Bahnstrecke Voldagsen–Delligsen

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Kleinbahn Voldagsen–Delligsen
Geografische Daten
Kontinent Europa
Land Deutschland
Bundesland Niedersachsen
Streckenbezogene Daten
Streckennummer: 9181
Kursbuchstrecke (DB): 12373, 213b (1962)
Streckenlänge: 27,2 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Höchstgeschwindigkeit: 20 km/h
Strecke – geradeaus
Weserbahn aus Hameln
Bahnhof, Station
0,0 Voldagsen 125 m
   
Weserbahn nach Elze
   
2,3 Lauenstein (Hannover) 138 m
   
4,7 (Bad) Salzhemmendorf 119 m
Bahnhof ohne Personenverkehr
Werk der Rheinkalk GmbH
   
bis hier hin befahrbar
   
6,7 Eggersen
   
8,5 Levedagsen 139 m
   
10,6 Thüste 157 m
   
13,7 Weenzen 188 m
   
15,9 Duingen 202 m
   
18,9 Coppengrave 177 m
   
20,6 Brunkensen 145 m
   
21,2 Hohewarte
   
22,6 Hohenbüchen-Grünenplan 175 m
   
24 Krankenweg
   
   
27,2 Delligsen 123 m

Die Kleinbahn Voldagsen–Duingen–Delligsen (VDD) war eine eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn im Weserbergland zwischen Leine und Weser und Eigentum der Deutschen Eisenbahn-Betriebsgesellschaft (DEBG).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Thüste im Jahr 1954

Am 16. Juni 1896 eröffnete die Eisenbahnbau- und Betriebsgesellschaft Vering & Waechter in der preußischen Provinz Hannover eine Kleinbahn, die ihren Ausgangspunkt bei Coppenbrügge im Bahnhof Voldagsen der 1875 von der Hannover-Altenbekener Eisenbahn-Gesellschaft in Betrieb genommenen Hauptstrecke Elze–Hameln hatte. Sie verlief zunächst fünf Kilometer weit in südöstlicher Richtung bis Salzhemmendorf und wurde am 1. Juli 1897 bis Duingen (16 km) weitergeführt, das damals 1250 Einwohner zählte. Entlang dem Nordostrand der Höhenzüge Ith und Hils erreichte die Bahn am 1. Juli 1901 den Flecken Delligsen mit fast 2000 Einwohnern im Herzogtum Braunschweig; sie war nun insgesamt 27 Kilometer lang. Eine Verlängerung ins Leinetal zur Hauptbahn Hannover–Kreiensen unterblieb trotz der kurzen Entfernung, obwohl seit Bestehen der Strecke darüber diskutiert und geplant wurde. Anfang der 1930er Jahre war die Strecke bereits abgesteckt, erst 1963 wurde das Projekt als gegenstandslos erklärt, und die Trasse brauchte nicht mehr freigehalten zu werden. 1899 war die DEBG für die Strecke Voldagsen–Duingen an die Stelle der bisherigen Eigentümerin getreten. Für den Streckenteil Duingen–Delligsen war das aus rechtlichen Gründen erst 1902 möglich, die beiden Streckenteile wurden so über lange Jahre getrennt abgerechnet. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Bahn weitgehend unbeschadet. Auch hier gab es in der Nachkriegszeit enorme Passagierzahlen zu bewältigen. 1949 wurde der erste Triebwagen beschafft, 1955 und 1956 zwei Diesellokomotiven. Das Dampflokzeitalter endete 1964 mit der Abgabe der letzten Dampflok. Wie bei der Vorwohle-Emmerthaler Eisenbahn stiegen die Verwaltungskosten durch die Abgabe der süddeutschen Konzernbahnen. Im Juni 1966 stellte die VDD einen Antrag auf Entbindung von der Betriebspflicht, der vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium mit Wirkung vom 27. Mai 1967 genehmigt wurde. An diesem Tag endete der planmäßige Verkehr, bis zum 31. Mai wurden noch Restverkehre erledigt. Außerdem wurde ab 1966 der DEBG-Konzern aufgelöst. Die Strecke wurde in eine Anschlussbahn umgewandelt und die Deutsche Bundesbahn übernahm am 1. Juni 1967 den Betrieb. Die Strecke Duingen–Delligsen wurde 1967/68 abgebaut und die übrige Bahn an zwei Privatunternehmen verkauft. Der Teil von Voldagsen bis Salzhemmendorf bis km 6,35 kam an die Firma Klöckner Durilit GmbH und der Rest bis Duingen an das Duinger Glassandwerk Dr. Bock & Co. 2001 wurde der Anschluss der Sandgrube gesperrt und damit die Strecke Salzhemmendorf–Duingen aufgegeben.

Personenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1914 verkehrten von Voldagsen täglich sechs Personenzüge, davon zwei bis Delligsen und weitere vier zusätzlich bis Duingen. In den dreißiger Jahren standen fünf Dampflokomotiven, vier Personen-, zwei Gepäck- und 76 Güterwagen zur Verfügung. Damals wurde auch ein bahneigener Omnibusbetrieb eingerichtet, der Fahrten parallel zur Bahn und auch von Duingen bis nach Alfeld an der Leine ausführte, im südlichen Teil der Strecke war der Verkehr auf Alfeld ausgerichtet. 1962 verkehrten zwischen Voldagsen und Duingen werktags sechs Zugpaare, sonntags drei, zwischen Duingen und Delligsen fuhren werktags zwei Zugpaare, zuletzt nur noch eines, bis dort der Personenverkehr am 28. September 1963 ganz eingestellt wurde. Auf dem Abschnitt Voldagsen–Duingen blieb er bis zum 30. Mai 1967 erhalten.

Güterverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DGEG-Sonderfahrt auf der VDD am 3. Oktober 2009, hier im Kalkwerk bei Salzhemmendorf

Beim Güterverkehr ging es vor allem um den Abtransport mannigfaltiger Bodenschätze, die in Ton-, Sand-, Stein- und Kohlengruben der Gegend gewonnen wurden. Bald lag die VDD unter allen DEBG-Bahnen an der Spitze im Frachtaufkommen. 1914 wurden 300.000 t befördert. Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieben die Leistungen hoch, auch in den schwächeren Jahren sank die Leistung kaum unter 250.000 t. In den 1950er Jahren schlossen nach und nach die Kalkwerke, durch verstärktes Aufkommen bestehender und das Hinzukommen neuer Kunden wurden diese Verluste aber ausgeglichen. 1965 wurden 358.000 t befördert. 1966 wurde die Braunkohlenförderung in Wallensen und damit auch die Brikettherstellung in Thüste eingestellt. Ein Drittel der Tonnage ging verloren.

Das führte Ende Mai 1967 auch zur Aufgabe des Güterverkehrs durch die VDD, den die Deutsche Bundesbahn seitdem weiterführte. Die Durulit Werke in Salzhemmendorf werden nach wie vor beliefert, das Frachtaufkommen beträgt ca. 250.000 t im Jahr.

Heutiger Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Duingen, Vereinsheim des Fördervereins Kleinbahn VDD
Zur Beladung bereitgestellte Waggons im Rheinkalk-Werk Salzhemmendorf

Den Abschnitt Voldagsen–Salzhemmendorf befährt die Hildesheimer Dampfzug Betriebs-Gemeinschaft mit dem „Historischen Reichsbahnzug“ ab Hameln. Zudem weist dieser Abschnitt noch mindestens werktags einen Güterzug auf. Die Streckengeschwindigkeit beläuft sich dabei auf ca. 20 km/h und ist mit Ausnahme der Ortsdurchfahrt Salzhemmendorf vollständig modernisiert. Der Bahnsteig in Salzhemmendorf ist ebenfalls (relativ) neu für die Museumsfahrten. Der Abschnitt ab km 6,35 bis Duingen wurde im April und Mai 2014 demontiert. Ab dem 1. Juni 2014 ist die Strecke von Thüste nach Salzhemmendorf zurückgebaut worden.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 90 Jahre Kleinbahn Voldagsen-Duingen-Delligsen, 1896-1986. Herausgegeben von: Dampfzug-Betriebs-Gemeinschaft e.V.
  • Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 11: Niedersachsen 3 - Südlich des Mittellandkanals. 1. Auflage. EK-Verlag, 2009, ISBN 978-3-88255-670-4.
  • Gerd Wolff: Die Privatbahnen in der Bundesrepublik Deutschland. Freiburg 1984.
  • Meinhard Döpner: Die Deutsche Eisenbahn-Betriebs-Gesellschaft AG. 1. Auflage. Lokrundschau-Verlag, Gülzow 2002, ISBN 3-931647-13-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kleinbahn Voldagsen–Delligsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien