Baltischer Schild

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Die geologischen Großregionen der Erdkruste. Alte Schilde: orange

Baltischer Schild wird die größere der beiden Regionen Europas genannt, in denen heute der geologisch sehr alte Kern des Kontinents zutage tritt. Er umfasst den größten Teil der als Fennoskandinavien bezeichneten Region und taucht nach Südosten unter die Osteuropäische Tafel ab. Seine Gesteine sind überwiegend Kristallin (Gneise, Granite, kristalline Schiefer) und bezeugen die Formierung Ur-Europas (Baltica) aus einzelnen Kleinkontinenten während des Präkambriums. Die zweite und deutlich kleinere europäische Schildregion ist der Podolische Schild.

Entstehung[Bearbeiten]

Die früheren, vor mindestens 1 Milliarde Jahre aufgefalteten Gebirge wurden seit ihrer Entstehung zu einem relativ flachen Rumpfgebirge erodiert.

Der Baltische Schild umfasst den größten Teil der Skandinavischen Halbinsel (außer dem Skandinavischen Gebirge), Finnland, Ostkarelien und die Halbinsel Kola. Der Festlandskern wurde durch mehrfache präkambrische Faltungen und Metamorphosen fest verschweißt.

Der Baltische Schild war zumindest das gesamte Phanerozoikum hindurch stets in moderater Hebung und daher ein Hochgebiet. Die Auflast des Kilometer dicken Eispanzers, der den Schild im Verlauf der vergangenen 2 Millionen Jahre (Pleistozän) immer wieder bedeckte, bewirkte jedoch ein leichtes Einsinken der Erdkruste in den Erdmantel. Seit dem erneuten Verschwinden des Eispanzers vor etwa 10.000 Jahren hebt sich der Schild wegen der verminderten Drucklast verstärkt (Postglaziale Landhebung), was an den Küsten der Ostsee deutlich sichtbar ist. Dieser Effekt lässt geophysikalische Rückschlüsse auf die Elastizität des oberen Erdmantels zu.

Tektonische Gliederung[Bearbeiten]

Aufgrund der vorwiegend hochgradig metamorphen Gesteine des Baltischen Schildes war die Entschlüsselung seiner geologischen Geschichte lange Zeit erschwert. Erst durch den Einsatz radiometrischer Datierungsmethoden gelang es, die tatsächlichen Altersverhältnisse innerhalb des Baltischen Schildes zu rekonstruieren. Damit wurde festgestellt, dass der Baltische Schild aus mehreren Gesteinsprovinzen verschiedenen Alters zusammengesetzt ist, die verschiedene Gebirgsbildungszyklen (Orogenzyklen) repräsentieren.

Die ermittelten radiometrischen Altersdaten ermöglichten eine Unterteilung des Baltischen Schildes von Nordost nach Südwest in folgende Bereiche:

  • Saamiden - Orogenetische Prägung überwiegend zwischen 2,6 und 2,8 Ga (besonders Halbinsel Kola, Karelien und das östliche Zentralfinnland)
  • Belomoriden - Prägung vor rund 2 Ga (Lage innerhalb der Saamiden im Bereich des Weißen Meeres)
  • Svekokareliden - Prägung vor rund 1,8 Ga, weitere Unterteilung in Kareliden im Norden und Svekofenniden im Süden (SW-, NW-Finnland und NO-Schweden)
  • Svekonorwegiden - Prägung vor rund 1 Ga (SW-Schweden und Südnorwegen)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  P. Faupl: Historische Geologie. UTB, Stuttgart 2003, ISBN 3-825-22149-0.
  •  R. Schöneberg und J. Neugebauer: Einführung in die Geologie Europas. Rombach Verlag, Freiburg 1997, ISBN 3-7930-9147-3.

Weblinks[Bearbeiten]