Bannwarth-Syndrom

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Das Bannwarth-Syndrom ist eine seltene Unterform der Neuroborreliose, ausgelöst durch Borrelia burgdorferi. Der Symptomkomplex besteht aus der Triade aus schmerzhafter Myelo-Radikulitis (Entzündung der Wurzeln der Spinalnerven), lymphozytärer Meningitis und Ausfällen von Hirnnerven, besonders oft einer Fazialislähmung.[1]

Erstbeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Münchner Neurologe Alfred Bannwarth (1903–1970) wurde lange als Erstbeschreiber des klinischen Syndroms angesehen, er interpretierte es aufgrund der Entzündungsreaktionen im Liquor cerebrospinalis („Nervenwasser“) als „Lymphozytäre Meningoradikulitis“. Erst Jahre nach seinem Tod wurde die eindeutig bakterielle Genese erkannt, und das Bannwarth-Syndrom als Sonderform der Borreliose bzw. Lyme-Erkrankung erkannt.

Viele Jahre vor Bannwarth hatten schon die Franzosen Garin und Boujadoux 1922 ähnliche Fälle beschrieben, weshalb das Syndrom im Französischen auch als Garin-Boujadoux-Bannwarth-Syndrom bezeichnet wird. Es wird heute als klinische Manifestation des Sekundärstadiums der Lyme-Borreliose aufgefasst.[2]

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Meningoradikulitis ist eine subakute Erkrankung, bei der sich die Symptome über Wochen entwickeln. Neben den typischen Symptomen vor allem mit radikulären Schmerzen und der Muskelschwäche sind häufig auch spinale Parästhesien, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Erschöpfung zu finden. Daneben tritt bei der Hälfte der Patienten im Krankheitsverlauf ein Erythema migrans auf, das wegweisend für die Diagnose einer Lyme-Borreliose ist. Fast alle Patienten haben radikuläre Schmerzen, die typischerweise mehrere benachbarte Nervenwurzeln betreffen und im Bereich des bestehenden oder vorausgegangenen Erythem bestehen.

Neben einer häufigen Fazialislähmung sind Ausfälle des Nervus trigeminus mit Hypästhesien im Gesichtsbereich die zweithäufigste Form von Hirnnerven-Ausfällen.

Viel seltener sind gastrointestinale Störungen, besonders Bauchschmerzen und Verstopfung. Auch schlaffe und aufsteigende Lähmungen wurden beschrieben.

Diagnostik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liquorpunktion finden sich vermehrt Lymphozyten ("Lymphozytäre Pleozytose") mit erhöhtem Proteinspiegel bei normalem Glucosewert.

Die Diagnose erfolgt per Erregernachweis über ELISA und Bestätigung mittels Western Blot. Neuere Entwicklungen versuchen, Antikörper gegen das Oberflächenprotein C6 nachzuweisen, was bereits im ersten Monat eine höhere Sensitivität aufweist.

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Meningo-Radikulitis ist sehr gut behandelbar, und die Behandlung sollte bei typischer Symptomatologie bereits vor dem Erregernachweis eingeleitet werden. Bei 95 % der Patienten kommt es zu einer Verbesserung der Symptomatik unter 10- bis 28-tägiger Antibiotika-Therapie. In einer großen Übersichtsarbeit wurden parenterales Penicillin, Ceftriaxon, Cefotaxim und Doxycyclin als effektive Antibiotika beschrieben.[3] Orales Doxycyclin und parenterale Betalactame werden als gleichwertig eingestuft.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christopher Iriarte, Henrikas Vaitkevicius, Francisco M. Marty, Amy L. Miller, Joseph Loscalzo: Missing the Target. New England Journal of Medicine 2020, Band 382, Ausgabe 14 vom 2. April 2020, Seiten 1353–1359, DOI:10.1056/NEJMcps1901669
  2. C. Garin, A. Boujadoux: Paralysie par les tiques. In: J Med Lyon. 1922; 71, S. 765–767
  3. J. J. Halperin, E. D. Shapiro, E. Logigian, A. L. Belman, L. Dotevall, G. P. Wormser, L. Krupp, G. Gronseth, C. T. Bever Jr. für das "Quality Standards Subcommittee of the American Academy of Neurology": Practice parameter: treatment of nervous system Lyme disease (an evidence-based review): report of the Quality Standards Subcommittee of the American Academy of Neurology Neurology 2007, Band 69, Ausgabe 1 vom 3. Juli 2007, Seiten 91 – 102, DOI:10.1212/01.wnl.0000265517.66976.28