Bengasi-Anschlag

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Der Bengasi-Anschlag war ein Attentat auf das US-amerikanische Konsulat im libyschen Bengasi am 11. September 2012, bei dem u. a. der US-amerikanische Botschafter J. Christopher Stevens ums Leben kam. Als Motiv für den Anschlag wird die Verärgerung über den Film Innocence of Muslims (dt.: Die Unschuld der Muslime) angenommen. Hillary Clinton, die damalige US-amerikanische Außenministerin, wurde nach dem Anschlag dafür kritisiert, dass er gelingen konnte und nicht durch stärkere Sicherheitsvorkehrungen verhindert wurde.

Lageplan des Konsulates (Hauptgelände und Nebenanlage)

Der Angriff in Bengasi dauerte etwa vier Stunden.[1] Zu den vier Todesopfern gehört der Botschafter der Vereinigten Staaten J. Christopher Stevens.[2][3][4] Einschätzungen des Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus Mike J. Rogers zufolge soll es sich bei dem Angriff auf das Konsulat in Bengasi um einen geplanten Terrorangriff und nicht um die spontane Äußerung von Wut und Hass gehandelt haben.[5] Diese Einschätzung war heftig umstritten,[6] wurde zum Gegenstand parteipolitischer Auseinandersetzungen[7] und durch Recherchen der New York Times Ende 2013 widersprochen.[8] Nach verschiedenen Aussagen sind jedoch die Geheimdienste heute der Auffassung, dass der Anschlag zumindest teilweise geplant war und Verbindungen zu Al-Qaida bestanden. [9]

Hillary Clinton gestand bei ihrer Abschlussrede Fehler im Bürgerkrieg in Libyen ein und übernahm die Verantwortung für die Folgen des Anschlags.[10]

2014 setzte das US-Repräsentantenhaus einen Untersuchungsausschuss ein; den Vorsitz hatte Trey Gowdy.[11]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teile der US-amerikanischen Medienlandschaft attestieren der rechten und konservativen Presse eine Bengasi-Obsession.[12][13] Der Aufregung um den Anschlag in Bengasi werden 13 Anschläge auf US-Botschaften und Konsulate während der Amtszeit des konservativen Präsidenten George W. Bush mit 60 Toten gegenübergestellt, die weder einen Untersuchungsausschuss noch ein annähernd vergleichbares Presseecho nach sich gezogen hätten.[14] In dem Artikel Ronald Reagan's Benghazi verglich Jane Mayer die Doppelmoral des politischen Amerikas hinsichtlich des Umgangs mit dem Bengasi-Anschlag und dem Anschlag auf den US-Stützpunkt in Beirut 1983, bei dem 241 US Soldaten starben.[15]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschehnisse wurden im Buch 13 Hours: The Inside Account of What Really Happened in Benghazi vom Autor Mitchel Zuckoff sowie im darauf basierenden Film 13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi von Regisseur Michael Bay verarbeitet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So lief der Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi. In: Spiegel Online. 13. September 2012, abgerufen am 17. September 2012.
  2. US ambassador to Libya 'killed in attack on Benghazi consulate'. In: The Daily Telegraph. 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012 (englisch).
  3. Islamisten töten US-Botschafter bei Angriff auf Konsulat. In: Stern. 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  4. Attacke soll geplant gewesen sein. In: Süddeutsche Zeitung. 12. September 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  5. US-Geheimdienste vermuten Terrorangriff. In: Tagesschau. 13. September 2012, abgerufen am 13. September 2012.
  6. Anschlag war wohl nicht geplant. In: n-tv.de. 14. September 2012, abgerufen am 17. September 2012.
  7. Al-Qaida in Anschlag auf US-Botschafter verwickelt. In: welt.de. 20. September 2012, abgerufen am 28. Dezember 2013.
  8. David D. Kirkpatrick: A Deadly Mix in Benghazi. In: The New York Times, 28. Dezember 2013.
  9. Feinstein rejects NYT on Benghazi. In: thehill.com. 14. Januar 2014, abgerufen am 26. Oktober 2016.
  10. kng/DPA: Nach Anschlag auf US-Konsulat in Libyen: Hillary Clinton gesteht Fehler in Bengasi ein. In: stern.de. 23. Januar 2013, abgerufen am 9. Februar 2015.
  11. http://benghazi.house.gov/
  12. CNN (engl.)
  13. Huffington Post
  14. Politifact (engl.)
  15. Ronald Reagan's Benghazi (engl.)