlungsborn Neubukow Sanitz Satow TeterowKarte
Über dieses Bild

Gnoien ist eine Kleinstadt im Osten des Landkreises Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist Sitz des Amtes Gnoien, dem sieben Gemeinden angehören. Der Ort bildet für seine Umgebung ein Grundzentrum.[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kleinstadt liegt innerhalb einer Flussschlinge der Warbel, einem kleinen Nebenfluss der Trebel zwischen Rostock und Demmin. Die Umgebung ist recht flach, einzelne Hügel erreichen kaum 40 m ü. NN. Unmittelbar südlich von Gnoien entspringt die Peene. In der Nähe befinden sich die Großsteingräber von Schlutow – die ältesten heute noch sichtbaren Zeugen menschlicher Besiedlung in der Region.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteile der Gemeinde Gnoien sind:[3]

  • Dölitz
  • Eschenhörn
  • Gnoien
  • Kranichshof
  • Warbelow

Amtsgemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Gemeinden gehören zum Amt Gnoien: Altkalen, Boddin, Behren-Lübchin, Finkenthal, Gnoien, Lühburg und Walkendorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname könnte vom slawischen Wort „gnoy“ abstammen, was wenig schmeichelhaft dann „Kot“ bedeutet. Eine andere Deutung, die vom germanischen Wort „Gneus“ ausgeht, also „Herr“ (Herrenort), wäre zwar gefälliger, aber wissenschaftlich nicht belegbar.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marienkirche Gnoien

Gnoien wird (neben Waren, Bützow und einigen weiteren, nicht sicher zuzuordnenden Siedlungsplätzen) bereits um das Jahr 150 n. Chr. vom alexandrinischen Geografen Claudius Ptolemäus erwähnt (als „Coenoenum“) und ist deshalb einer der ersten urkundlich erwähnten Orte auf dem Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns. 1257 gilt als Jahr der ersten mittelalterlichen Erwähnung von Gnoien, sowie 1276 als civitatenses und 1287 als oppidum, also als Stadt.[4] In der Mitte des 14. Jahrhunderts hatte der Ort seine größte Bedeutung. Ein Schloss mit der Lage im Nordosten der Stadt wird bereits 1331 erwähnt. Die gotische Stadtkirche St. Marien wurde im 13. und 14. Jahrhundert errichtet.

Es gab in der als Stadt geführten Siedlung mehrere Handwerkszünfte; man trieb Handel mit Rostock, Schwerin, Wismar und anderen Städten. Der erste Burgvogt - Ritter Otto von Drewitz - befestigte Gnoien mit Wall, Graben, Mauer (Abriss im 18. Jh.) und zwei Stadttoren (Abriss im 19. Jh.). 1344 schlossen die Fürsten von Mecklenburg und die von Werle-Güstrow in Gnoien einen Waffenstillstand. Von 1361 bis 1623 gab es hier eigenes Geld (Gnoiender Witten), das ab 1615 in der Gnoiener Münzwerkstatt geprägt wurde. Im 16. Jahrhundert wird sogar ein neues Rathaus gebaut.

Ab 1600[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gnoien 1761
Ehemaliges Großherzogliches Amtsgericht, heute Amtsgebäude

Der Dreißigjährige Krieg zog die Stadt stark in Mitleidenschaft, 1637 wurde sie total verwüstet. Ihre Bedeutung sank stetig. Zeiten der Pest und Cholera waren zu überstehen. Nur noch 800 Einwohner besiedelten um 1700 den Ort, mehrere Stadtbrände zerstörten Teile der Stadt. Der Brand im Jahr 1710 war der verheerendste. Nur langsam erfolgte der Wiederaufbau und die Landstadt konnte einen bescheidenen Wohlstand wiedererringen. Auch im Siebenjährigen Krieg hatte Gnoien durch die Werbung von Soldaten und durch Proviantlieferungen für die Preußen erhebliche Unbilden zu erleiden. Erst ab 1800 begann wieder eine positive Entwicklung.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden Krankenhaus, Amtsgericht (1879), Schulen (1844 bzw. 1860) sowie die Gasanstalt. 1884 wurde Gnoien mit einer eingleisigen Strecke von Teterow an das Bahnnetz angeschlossen und 1899 wurde das Rathaus fertiggestellt.

Neuere Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Jüdische Friedhof mehrfach geschändet und zerstört, obwohl 1925 hier die letzte Beerdigung stattfand. Seit den 1960er Jahren wurde das Areal landwirtschaftlich genutzt, und erst seit 1970 erinnert ein Gedenkplatz auf dem Städtischen Friedhof mit Gedenkstein an der Bobbiner Chaussee an die sechs Millionen Opfer der Shoa.

Nach dem Zweiten Weltkrieg prägte die Landwirtschaft auch weiterhin das Gesicht der Stadt und der Umgebung. Die private Firma Foto Zorn in Gnoien entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Fotolabore im Norden der DDR, spezialisiert auf die Entwicklung von Farbdiapositiven. Nach der politischen Wende wurde ab 1991 der historische Stadtkern mit dem Rathaus im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert. 2007 feierte die Stadt ihr 750-Jahre-Jubiläum.

Geschichte der Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dölitz: Gutsbesitzer waren u.a. Eggert von Levezow (* 1423) und dessen Familie (bis um 1634), danach u.a die Familien von Lehsten, kurzzeitig von Rochow, dann wieder von Lehsten (bis Anfang des 19. Jh.) und von Behr-Negendank (bis 1931). Danach wurde das Gut aufgesiedelt. Das barocke, zweigeschossige Gutshaus von um 1681 steht auf mittelalterlichen Kellern. Es wurde nach 1945 genutzt als Gaststätte, Kulturraum und zu Wohnzwecken und stand seit um 1990 leer.

Kranichshof: Gutsbesitzer waren u.a. die Familien von Lehsten (bis 1786), von Zastrow (bis 1792), Kremer (bis 1855), von Behr-Negendank (bis 1906), und Walter (bis 1930). 1939 wurde das Gut für 61 Siedler aufgesiedelt. Das eingeschossige Gutshaus besteht noch.

Warbelow war ein Gutsdorf. Gutsbesitzer waren u.a. die Familien Grafen von Rittberg (18. Jh. bis 1878), Otto und Wildfang (um 1900 bis 1945). Das Gutshaus stammt von um 1913 und ist nach einem Brand von 1952 nur teilweise erhalten.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1350 3.360
1700 800
1989 4.500
2000 3.526
2006 3.171
2013 3.100

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gnoiener Rathaus

Stadtvertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Kommunalwahl 2014 wurden in die Stadtvertretung Gnoien gewählt: für die CDU 9 Vertreter, für die SPD 3 Vertreter und für Die Linke 1 Vertreter. Ein Mandat entfiel auf die Freie Wählergruppe. Bei der gleichzeitig stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde Lars Schwarz (CDU) gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 10. April 1858 von Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin festgelegt und unter der Nr. 118 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Blasonierung: „Gespalten; vorn in Blau eine halbe silberne Lilie am Spalt, aus der ein silbernes Kleeblatt hervorwächst; hinten in Gold ein halber hersehender schwarzer Stierkopf am Spalt mit silbernen Hörnern, goldener Krone und geschlossenem Maul.“

Das Wappen wurde 1997 von dem Schweriner Heraldiker Heinz Kippnick neu gezeichnet.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Partnergemeinde von Gnoien ist seit 1991 Wettringen in Nordrhein-Westfalen. Wettringen hat etwa 8000 Einwohner. Es besteht seit 2009 auch eine Patenschaft mit der Flugabwehrraketengruppe 24 im Flugabwehrraketengeschwader 2.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke

  • Stadtensemble vom Marktplatz mit dem Rathaus über die Marienkirche bis zum ehemaligen Amtsgerichtsgebäude sowie die den Kern umgebenden Wasserläufe.
  • Stadtpfarrkirche St. Marien als frühgotischer Backsteinbau vom 13. und 14. Jahrhundert bestehend aus dem zweischiffigen Langhaus mit drei Jochen (14. Jh.), dem rechteckigen Chor mit zwei Jochen (13. Jh.) und dem quadratischen Westturm von 1445. Innen: Bemerkenswerte Gewölbemalerei im Chor von um 1300, 1882 erneuert, der spätgotische Flügelaltar und die Kanzel von 1596.
  • Rathaus der Neorenaissance von 1899 nach Entwürfen des Baumeisters Eggers, mit dem Kern eines barocken Vorgängerbaus; saniert um 2000. Wappentafeln mit den Inschriftenplatten.
  • klassizistisches Großherzögliche Amtsgericht von 1877; 1997 renoviert, heute Amtsgebäude für den Amtsbereich Gnoien.
  • Kaiserliche Post von um 1900 in der Langen Straße.
  • Wasserturm, ein technisches Denkmal.
  • Wassermühle an der Warbel, die heutige Vierrademühle; schon seit der Stadtgründung nachgewiesen. Der Gebäudekomplex stammt von 1855 bzw. 1892 (Dampfmühle). Nach der Stilllegung 1991 sind die Gebäude ungenutzt geblieben.
  • Ständer-Holländermühle von 1890.
  • Einige Pferderinge an den Bürgersteigkanten in der Nähe der Kirche.

Kultur

Bildung und Soziales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Wolfgang v. Goethe-Schule als Grundschule
  • Warbel-Schule als regionale Ganztagsschule
  • Gymnasium in Teterow
  • DRK - Kindertagesstätte mit Kindergarten, Kinderkrippe und Schulhort
  • Weitere Kitas sind in Altkalen, Nieköhr, Boddin und Walkendorf

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Bahnhofsgebäude

Gnoien liegt an der Bundesstraße 110 von Rostock nach Demmin. Zu den Städten Teterow und Ribnitz-Damgarten bestehen Verbindungsstraßen. Das vormals infrastrukturell etwas abseits gelegene Gebiet um Gnoien ist durch die nördlich vorbeiführende seit 1992 erbaute Ostseeautobahn aufgewertet worden (Anschlüsse Tessin und Bad Sülze jeweils 11 km entfernt). Die Bahnlinie nach Teterow wurde 1997 stillgelegt, nachdem der Personenverkehr bereits 1996 eingestellt worden war. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Teterow, Tessin und Demmin.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Hannemann: Die Münzen der Stadt Gnoien. Beiträge zur Münzkunde und Geschichte Mecklenburg. Münzfreunde Minden, Minden 1976.
  • Wilhelm Heinrich Wiggers: Geschichte und Urkunden der Stadt Gnoyen. Gnoien 1855. (Digitalisat).
  • 750 Jahre Gnoien. Eine Stadt hat gefeiert. Kunsthaus Verlag, Boddin 2008.
  • Gnoien – Menschen einer Stadt. Kunsthaus Verlag, Boddin 2008.
  • Gnoien – Bilder einer Stadt. Ein Blick zurück. Scheunen-Verlag, Kückenshagen 1998. ISBN 3-929370-80-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gnoien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Gnoien – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt M-V – Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden 2014 (XLS-Datei) (Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Regionales Raumentwicklungsprogramm Mittleres Mecklenburg/Rostock 2011 - Zentralorte und perspektivische Entwicklung, Planungsregion MMR, abgerufen am 12. Juli 2015
  3. Lesefassung Hauptsatzung der Stadt Gnoien. Stadt Gnoien, Juni 2015, abgerufen am 15. April 2016 (PDF; 89 kB).
  4. Geschichte und Urkunden der Stadt Gnoien (W. H. Wiggers, Hrsg.). Gnoien 1855, S. 5 ff..
  5. http://www.kulturboerse-gnoien.de