Bertho II. von Leibolz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Darstellung der Ermordung Berthos II. (von C. Sonnetzer)

Bertho II. von Leibolz († 18. März 1271 in Fulda), aufgrund seiner kleinen Gestalt abschätzig Abt Fingerhut genannt, war von 1261 bis 1271 Fürstabt des Klosters Fulda. Bevor Bertho II. Abt im Reichsfürstenstand wurde, übte er das Amt des Propstes auf dem Petersberg aus.

Abbatiat 1261–1271[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bertho II. wurde im Jahre 1261, nach dem Tode Heinrichs IV. von Erthal, zum Fürstabt von Fulda erwählt. Während des so genannten Interregnums herrschte in weiten Teilen des Reichs und auch im Machtbereich der Abtei Fulda das Fehdewesen. Lehnsabhängige Adlige und auch Ministeriale waren bestrebt, mehr Unabhängigkeit von der Abtei zu erlangen.

Wie sein Vorgänger Heinrich IV. bekämpfte Bertho II. energisch das Raubrittertum. Er verbündete sich mit dem Thüringer Landgrafen Heinrich von Meißen gegen die Raubritter, die sogar vor Übergriffen auf Jakobspilger nicht zurückgeschreckt hatten. In der Folge ließ er Breitenbach bei Hersfeld, Geisa in der thüringischen Rhön und Lauterbach im Vogelsberg befestigen. Lauterbach wurde damals fuldische Bastion und erhielt am 16. März 1266 Stadtrechte und eine Burg mit fuldischer Besatzung.

Burg Wartenberg
Schloss Eisenbach
Burg Osterburg
Burg Ebersburg

Ferner zerstörte oder eroberte er 15 Burgen seiner Gegner zwischen Rhön und Vogelsberg, darunter:

Die Burg der Herren von Blankenwald, einer Seitenlinie der Herren von Schlitz, galt im 13. Jahrhundert als eines der gefürchtetsten Raubritternester des Fuldaer Landes. Bertho II. ließ die Burg im Jahre 1264 erstürmen und schleifen. Reste der ehemaligen Burganlage sind heute noch feststellbar.
Der Klostervogt, Graf Gottfried V. von Ziegenhain, suchte sein Territorium auf Kosten des Abteigebietes zu vergrößern und erhob sich 1265 zusammen mit seinen Untervögten, einschließlich der Herren von Wartenberg, gegen den Abt. Mit Hilfe eines Heerhaufens von Bauern gelang es Bertho II., Graf Gottfried und die aufrührerischen Adligen zu besiegen und dabei auch die Burg Wartenberg zu zerstören. Er diktierte einen strengen Frieden. In dem Vertrag mit den Brüdern von Wartenberg vom 16. März 1266 verlieh er dem Dorf Lauterbach die Stadtrechte, um den Wartenbergern ein Gegengewicht entgegenzustellen. Der Abt ließ zum Schutz eine Stadtmauer und eine neue Burg in Lauterbach errichten. Die Burg Wartenberg aber durfte nie wieder aufgebaut werden, weil sie zu nahe an der Abtei lag.
Die Burgscheitelmotte der Herren von Schlitz im Tal der Schlitz wurde 1265 von dem fuldischen Abt zerstört und nicht wieder aufgebaut.
Das Schloss wurde im Jahr 1269 von Bertho II. zerstört, aber innerhalb von zehn Jahren durch die Lehnsritter Eisenbach wieder aufgebaut. Nach dem Aussterben der Familie Eisenbach bekamen die Riedesel, Freiherrn zu Eisenbach, Erbmarschälle von Hessen, 1429 das Lehen.
1270 ließ Bertho II. wegen andauernder Räubereien die Ebersburg und zwei weitere Burgen zerstören. Dabei kam der Ritter Hermann von Ebersberg genannt von Weyhers in Gefangenschaft. Bertho II. ließ ihn trotz Zusage des freien Geleits auf dem Fuldaer Marktplatz durch Gerlach Küchenmeister öffentlich hinrichten.[1] Wegen dieser Tat schwor die Ritterschaft dem Abt tödliche Rache.
Da Bischofsheim mit seiner Burg im 12. Jahrhundert als festes Bollwerk ausgebaut wurde, soll die Osterburg an Bedeutung verloren haben. Wahrscheinlich wurde die Burg, deren Inhaber ständig mit Abt Bertho II. in Fehde lagen, um 1270 bei der Zerstörung Bischofsheims durch den Fuldaer Abt ebenfalls zerstört.
Vermutlich wurde die Burg Seeburg im 12. Jahrhundert als Turmburg von den Herren von Schlitz (wahrscheinlich als Vogteiburg der Vogtei-Fulda) erbaut.
Bereits im 12. Jahrhundert wurde durch das Kloster Fulda die Burg Rockenstuhl auf dem gleichnamigen Berg errichtet und als Lehen an die 1185 erstmals erwähnten Ministerialen von Rockenstuhl gegeben. Nachdem sich 1265 einige der Burgmannen gegen das Kloster verschworen hatten und sich in der Burg verschanzten, ließ Bertho II. die Burg belagern und erobern. 1271 wurde die Burg zerstört. Das herrschaftliche Gebäude auf dem Rockenstuhl wurde aber offenbar bald wieder aufgebaut und kam als Lehen in den Besitz der Grafen von Henneberg.[2]

Ermordung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Osterburger Ganerben und ein Großteil des buchonischen und Rhöner Adels lagen mit Bertho im Streit wegen Vermögensrückforderungen des Klosters Fulda, die nach Auffassung der Ritter auf gefälschten Urkunden beruhten. Die Empörung darüber und über die Hinrichtung Hermanns von Ebersberg sowie andere Zumutungen gipfelten schließlich darin, dass Bertho II. am 18. März 1271 unter Beteiligung des buchonischen Ritters Giso von Steinau in der von Bertho erbauten Fuldaer Jakobskapelle der alten Abtsburg während der Feier der heiligen Messe ermordet wurde. Die Täter schlugen Bertho nieder und enthaupteten ihn. Dann flohen sie nach Steinau (bei Fulda).[3] Der Überlieferung nach stieß jeder der beteiligten 26 Ritter einmal zu. Viele der Mörder überlebten die Tat nicht lange. Der nachfolgende Fürstabt Bertho III. von Mackenzell ließ sie aufspüren, und sie wurden in der Kirche zu Kirchhasel „niedergemetzelt“.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Heinemeyer: Chronica Fuldensis: D. Darmstädter Fragmente d. Fuldaer Chronik. Böhlau, 1976, ISBN 3-412-03275-1, S. 131.
  2. Ruine Rockenstuhl im Rhönlexikon
  3. Savigny-Stiftung/H. Böhlau: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. 1948, S. 225.
  4. Johannes Schmidt: Es geschah an Weihnachten 1271. In: Schlitzer Bote. 24. Dezember 2003, archiviert vom Original am 7. Januar 2014; abgerufen am 24. November 2017.
VorgängerAmtNachfolger
Heinrich IV. von ErthalFürstabt von Fulda
1261–1271
Bertho III. von Mackenzell