Beta-Amyloid-Immuntherapie

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Die beta-Amyloid-Immuntherapie ist ein experimenteller Therapieansatz zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Umgangssprachlich wird sie häufig Alzheimer-Impfung genannt. Es handelt sich allerdings nicht um ein Verfahren, das wie eine Impfung gegen Erreger einer Infektionskrankheit gerichtet ist.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen des Therapieansatzes wird davon ausgegangen, dass durch eine aktive oder passive Immunisierung gegen das Protein beta-Amyloid, dem Bestandteil der für die Erkrankung typischen senilen Plaques, das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden kann.[1] Tatsächlich konnte in einem Mausmodell der Alzheimer-Krankheit die aktive Immunisierung mit beta-Amyloid (Abeta42) bei jungen Tieren die Entwicklung neuritischer Plaques verhindern. Bei älteren Tieren war das Ausmaß der neuropathologischen Veränderungen zumindest reduziert.[2] Da nach einer solchen Immunisierung in Mausmodellen auch Verbesserungen in Lernverhalten und Gedächtnisleistung erzielt werden konnten[3][4], richteten sich große Hoffnungen auf eine mögliche Übertragbarkeit dieser tierexperimentellen Ergebnisse auf den Menschen.[5]

Anwendung beim Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste klinische Studien, die von der Firma Elan Corporation, dem Hersteller einer synthetischen Variante des beta-Amyloids (AN-1792), das zur Immunisierung verwendet wurde, initiiert worden waren, [6] mussten jedoch wegen schwerer, teils tödlicher Nebenwirkungen abgebrochen werden.[7] Bei der neuropathologischen Untersuchung der Gehirne verstorbener Studienteilnehmer ergab sich, dass durch die Immunisierung eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute (Meningoenzephalitis) ausgelöst worden war. Gleichwohl konnte auch beim Menschen eine deutliche Reduktion der Plaques in bestimmten Hirnregionen nachgewiesen werden.[8] Dieser Befund deutet darauf hin, dass die beta-Amyloid-Immuntherapie möglicherweise Bedeutung bei der Alzheimer-Erkrankung bekommen könnte, wenn es gelänge, die schwerwiegenden Nebenwirkungen zu vermeiden. Die Entwicklung neuer experimenteller Immunisierungstrategien ist daher ein wichtiger Gegenstand der Forschung geblieben.[9][10] Unter der Bezeichnung Bapineuzumab haben die Firmen Wyeth und Elan Corporation einen gegen beta-Amyloid gerichteten monoklonalen Antikörper entwickelt. Die Wirksamkeit von Bapineuzumab wird derzeit in den USA im Rahmen einer klinischen Studie an Patienten mit beginnenden Symptomen der Alzheimer-Krankheit untersucht.[11] Die US-Firmen Johnson & Johnson und Pfizer gaben bekannt, dass sie die klinische Entwicklung des Alzheimer-Medikaments Bapineuzumab einstellen. Der monoklonale Antikörper, der die beta-Amyloide aus dem Gehirn der Demenz-Patienten entfernen sollte, hat auch in einer zweiten Phase-III-Studie die Erwartungen nicht erfüllt.[12]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Boche & Nicoll: The role of the immune system in clearance of abeta from the brain. In: Brain Pathol. 2008;18(2):267-78. PMID 18363937 (Übersichtsarbeit)
  2. Schen et al.: Immunization with amyloid-beta attenuates Alzheimer-disease-like pathology in the PDAPP mouse. In: Nature. 1999;400(6740):173-7. PMID 10408445
  3. Younkin: Amyloid beta vaccination: reduced plaques and improved cognition. In: Nat Med. 2001;7(1):18-9. PMID 11135604
  4. Janus et al.: A beta peptide immunization reduces behavioural impairment and plaques in a model of Alzheimer's disease. In: Nature. 2000;408(6815):979-82. PMID 11140685
  5. Ingram: Vaccine development for Alzheimer's disease: a shot of good news. In: Trends Neurosci. 2001;24(6):305-7. PMID 11356488
  6. Koch: Alzheimer: Der schöne Traum vom Impfstoff. In: Dtsch Arztebl, 2000; 97(30): A-2001 Volltext
  7. Schenk: Amyloid-beta immunotherapy for Alzheimer's disease: the end of the beginning. In: Nat Rev Neurosci. 2002;3(10):824-8. PMID 12360327
  8. Nicoll et al.: Neuropathology of human Alzheimer disease after immunization with amyloid-beta peptide: a case report. In: Nat Med. 2003;9(4):448-52. PMID 12640446
  9. Hawkes & McLaurin: Immunotherapy as treatment for Alzheimer's disease. In: Expert Rev Neurother. 2007;7(11):1535-48. PMID 17997702 (Übersichtsarbeit)
  10. Simm: Morbus Alzheimer: Impfung bremst den Gedächtnisverfall. In: Dtsch Arztebl 2003; 100(25): A-1718 Volltext (kritische Zusammenfassung der Ergebnisse der klinischen Studien)
  11. NCT00574132 (Studienbeschreibung bei clinicaltrials.gov)
  12. Alzheimer: Zweite Studie zur Antikörpertherapie abgebrochen Deutsches Ärzteblatt, 7. August 2012. Abgerufen am 12. August 2012.
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