Bernardo Gianoncelli

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Bernardo Gianoncelli, genannt Bernardello († vor 1650 wohl in Venedig), war ein italienischer Lautenist und Komponist des Barock.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gianoncelli war einer der letzten italienischen Komponisten für die Barocklaute.[1] Über sein Leben ist fast nichts bekannt. Seine Witwe gab 1650 eine Sammlung seiner Kompositionen unter dem Titel Il liuto di Bernardo Gianoncelli heraus,[2] die in einem einzigen Exemplar in der Biblioteca Nazionale Marciana in Venedig erhalten geblieben ist. Die Sammlung enthält mehrere Suiten für Laute, die nach Tonarten angeordnet sind. Sie gehören zu den letzten italienischen Beiträgen zur Entwicklung der Suite als geschlossener musikalischer Form.[3] Gianoncellis Kompositionen offenbaren einen neuen Stil, der eine verbesserte Kontrapunktik mit homophoner Melodik verbindet.[4] Auch experimentierte er mit neuen Stimmungen für die Laute.[5][6][7] Sein bekanntestes Werk ist eine Bergamasca, die von dem Musikwissenschaftler Oscar Chilesotti 1891 herausgegeben wurde. Ottorino Respighi schuf eine instrumentierte Version davon, die er in seine 2. Suite der Antiche danze ed arie aufnahm.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Eitner: Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten der christlichen Zeitrechnung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. 4. Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1901, S. 237 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Michael Kennedy, Joyce Bourne: The Concise Oxford Dictionary of Music. 5. Auflage. Oxford University Press, 2004, ISBN 0-19-860884-5, S. 284 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche; auch online über Oxford Reference).
  • Pier Luigi Polato: Notizie su Bernardo Gianoncelli «mastro di liuto» veneziano. In: Il Flauto dolce 12 (April 1985), S. 16–17, JSTOR 41700258.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arthur J. Ness, C.A. Kolczynski: Sources of lute music. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
  2. Bernardo Gianoncelli: Il liuto di Bernardo Gianoncelli detto il Bernardello dedicato al molto ill.re sig.r mio e' patron cole.mo il sig.r Gio. Dominico Biava. Hrsg.: Pio Dominico Biava, Lucretia Gianoncelli. Alessandro Vincenti, Venedig 1650, OCLC 33040399. Faksimilie-Edition: Orlando Cristoforetti (Hrsg.): Il liuto : Venezia 1650 (= Archivum musicum., Collana di testi rari. Band 66). Studio per edizioni scelte, Firenze 1986, OCLC 1026619771.
  3. Tobias Norlind: Zur Geschichte der Suite. In: Sammelbände der Internationalen Musik-Gesellschaft, Band 7, 1906, S. 172–203, hier S. 192 (Textarchiv – Internet Archive).
  4. Josef Zuth: Handbuch der Laute und Gitarre. Verlag der Zeitschrift für die Gitarre, Wien 1926–28. Reprint: Georg Olms Verlag, Hildesheim 2003, ISBN 3-487-04290-8, S. 171 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Hans Radke: Theorbierte Laute (Liuto attiorbato) und Erzlaute (Arciliuto). In: Die Musikforschung, 25. Jahrg., H. 4 (Oktober/Dezember 1972), S. 481–484, JSTOR 41117435.
  6. Lynda Sayce: Lute, §5: Technique. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich).
  7. Thomas J. Mathiesen: Skindapsos, Pandoura, and Trichordon: Hellenistic Lutes? In: Lute Society of America Quarterly, 41 (2008), S. 1–35, hier S. 23 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).