Bernhard Streck

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Bernhard Streck (* 19. September 1945 in Mannheim) lehrte als Leiter des Instituts für Ethnologie der Universität Leipzig zwischen 1994 und 2010 dort mit Schwerpunkten Religionsethnologie, Fachgeschichte und Ethnographie Nordostafrikas.

Er studierte in Basel und Frankfurt am Main Ethnologie und lehrte dieses Fach an den Universitäten Gießen, Berlin, Mainz (Institut für Ethnologie und Afrikastudien) und Heidelberg, bevor er 1994 Dietrich Treide, dem Leiter des Instituts für Ethnologie der Universität Leipzig, der im Zuge der Neuorganisation des Lehrkörpers der Hochschuleinrichtungen in den neuen Bundesländern "mangels Bedarf" entlassen worden war,[1] nachfolgen konnte. Seit 2004 ist er Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften.[2]

Einen Forschungsschwerpunkt Strecks bildet die Tsiganologie, welche sich ob ihrer theoretischen und ideengeschichtlichen Nähe zu rassistischen Ressentiments und nationalsozialistischen Ideologemen nicht durchgesetzt hat. Neben der Gesellschaft für bedrohte Völker, welche die tsiganologische Wissenschaft als rassistisch brandmarkte,[3] kritisierte Wolfgang Benz an Streck die Naturalisierung verfestigter "Zigeuner"-Ressentiments zu kollektiven Merkmalen und die völkisch-ethnische Herangehensweise insgesamt als Irrweg.[4] Mit einigen Studenten und Postgraduierten begründete er in Leipzig ein "Forum Tsiganologische Forschung", das sich nach Strecks Emeritierung auflöste.[5]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Goethe-Universität Frankfurt am Main (Hrsg.): Leo Frobenius. Afrikaforscher, Ethnologe, Abenteurer. (Gründer, Gönner und Gelehrte.) Societätsverlag, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-95542-084-0
  • Sterbendes Heidentum. Die Rekonstruktion der ersten Weltreligion. Eudora-Verlag, Leipzig 2013, ISBN 978-3-938533-38-3
  • Sudan - Ansichten eines zerrissenen Landes. Peter-Hammer-Verlag, Wuppertal 2007, ISBN 978-3-7795-0155-8
  • Fröhliche Wissenschaft Ethnologie - eine Führung. Edition Trickster im Peter-Hammer-Verlag, Wuppertal 1997, ISBN 3-87294-776-1.
  • Die Ḥalab: Zigeuner am Nil. Edition Trickster im Peter-Hammer-Verlag, Wuppertal 1996, ISBN 3-87294-719-2

Herausgeberschaft an zahlreichen Publikationen (Auswahl):

  • Shutka Shukar. Zu Gast bei Roma, Ashkali und Ägyptern. ein Lesebuch des FTF. Leipziger Universitäts-Verlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-86583-350-1, siehe auch die ausführliche Rezension in der Netzzeitschrift Nevipe (Nevipe, 1-2012, S. 6-10, [3]) und die nachfolgende Diskussion (Nevipe 2-2012, S. 2, [4], Nevipe, 3-2012, [5])
  • mit Elena Marushiakova, Udo Mischek, Vesselin Popov: Zigeuner am Schwarzen Meer. Eudora-Verlag, Leipzig 2008, ISBN 978-3-938533-13-0
  • Die gezeigte und die verborgene Kultur. Harrassowitz, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-447-05600-7
  • Zigeuner des Schwarzmeergebiets. Eine Bibliographie. (Materialien des SFB "Differenz und Integration"). Orientwissenschaftliches Zentrum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle/Saale 2003
  • Ethnologie und Nationalsozialismus. Escher-Verlag, Gehren 2000, ISBN 3-932642-13-9
  • mit Burkhard Ganzer: Wörterbuch der Ethnologie. DuMont, Köln 1987, ISBN 3-7701-1728-X.
  • mit Mark Münzel: Kumpania und Kontrolle. Moderne Behinderungen zigeunerischen Lebens. Focus, Giessen 1981, ISBN 3-88349-210-8

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tobias von Borcke, Feldforschung. Betrachtungen zur neuesten Tsiganologie aus Leipzig, in: Alexandra Bartels/Tobias von Borcke/Markus End/Anna Friedrich (Hrsg.), Antiziganistische Zustände 2. Kritische Positionen gegen gewaltvolle Verhältnisse, Münster 2013, S. 114-137
  • Tobias von Borcke, "Zigeuner"-Wissenschaft mit schlechtem Gewissen? Das Forum Tsiganologische Forschung an der Universität Leipzig, in: Antiziganismus. Soziale und historische Dimensionen von „Zigeuner“-Stereotypen, Heidelberg 2015, S. 224-242, siehe: [6]
  • Katja Geisenhainer, Katharina Lange (Hrsg.): Bewegliche Horizonte: Festschrift zum 60. Geburtstag von Bernhard Streck. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2005, ISBN 3-86583-078-1 (Digitalisat)
  • Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 2013. 25. Ausgabe, Walter de Gruyter, Berlin/ Boston 2013, ISBN 978-3-11-027421-9, S. 4016
  • Ulrich Friedrich Opfermann, Von Ameisen und Grillen. Zu Kontinuitäten in der jüngeren und jüngsten deutschen Zigeunerforschung, in: Antiziganismus. Soziale und historische Dimensionen von „Zigeuner“-Stereotypen, Heidelberg 2015, S. 200-222, siehe: [7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zu Treide siehe den Professorenkatalog der Universität Leipzig: [1].
  2. Mitglieder der SAW: Bernhard Streck. Sächsische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 6. Dezember 2016.
  3. Gesellschaft für bedrohte Völker: Menschenrechte für Sinti und Roma in der Bundesrepublik. In: Joachim Hohmann (Hrsg.): Sinti und Roma in Deutschland. Versuch einer Bilanz. Frankfurt am Main u.a. 1995, S. 275–305, hier 278.
  4. Wolfgang Benz: Sinti und Roma. Die unerwünschte Minderheit. Über das Vorurteil Antiziganismus. Berlin 2014, S. 229.
  5. Website Forum Tsiganologische Forschung: [2]; Tobias von Borcke, "Zigeuner"-Wissenschaft mit schlechtem Gewissen? Das Forum Tsiganologische Forschung an der Universität Leipzig, in: Antiziganismus. Soziale und historische Dimensionen von „Zigeuner“-Stereotypen, Heidelberg 2015, S. 224-242, hier: S. 225.