Berbisdorf (Radeburg)

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Berbisdorf
Stadt Radeburg
Koordinaten: 51° 11′ 19″ N, 13° 43′ 27″ O
Höhe: 154 m
Eingemeindung: 1. März 1994
Eingemeindet nach: Promnitztal

Berbisdorf ist ein Ortsteil von Radeburg in Sachsen, nördlich von Dresden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserschloss
Kirche

Das im Promnitztal gelegene Berbisdorf ist, wie andere Orte des Tales, vermutlich nach einem Lokator benannt (Berwig ?), lag im Siedlungsgebiet der westslawischen Daleminzier und wurde 1357 erstmals urkundlich erwähnt. Im Britischen Museum in London wird ein Gräberfund aus der Berbisdorfer Flur gezeigt, der aus der Zeit um 900 vor Christus stammt und auf eine sehr frühe Besiedlung des Tales hinweist. Blickpunkt und Zentrum des Straßenangerdorfes ist das Schloss, dessen alte Anlage als Wasserburg noch deutlich zu erkennen ist und aus der Siedlungszeit der Sorben stammt. Das Bauwerk wird von vier Seiten durch einen von einem Bach gespeisten Graben umgeben und liegt so auf einer Art Insel. Es wurde Anfang des 16. Jahrhunderts von den nobilitierten Zeidler genannt Hofmann auf Berbisdorf, Boden und Dittmannsdorf mit der dazugehörigen Grundherrschaft erworben und erweitert; von nachfolgenden Eigentümern mehrfach umgebaut, zuletzt gegen Ende des 19. Jahrhunderts. An dem Turm neben dem Schlosseingang wurde 1841 eine kleine Kirche für die Dorfbewohner angebaut und damit der vorher im Schlossgebäude genutzte Kirchsaal ersetzt. Die der Gutsverwaltung entstandenen restlichen Baukosten wurden in den Folgejahren den bäuerlichen Höfen in Erbuntertänigkeit als eine Art Zusatzsteuer auferlegt. Die alte Wasserburg wird als einer der namensgebenden Stammsitze des Adelsgeschlechts von Berbisdorf in Erwägung gezogen.

Berbisdorf war 1615 (?) von Hexenverfolgung betroffen. Eine Frau geriet in einen Hexenprozess und wurde verbrannt.[1]

Eine 1893 erbaute neue Schule und der Dorfgasthof gehören zu den bedeutenden weiteren Gebäuden des Ortes, für den eine Reihe von gut erhaltenen hölzernen Wasserpumpen charakteristisch war, die von einer Brunnenwerkstatt aus Reichenberg (heute Liberec in Tschechien) stammten. Drei Mühlen prägten früher das Dorfbild und das Gewerbe im erbuntertänigen Dorf. Die Wassermühle, die Grützmühle und die Windmühle auf der Höhe nördlich vom Haltepunkt der Lößnitzgrundbahn gehörten sämtlich zum Grossgrundbesitz des Schlosses, wurden aber später abgerissen, als sich der Betrieb nicht mehr lohnte. Durch die Enteignung und Aufteilung des Grundbesitzes des Rittergutes im Zuge der Bodenreform nach 1945 in der DDR entstanden eine Anzahl von Neubauernhäuser am Rande des Dorfes. Auf dem außerhalb des Ortes angelegten Friedhof steht seit dem 17. Jahrhundert ein Grufthaus, das früher eine Grablege der Gutsherrenfamilien war.

Berbisdorf war bis 1994 eine selbständige Gemeinde. Am 1. März 1994 schloss sie sich mit den Nachbargemeinden Bärnsdorf und Volkersdorf zur neuen Gemeinde Promnitztal zusammen.[2] Diese bestand jedoch nur bis 1998. Am 1. Januar 1999 wurde Berbisdorf Ortsteil der Stadt Radeburg und gehört zur Bundesrepublik Deutschland.[3] Das Dorf feierte 2007 seinen 650. Geburtstag.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche (2014)

Zu den Sehenswürdigkeiten des Ortes gehören die Lößnitzgrundbahn, die Dorfkirche und das Wasserschloss. Einzigartig ist auch die Kleinkuppenlandschaft, in die Berbisdorf eingebettet ist.

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Berbisdorf

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berbisdorf ist straßenseitig über die Autobahnanschlussstelle Radeburg (A13) zu erreichen. Buslinien verkehren zwischen Dresden und Radeburg über Berbisdorf. Bahnanschluss besteht in Richtung Radeburg und in Richtung Radebeul über Moritzburg mit der Lößnitzgrundbahn.

Wanderer auf dem Nationalen Fernwanderweg Ostsee-Saaletalsperren kommen aus Richtung Moritzburg oder aus Richtung Radeburg durch Berbisdorf. Ein lokaler Wanderweg führt durch das Kleinkuppengebiet. Ein weiterer Wanderweg verbindet Berbisdorf, über die Kuppe des Hommrich und Bärnsdorf führend, mit dem Wanderwegenetz von Moritzburg.

Radtouristen passieren Berbisdorf auf dem Heinrich-Zille-Radweg, der Radeburg, die Geburtsstadt von Heinrich Zille, mit dem Elberadweg verbindet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelius Gurlitt: Berbisdorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 37. Heft: Amtshauptmannschaft Großenhain (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1914, S. 12.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 487.
  2. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berbisdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Berbisdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen