Betty MacDonald

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Betty Bard MacDonald (* 26. März 1907[1] in Boulder, Colorado; † 7. Februar 1958 in Seattle, Washington) war eine amerikanische Schriftstellerin. Zu ihren bekanntesten Werken gehörten Das Ei und ich und die Mrs.-Piggle-Wiggle-Geschichten.

Leben

Der Geburtsname der Autorin ist Anne Elizabeth Campbell Bard. Ihr Vater Darsie Bard war Bergbauingenieur, ihre Mutter Elsie, genannt Sydney, Hausfrau. Sie hatte vier Geschwister: die ältere Schwester Mary sowie die jüngeren Geschwister Cleve, Dede und Alison. Die Eltern lernten sich in Boston kennen: Darsie Bard studierte in Harvard, Elsie (geborene Sanderson) hatte eine Ausbildung als Illustratorin an der Eric Pape School in Boston absolviert. Sie heirateten und zogen 1903 nach Butte (Montana), wo am 21. November 1904 ihr erstes Kind Mary zur Welt kam. Aufgrund seiner Arbeit kam Darsie Bard viel im Westen der USA herum. Die Bards lebten kurze Zeit in Nevada und 1907 in Boulder (Colorado). Dort wurde Betty Bard geboren.[2]

Darsie und Sydney Bard verbrachten dann einige Monate in Mexiko, wo Darsie Bard einen Auftrag hatte. Noch im selben Jahr zog die Familie in den kleinen Ort Placerville (Idaho). Dort kam am 29. November 1908 Cleve Bard zur Welt. 1910 erhielt Darsie Bard einen Lehrauftrag für Geologie und Mineralogie an der Montana State School of Mines in Butte. In Butte verbrachte Betty Bard den Großteil ihrer Kindheit. Hier wurde am 16. Januar 1915 auch das vierte Kind der Bards, Dorothea Darsie, genannt Dede, geboren. Im Herbst 1916 gab Darsie Bard seine Lehrtätigkeit in Butte auf und die Familie ging nach Seattle. Dort machte sich Darsie Bard selbstständig und gründete mit einem Partner eine Firma, Bard & Johnson, consulting geological engineers. Mary und Betty besuchten eine Privatschule, die St Nicholas School.[3]

Im Januar 1920 starb Darsie Bard plötzlich im Alter von 41 Jahren an einer Lungenentzündung. Sydney Bard war damals schwanger mit Alison, die am 25. Juni 1920 zur Welt kam. Die Ausgaben mussten nun gesenkt werden, Betty wechselte auf die Lincoln High School und später auf die Roosevelt High School, die sie 1924 abschloss. Sie schrieb sich an der University of Washington ein, hauptsächlich für Zeichen- und Designkurse.[4]

1925 kaufte Sydney Bard eine Farm auf der Olympic-Halbinsel in Chimacum, mit einer Kuhherde, Hühnern, Pferden, Schweinen und Ziegen, und Cleve bewirtschaftete diesen Bauernhof mit Hilfe der Familie. Dort lernte Betty Bard einen jungen Versicherungskaufmann kennen, Robert Heskett, und heiratete ihn am 10. Juli 1927. Am 23. Februar 1928 bekam sie eine Tochter, Anne Elizabeth Heskett. Währenddessen hatte die Familie Bard sowohl ihr Stadthaus verkaufen müssen als auch die Farm verloren, die im Januar 1928 zwangsversteigert wurde. Daraufhin beschlossen die Hesketts, mit Bettys Anteil aus dem Verkauf des Stadthauses Grund und Boden und ein Farmhaus im Chimacum Valley zu kaufen und dort Hühnerzucht zu betreiben. 1930 war sowohl dieses Unternehmen als auch die Ehe gescheitert. Betty, die am 14. Juli 1929 ihre zweite Tochter Joan Dorothy Heskett geboren hatte, verließ ihren Mann mit ihren beiden kleinen Kindern und reichte am 27. Mai 1930 die Scheidung ein. Offenbar hatte es jedoch zeitweise eine Verständigung zwischen Betty und Robert Heskett gegeben, denn es ist ein zweites Scheidungsbegehren vom Juli 1931 überliefert, das schließlich zur Auflösung der Ehe führte.[5]

Betty nahm wieder ihren Mädchennamen Bard an und lebte in Seattle zusammen mit ihrer Mutter und ihren Schwestern und Töchtern. Zunächst arbeitete sie in einer ganzen Reihe von Kurzzeitjobs, bis sie 1934 eine Stelle in der National Recovery Administration, also der im Zusammenhang des New Deal entstandenen Bürokratie, antrat. Sie arbeitete dort zeitweise als staatliche Schlichterin in Arbeitskonflikten („labor adjuster“).[6] 1936 war sie für eine Abteilung des United States Department of the Treasury tätig. Diese Tätigkeiten musste sie unterbrechen, als bei ihr 1938 Lungentuberkulose diagnostiziert wurde. Nach einer neunmonatigen Ruhekur im Sanatorium Firland, der Tuberkuloseanstalt der Stadt Seattle, wurde sie 1939 als geheilt entlassen. Sie fand dann eine Stelle bei der National Youth Administration, einer weiteren New-Deal-Behörde, wo sie eine leitende Position in der Öffentlichkeitsarbeit („publicity“) besetzte.[7]

1942 heiratete sie Donald Chauncy MacDonald, der damals als Qualitätsprüfer bei Boeing arbeitete,[8] und zog mit ihm und den beiden Kindern nach Vashon Island. Sowohl Donald als auch Betty MacDonald pendelten täglich mit der Fähre nach Seattle zur Arbeit, während die Kinder auf der Insel zur Schule gingen.[9] Auf Vashon Island begann Betty MacDonald ihr Buch The Egg and I zu schreiben, das 1945 im Verlag J. B. Lippincott & Co. erschien und ein Weltbestseller wurde. Im ersten Jahr wurden über eine Million Exemplare verkauft. Weitere Bücher schlossen sich an: 1948 The Plague and I, 1950 Anybody can do anything, 1955 Onions in the Stew, dazu Kinderbücher um Mrs Piggle-Wiggle und das Jugendbuch Nancy and Plum. The Egg and I wurde 1947 mit Claudette Colbert und Fred MacMurray verfilmt. Im Gefolge der Verfilmung kam es jedoch auch zu einem Beleidigungsprozess: Mehrere Personen, die im Buch unter veränderten Namen porträtiert waren, klagten 1951 gegen die Autorin und den Buchverlag. Die Klage wurde freilich abgewiesen. MacDonald gab an, dass es sich bei ihren Romanfiguren um poetische Erfindungen gehandelt habe; diese Strategie war erfolgreich.[10]

Von den Erlösen der Bücher kauften Betty und Donald MacDonald 1952 eine Ranch in Carmel Valley. Zunächst pendelte die Autorin noch öfter nach Seattle, ab 1955 lebte sie ständig in Carmel. 1956 wurde bei ihr ein Ovarialkarzinom diagnostiziert, an dem sie 1958 in Seattle starb.[11]

Werk

Autobiografische Romane

Die bekanntesten Werke der Autorin sind mehr oder weniger autobiografische humoristische Romane, stets in der Ich-Form erzählt. The Egg and I (Das Ei und ich), der erste und erfolgreichste dieser Romane, hat das Leben mit ihrem ersten Mann auf einer Hühnerzuchtfarm der Olympic-Halbinsel zum Gegenstand. Das Thema von The Plague and I (wörtlich: Die Pest und ich; "white plague", die weiße Pest, wurde die Tuberkulose in Amerika genannt) ist die Tuberkulosekur der Autorin im Sanatorium Firland. Anybody can do anything (etwa: „Jeder kann alles“) beschreibt die Erlebnisse von Mary und Betty Bard bei ihrer Jobsuche während der Großen Depression. Bei Onions in the Stew (etwa: Zwiebeln im Eintopf) geht es um die Erlebnisse einer arbeitenden Mutter mit ihren pubertierenden Töchtern auf Vashon Island. Der Titel entstammt einem Gedicht von Charles Divine (1889–1950), At the Lavender Lantern, und charakterisiert einen einst vertrauten Ort, wo „die Herzen hoch schlugen und die Gelder knapp waren und es Zwiebeln im Eintopf gab“ („where hearts were high and fortunes low, and onions in the stew“). Die 1959 nach dem Tod der Autorin auf den Markt geworfene Publikation Who, me? enthielt lediglich eine Zusammenstellung von Exzerpten aus den vier zu ihren Lebzeiten veröffentlichten autobiografischen Romanen.[12]

The Egg and I erschien zunächst auszugsweise als Fortsetzungsroman in The Atlantic Monthly (verteilt auf Juni, Juli und August 1945), in Buchform kam es im Oktober 1945 auf den Markt.[13] Ein Erfolgsfaktor dieses Romans waren die dort beschriebenen Hillbillies, die amerikanischen Hinterwäldler vom Land, insbesondere die Familie Kettle mit ihren 15 Kindern. Nach dem Erfolg des Buchs und des nach der Romanvorlage gedrehten Films schob Universal Pictures von 1949 bis 1957 eine Serie von neun weiteren Ma-und-Pa-Kettle-Filmen nach, die diese Figuren exponierten. Die Rolle der Ma Kettle spielte Marjorie Main, die 1947 für den Oscar nominiert wurde.

Liste der veröffentlichten Werke und der deutschen Übersetzungen

  • The Egg and I. Lippincott, Philadelphia 1945. Deutsch: Das Ei und ich. Übersetzung: Renate Hertenstein. Alpha Verlag, Alfeld 1949
  • Mrs. Piggle-Wiggle. Illustrationen: Richard Bennett. Lippincott, Philadelphia 1947. Deutsch: Fräulein Pudel-Dudels Wunderkuren. Übersetzung: Liselotte Julius. Scherz, Bern 1963
  • The Plague and I. Lippincott, Philadelphia 1948. Deutsch: Einmal scheint die Sonne wieder. Übersetzung: Melanie Steinmetz. Bertelsmann, Gütersloh 1952
  • Mrs. Piggle-Wiggle’s Magic. Illustrationen: Kurt Wiese. Lippincott, Philadelphia 1949
  • Anybody Can Do Anything. Lippincott, Philadelphia 1950. Deutsch: Betty kann alles. Übersetzung: Renate Hertenstein. Scherz, Bern 1951
  • Nancy and Plum. Illustrationen: Hildegarde Hopkins. Lippincott, Philadelphia 1952. Deutsch: Hand in Hand der Sonne nach. Übersetzung: Georg Goyert. Illustrationen: Erika Meier-Albert. Die Boje, Stuttgart 1953
  • Mrs. Piggle-Wiggle’s Farm. Illustrationen: Maurice Sendak. Lippincott, Philadelphia 1954
  • Onions in the Stew. Lippincott, Philadelphia 1955. Deutsch: Die Insel und ich. Übersetzung: Elisabeth Schnack. Scherz, Bern 1956
  • Hello, Mrs. Piggle-Wiggle. Illustrationen: Hilary Knight. Lippincott, Philadelphia 1957
  • Who, me? The autobiography of Betty MacDonald. Lippincott, Philadelphia 1959

Beliebtheit in Tschechien

Im Jahre 2008 führte der Literaturwissenschaftler und Professor Jiří Trávníček die bis dahin umfangreichste Umfrage zum Thema "Leser und Lesen" in Tschechien durch, in Zusammenarbeit mit der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik und dem Institut für tschechische Literatur der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik. Die Auswertung, die er in seinem Buch Čteme? veröffentlichte, brachte als Ergebnis, dass MacDonalds Werk Das Ei und ich zu diesem Zeitpunkt das beliebteste Buch in Tschechien war, und zwar noch vor Der brave Soldat Schwejk, Harry Potter und Die Großmutter von Božena Němcová.[14]

Literatur

Paula Becker: Looking for Betty MacDonald. The Egg, the Plague, Mrs. Piggle-Wiggle, and I. University of Washington Press, Seattle und London 2016

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Paula Becker: Looking for Betty MacDonald. University of Washington Press, Seattle und London 2016, S. 9 f. In zeitgenössischen Darstellungen wurde aus unklaren Gründen der 26. März 1908 angegeben; das Taufdatum 12. Mai 1907 und die Tatsache, dass Sydney Bard im März 1908 bereits mit Cleve schwanger war, zeigen jedoch laut Becker, dass dies unmöglich ist.
  2. Paula Becker: Looking for Betty MacDonald, S. 3–9.
  3. Paula Becker: Looking for Betty MacDonald, S. 10–20.
  4. Paula Becker: Looking for Betty MacDonald, S. 21–30.
  5. Paula Becker: Looking for Betty MacDonald, S. 34–48.
  6. Barbara Levy: Ladies Laughing, Gordon & Breach, Philadelphia 1997, S. 27.
  7. Paula Becker: Betty MacDonald. Biography. 25. März 2016. Online; Mildred Andrews: MacDonald, Betty (1907–1958). 1998. Korrigiert 2002, erweitert und revidiert von Paula Becker 2004, 2007 und 2014. Online; Barbara Levy: Ladies Laughing, Gordon & Breach, Philadelphia 1997, S. 27.
  8. Paula Becker: Looking for Betty MacDonald, S. 65.
  9. Paula Becker: Betty MacDonald. Biography. 25. März 2016. Online; sowie Mildred Andrews: MacDonald, Betty (1907–1958). 1998. Korrigiert 2002, erweitert und revidiert von Paula Becker 2004, 2007 und 2014. Online.
  10. Paula Becker: Libel trial against Betty MacDonald of Egg and I fame opens in Seattle on February 5, 1951. 2007, revidiert 2014. Online; sowie Beth Kraig: Betty and the Bishops: Was The Egg and I Libelous? Columbia Magazine, Frühjahr 1998, Jg. 12, Nr. 1, online.
  11. Paula Becker: Betty MacDonald. Biography. 25. März 2016. Online; sowie Mildred Andrews: MacDonald, Betty (1907–1958). 1998. Korrigiert 2002, erweitert und revidiert von Paula Becker 2004, 2007 und 2014. Online.
  12. Barbara Levy: Ladies Laughing, Gordon & Breach, Philadelphia 1997, S. 26.
  13. Paula Becker: Betty MacDonald's The Egg and I is published on October 3, 1945. Online.
  14. Co Čech, to knihomil: podle průzkumu jsou Češi jedni z největších čtenářů, Bericht in IDnes vom 23. Dezember 2008, online auf: zpravy.idnes.cz/...