Bernhard Heller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Bernhard Heller (* 4. Februar 1878 in Borsum; † 16. August 1937 in Lathen), genannt Hellerbernd, war ein deutscher Tischler, Bildhauer und Dichter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines Bauern kam als Kind mit Holzschnitzereien in Berührung und zeigte darin große Begabung. Nach Beendigung seiner Schulzeit trat er sein Erbrecht am Hof ab, um Schnitzer zu werden, machte jedoch auf Verlangen seines Vaters zunächst eine Lehre als Tischler und Möbeltischler in Meppen. Ein Sohn seines Lehrherrn war der spätere Dichter Bernhard Uphus, der ihn vermutlich zum Dichten anregte. Nach seinem Lehrabschluss ging Hellerbernd auf Wanderschaft. Zwischen 1895 und 1900 fand er vor allem bei Professor August Schmiemann in Münster und bei Professor Max Klinger (1857–1920) in Berlin in allen Bildhauerarbeiten eine gründliche Ausbildung. Im westfälischen Münster hatte Schmiemann damals gerade das Kiepenkerl-Denkmal (1896) in Auftrag, an dem nun der junge Heller mitschaffen durfte. Außerdem lernte er hier auch den bekannten Holzschnitzer Augustinus Heumann kennen.

Nach seiner zweijährigen Militärdienstzeit in Mörchingen (Lothringen) kehrte Heller 1902 im Alter von 24 Jahren in seine Heimat Borsum/Sande zurück. Nach dem Tod seines Bruders und seiner Schwester zog Hellerbernd 1907 nach Rhede-Sudende und mietete für sich und seine Eltern ein kleines Haus, um dort mit Leidenschaft seinen Beruf auszuüben. Als bald darauf sein Vater starb, blieb er mit seiner inzwischen alten und gebrechlichen Mutter allein und sorgte aufopfernd für sie. 1914 wurde er eingezogen. Aus diesem Anlass schuf er sein bekanntestes Werk, die Büste einer alten Mutter, die in stummer Bitte ihre vom Rosenkranz, mit dem Kreuz auf ihrem Herzen liegend, umschlungenen Hände zum Himmel emporhebt, und um das Leben und die Wiederkehr ihres Sohnes fleht. Nach dem Tod seiner Mutter 1921 und der nachfolgenden Inflation verarmte und vereinsamte der Künstler. Er zog nach Lathen, wo er bis etwa 1930 im Haus des Kaufmanns, Dichters und späteren Landtagsabgeordneten August Löning lebte, der ihn zeit seines Lebens förderte. Hellerbernd schuf zahlreiche beeindruckende bildhauerischen Werke, vor allem in Kirchen, aber auch Grab- und Kriegerdenkmäler, Krippen und andere Holzschnitzereien, die an Ernst Barlach erinnern. Um 1930 besaß er eine eigene Werkstatt mit einigen Angestellten, die bei Großaufträgen halfen. Obwohl er sein Leben lang unermüdlich und selbstvergessen schaffte und es ihm nie an Aufträgen mangelte, hat er seine Arbeit aus Bescheidenheit oft weit unter Wert bezahlen lassen. Die meisten von ihm geschaffenen Kunstwerke in den Kirchen, Kapellen und Klusen, die Kriegerdenkmäler und die Grabsteine auf den Friedhöfen sind von ihm mit der Abkürzung HB signiert.

Bernhard Heller lebte ohne Frau und Kinder und persönlich immer in Armut, wozu er sich ausdrücklich bekannte, wie es seinem Gedicht „So bün ick“ zu entnehmen ist. Aus seinen Versen geht aber auch hervor, dass er als Besitzloser trotzdem mit sich zufrieden war und sich nicht arm fühlte. Er ist allzeit ein humorvoller und lustiger Mensch gewesen. Am 16. August 1937 starb er im Lathener Marienkrankenhaus, nachdem er über ein Jahr bettlägerig gewesen war. Steinstaub hatte im Laufe des arbeitsamen Lebens seine Lunge immer weiter angegriffen.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe das umfangreiche Werkverzeichnis in der Biographie von Gerd Harpel.

Gedichte
  • So bün ick (So bin ich; ein Selbstbekenntnis), in: Jahrbuch des Emsländischen Heimatvereins Bd. 7, Meppen 1960, S. 89–90.
  • An’n Aulkenbarg (Am Aulkenberg), in: Mein Emsland 7/1925, Papenburg 1925, S. 7
  • Sömmeraobend (Sommerabend), in: Mein Emsland 9/1925, Papenburg 1925, S. 9.
  • Mauder is dod (Mutter ist tot), verfasst 1921
  • Fieraobend (Feierabend), in: Jahrbuch des Emsländischen Heimatvereins Bd. 7, Meppen 1960, S. 94.
  • Ärntetied (Erntezeit), in: Emsland-Jahrbuch. Bd. 2, Osnabrück 1965, S. 152.
  • Askendörper Toren (Aschendorfer Turm), in: Emsland-Jahrbuch. Bd. 2, Osnabrück 1965, S. 152.
  • Dai aolde Dörpschnieder (Anno dazumal), verfasst am 17. Juni 1935; in: Ems-Zeitung Nr. 143 vom 22. Juni 1935.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeitsgruppe Hellerbernd (Hrsg.): Bernhard Heller – sein Leben und seine Werke. Werlte 2007. (Mit zahlreichen Abbildungen seiner Werke und einem Abdruck seiner Gedichte.)
  • Christa Brinkers: Hellerbernd, ein volksnaher Bildhauer des Emslandes. In: Jahrbuch des Emsländischen Heimatvereins. Band 7. Meppen 1960, S. 88–95.
  • Christa Brinkers: Emsland im Spiegel seiner Dichtung. In: Emsland-Jahrbuch. Band 2. Osnabrück 1965, S. 127–176.
  • Andreas Eiynck: Art. Heller, Bernhard. In: Rainer Hehemann (Bearb.): Biographisches Handbuch zur Geschichte der Region Osnabrück. Hrsg. vom Landschaftsverband Osnabrück, Bramsche 1990, S. 128.
  • Gerd Harpel: Das Naturstein-Relief von „Hellerbernd“ in der alten Klause am Nienhaus in Aschendorf. In: Aschendorfer Heimatblätter. Hrsg. vom Heimat- und Bürgerverein Aschendorf/Ems e.V., Heft 19/1992, Aschendorf 1992, S. 2–10.
  • Gerd Harpel: Über die Errichtung von Kriegerdenkmälern nach dem 1. Weltkrieg. In: Aschendorfer Heimatblätter. Hrsg. vom Heimat- und Bürgerverein Aschendorf/Ems e.V., Heft 25/1995, Aschendorf 1995, S. 3–34.
  • Gerd Harpel: Heller, Bernhard. In: Emsländische Geschichte. Band 7. Hrsg. von der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte, Dohren 1998, S. 147–155 (mit umfangreichem Werkverzeichnis).
  • Marga Hille: Erinnerungen an Hellerbernd. In: Emsland-Kalender 1953, Meppen 1953, S. 69–72.
  • Lexikon der Kunst – Malerei, Architektur, Bildhauerkunst. 7. Band, Erlangen 1994, S. 34–36.
  • Johannes Rüschen: Bernd Helle(r), genannt Hellerbernd. In: Bekannte Emsländer aus vergangener Zeit. Biographische Notizen zu emsländischen Persönlichkeiten aus den Jahren 1200 – 1975. Bremen 1988, S. 153–161.