Barrierefreies Bauen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Barrierefreies Bauen – vollständig barrierefreies Planen und Bauen – bedeutet, Wohnungen, Gebäude sowie öffentliche Orte so zu planen und zu bauen, dass sie barrierefrei sind, also von allen Menschen ohne fremde Hilfe und ohne jegliche Einschränkung genutzt werden können.

Mit barrierefreiem Bauen ist die rechtzeitige Planung und Ausführung von baulichen Maßnahmen, die die Nutzung eines Gebäudes, einer Einrichtung, eines öffentlichen Ortes etc. durch alle Menschen ermöglicht, gemeint. Statt des Begriffs „barrierefreies Bauen“ werden auch oft die Termini „behindertengerechtes Bauen“, „Bauen für Alle“, „menschengerechtes Bauen“ oder „Design für Alle“ (Produkte, Systeme und Dienstleistungen sollen für eine möglichst große Benutzergruppe in einer möglichst breiten Umgebung benutzbar sein) gebraucht. Die Grundlage dafür sind diverse Normen und gesetzliche Regelungen.

Zielgruppen und ihre Ansprüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barrierefreies Bauen ist für viele Menschen eine unerlässliche Voraussetzung, um überhaupt mobil sein und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.

In ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkte Menschen, Menschen mit Gehbehinderungen, Lähmungen oder fehlenden Gliedmaßen, die oft auf Hilfsmittel angewiesen sind wie Rollstühle, Rollatoren, Gehhilfen oder auch nur Haltegriffe oder Geländer, aber auch große oder kleine Menschen, darunter auch Kinder, Menschen mit Gepäck oder Kinderwagen benötigen, um sich frei bewegen zu können, vor allem ausreichend Platz, Durchgänge müssen ausreichend breit und hoch sein, Aufstellflächen ausreichend lang. Bewegungsflächen müssen eben sein, Höhenunterschiede oder Stufen sind für viele kaum überwindbare Hindernisse. Taster, Griffe o. ä. müssen in der richtigen Höhe sein, um sie z. B. vom Rollstuhl aus gut erreichen zu können.[1] Menschen, die in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit oder in der Informationsverarbeitung eingeschränkt sind, benötigen beispielsweise übersichtliche Raumanordnungen; Blinde und Sehbehinderte zudem Tastkanten oder Bodenindikatoren.

Barrierefreiheit im Haushalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkömmliche Küchen.png
Schema einer herkömmlichen Küche
Vorteile Variante Küche.png
Schema einer barrierefreien Küche

Innerhalb von Wohnungen wird Barrierefreiheit erreicht, durch:

  • sicher zu verwendende und gut erreichbare Installationen, besonders in Küche und Bad,
  • Sicherung der Mobilität durch Vermeidung von Absätzen und Bodenschwellen und
  • großzügig dimensionierte Bewegungsflächen.

Normen und Standards[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

taktile Leitplatten an einer Bushaltestelle als Bodenleitsystem

Europäische Normen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die europäische Norm EN 17210, Ausgabe 2021, Barrierefreiheit und Nutzbarkeit der gebauten Umgebung – Funktionale Anforderungen, beschreibt Anforderungen an Barrierefreiheit im Bauwesen. Die in der DIN EN 17210 beschriebenen Anforderungen und Empfehlungen sind qualitativ formuliert und beschreiben zu erreichende Ziele – beispielsweise benötigt ein barrierefreier Sanitärraum unter anderem stets einen Waschtisch, muss ausreichend große Bewegungsflächen aufweisen und sich im Notfall von außen öffnen lassen. Zusätzlich wurde jedem einzelnen Abschnitt eine allgemeine Begründung der zugehörigen Anforderungen und Empfehlungen vorangestellt.[2][3][4]

Die Planung der Barrierefreiheit der gebauten Umgebung unterliegt bis zum Ablauf der Übergangsfrist in Deutschland weiterhin den Normen der Reihe DIN 18040 Barrierefreies Bauen. Die Übergangsfrist endet 36 Monate nach Veröffentlichung der europäischen Norm als DIN EN 17210, d. h. im August 2024.[3]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rechtlich sind die DIN-Normen in Deutschland zunächst Empfehlungen, die nicht zwingend angewendet werden müssen. Die Landesbehörden können jedoch in ihren Bauordnungen Festlegungen treffen, die die Einhaltung von Normen der Barrierefreiheit für bestimmte Bauten oder Anlagen, z. B. „Gebäude mit mehr als einer Wohnung“, erfordern. Je nach Bundesland können unterschiedliche Regelungen getroffen werden.

Aktuell sind folgende Normen in fast allen Bundesländern (außer NRW) in großen Teilen als technische Baubestimmung eingeführt:

  • DIN 18024-1 Barrierefreies Bauen – Teil 1: Straßen, Plätze, Wege, öffentliche Verkehrs- und Grünanlagen sowie Spielplätze; Planungsgrundlagen
  • DIN 18040-1 Barrierefreies Bauen – Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude (ersetzt DIN 18024-2 Öffentlich zugängige Gebäude und Arbeitsstätten)[5]
  • DIN 18040-2 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 2: Wohnungen (ersetzt DIN 18025-1:1992-12 und die DIN 18025-2:1992-12)
  • DIN 32984 Bodenindikatoren, Leitstreifen etc. (Ergänzung zur DIN 18040)
  • DIN 32975 Gestaltung Informationen im öffentlichen Raum (Ergänzung zur DIN 18040)

Noch nicht baurechtlich verankert, jedoch bereits als Norm veröffentlicht:

  • DIN 18040-3: Barrierefreies Bauen - Planungsgrundlagen - Teil 3: Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum (ersetzt DIN 18024-1:1998-01 Barrierefreies Bauen – Teil 1: Straßen, Plätze, Wege, öffentliche Verkehrs- und Grünanlagen).

Nicht weiter verfolgte Entwürfe:

  • DIN 18070 (Entwurf): Barrierefreies Bauen – Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum – war als Neufassung und Ersatz für die DIN 18024-1 Barrierefreies Bauen – Teil 1: Straßen, Plätze, Wege, öffentliche Verkehrs- und Grünanlagen ... vorgesehen. Stattdessen wurde jedoch die DIN 18040-3 erarbeitet und im Dezember 2014 veröffentlicht.
  • DIN 18030 (Entwurf) von 2006[6] sollte die DIN 18024 und 18025 ersetzen, scheiterte jedoch an zahlreichen Einsprüchen und wurde nicht zu Ende geführt.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erarbeitet vom Fachnormenausschuss 011 Hochbau-Allgemeines

  • ÖNORM B 1600: 2011 Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen.[7]
  • ÖNORM B 1601: 1994 Spezielle Baulichkeiten für behinderte und alte Menschen: Planungsgrundsätze.
  • ÖNORM B 1602: 2001 Barrierefreie Schul- und Ausbildungsstätten und Begleiteinrichtungen.
  • ÖNORM B 1603: 2005 Planungsgrundlagen für barrierefreie Tourismuseinrichtungen

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erarbeitet vom VSS Forschung und Normierung im Strassen- und Verkehrswesen. Herausgeber: Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute.

  • SN Norm 640 075: 2014 de/fr Fussgängerverkehr, Hindernisfreie Verkehrsraum
  • SN Norm 640 075: 2014 de/ fr Fussgängerverkehr, Hindernisfreier Verkehrsraum, Erläuterungen, Anforderungen und Abmessungen - Normativer Anhang

Auszeichnungen für barrierefreies Bauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schindler Award – Architekturwettbewerb für barrierefreies Bauen
  • Betonkopf (Preis) – Negativpreis für besonders drastische Verstöße gegen barrierefreies Bauen

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wheelmap.org, eine Online-Karte zum Finden und Markieren barrierefreier Orte

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein
  • Roland König: Leitfaden barrierefreier Wohnungsbau Fraunhofer Irb Stuttgart, Juni 2005, ISBN 3-8167-6789-3
  • Literaturliste zum Thema Barrierefreies Bauen www.rehadat.de
  • Wendelin Mühr: Handbuch IM DETAIL – Gestaltung barrierefreier Verkehrsraum
 Teil 1: Erschließung öffentlicher Raum,
 Teil 2: Überquerungsstellen, Haltestellen, Bahnübergänge (Gesamtausgabe 2021) www.barrierefreie-mobilitaet.de
Normen in Deutschland
  • Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Hrsg.): Technische Grundsätze zum barrierefreien Bauen. BBR-Online-Publikation. Bonn 2005 (Webdokument)
  • Barrierefreies Planen und Bauen – DIN-Taschenbuch 199, Beuth, Berlin 2012, ISBN 978-3-410-20735-1
  • Franz-Georg Rips: Barrierefreiheit gemäß § 554a BGB, Deutscher Mieterbund Berlin, 2003, ISBN 3-933091-50-0
Normen in Österreich
  • Heinrich Geuder, Wolfgang Hauer (Hrsg.): Wiener Bauvorschriften. 3. Aufl., Linde, Wien 1997
  • Henrietta Geuder: Österreichisches öffentliches Baurecht und Raumordnungsrecht: eine Übersicht. Linde, Wien 1996
  • Friedrich Krzizek: System des Österreichischen Baurechts. Verl. d. Österr. Staatsdr., Wien 1976 – Baupolizeirecht

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Was ist Barrierefreiheit an Bahnhöfen? auf deutschebahn.com, abgerufen am 7. September 2021
  2. Norm zum barrierefreien Bauen veröffentlicht. In: din.de. DIN, 26. Juli 2021, abgerufen am 14. September 2021.
  3. a b DIN EN 17210:2021-08. In: beuth.de. Beuth Verlag, abgerufen am 14. September 2021.
  4. DIN EN 17210. In: barrierefreie-mobilitaet.de. Abgerufen am 14. September 2021.
  5. Informationen und Inhalt DIN 18040-1
  6. Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit Rheinland-Pfalz. Barrierefreies Rheinland-Pfalz. (Memento vom 6. Mai 2006 im Internet Archive)
  7. Gesamtverzeichnis: Suchbegriff „barrierefreies Bauen“. Österreichisches Normungsinstitut, archiviert vom Original am 9. März 2014; abgerufen am 16. April 2014.