Bibliothek der Freien Universität Bozen

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Universitätsbibliothek Bozen
TheLibraryFUB.png
Gründung 1998
Bestand 234.411
Bibliothekstyp Universitätsbibliothek
Ort Bozen
ISIL IT-BZ0271
Website http://www.unibz.it/library/

Die Universitätsbibliothek Bozen (ital. Biblioteca universitaria di Bolzano, engl. University Library of Bozen/Bolzano) gehört mit der Landesbibliothek „Dr. Friedrich Teßmann“ zu den großen wissenschaftlichen Bibliotheken in Südtirol.

Überblick[Bearbeiten]

Die Medien der Universität sind hauptsächlich in den Sprachen der Freien Universität Bozen (deutsch, italienisch und englisch) verfügbar. Am Standort Brixen gibt es auch ladinische Medien. Die Bibliothek hat ihren Sitz im Hauptgebäude der Freien Universität in Bozen (Universitätsplatz 1). Außenstellen gibt es in Brixen und Bruneck. Mit der ältesten wissenschaftlichen Bibliothek des Landes, der Bibliothek der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen, besteht eine enge Zusammenarbeit. Bis zur Fertigstellung des Universitätsgebäudes in Brixen war die Außenstelle Brixen in den Räumen der Hochschulbibliothek untergebracht.

Geschichte[Bearbeiten]

Mit der Gründung der Freien Universität Bozen 1997 erfolgte auch der Aufbau einer Universitätsbibliothek. Dank der Stiftung Südtiroler Sparkasse wurde für die Bibliotheksgründung ein geeigneter Finanzrahmen geschaffen. Die Bibliothek entwickelte sich zu einer an den Studierenden und deren Bedürfnissen ausgerichteten Einrichtung, die in der dreisprachigen Region fest verankert ist und innerhalb des Südtiroler Bibliothekswesens wichtige elektronische Dienstleistungen übernimmt. Seit 1998 ist der Bestand der Universitätsbibliothek elektronisch recherchierbar, ebenso erfolgte der Aufbau einer eLibrary.

Organisation[Bearbeiten]

Die Bibliothek ist, wie die Universität selbst, auf die Standorte Bozen, Brixen und Bruneck verteilt, wobei der Standort Bozen als Zentralbibliothek fungiert. Für einen besseren Service wurde die zunächst formale Aufteilung nach Teilbibliotheken 2008 zugunsten von vier standortübergreifenden Abteilungen aufgelöst:

  • Online Services & Resources (Digitale Bibliothek),
  • Subject & Liaison Librarians (Fachberatung und Unterstützung von Studierenden und Wissenschaftlern),
  • Customer Service (nicht elektronische Bibliotheksdienstleistungen und Kundenservice),
  • Media Processing (Erwerbung, Erschließung und Bereitstellung von Informationsträgern und Informationen).

Die Bibliotheksdienste von dezentral angesiedelten Einrichtungen der Universität (z.B. Sprachenzentrum, Lernwerkstatt) werden von der Zentralbibliothek oder der zuständigen Teilbibliothek betreut.

Hauptaufgabe[Bearbeiten]

Zentrale Aufgabe der Universitätsbibliothek Bozen ist es, für Lehre, Forschung und lebenslanges Lernen bedarfsorientierte Bestände und Infodienste bereitzustellen. Kernaufgaben sind:

  • Auf- und Ausbau der Digitalen Bibliothek,
  • Vermittlung von Informationskompetenz im Rahmen von Lehrveranstaltungen, zielgruppenorientierten Schulungen und Trainings,
  • Bereitstellung von unterschiedlichsten Räumlichkeiten für differenzierte Lehr- und Lernformen,
  • Entwicklung von innovativen Lösungen, aktive Mitarbeit in Forschungsprojekten und Vernetzung mit nationalen und internationalen Partnern.

Dienstleistungen[Bearbeiten]

Während des akademischen Jahres bleibt die Bibliothek in Bozen bis 24.00 Uhr geöffnet. Im akademischen Jahr 2009/10 wurden die Öffnungszeiten während der Prüfungszeit für die Studierenden auf den Sonntag ausgeweitet. Laureanden, Doktoranden und Dozenten erhalten auf Anfrage einen unbeschränkten Zutritt. In Bruneck können die Studierenden die Bibliothek von Montag bis Sonntag, von 8.00 bis 22.00 Uhr nutzen.

Medien, die nicht unmittelbar zur Verfügung stehen, können mittels Fernleihe und Dokumentlieferdienst angefordert werden. Seit 2005 werden allen internen Kunden – Studierenden, Forschenden und Lehrenden – die über die Dokumentlieferung bestellten Artikel elektronisch und somit ohne Zeitverzug nach dem Eintreffen in der Bibliothek direkt an ihren Arbeitsplatz übermittelt. Die Bibliothek bietet einen kostenlosen Kurierbetrieb zwischen den Bibliotheken Bruneck, Brixen und Bozen an. Seit Februar 2007 gibt es einen Kurierdienst zwischen den einzelnen Standorten der Bibliothek der Freien Universität und der Öffentlichen Bibliothek Schlandersburg in Schlanders, Vinschgau. 2010 können Medien aus der Bibliothek auch in die Bibliothek des Ladinischen Kulturinstituts Micurà de Rü in St. Martin in Thurn im Gadertal bestellt und dort abgeholt werden.

Der Universitätsverlag Bozen-Bolzano University Press ist der Eigenverlag der Freien Universität Bozen, der seit November 2007 von der Bibliothek koordiniert wird.

Räume und Ausstattung[Bearbeiten]

Außenstelle Brixen der Freien Universität Bozen
Neubau der Stadt- und Universitätsbibliothek Bruneck

In den Gründungsjahren standen noch keine Gebäude zur Verfügung. Diese mussten erst geplant und gebaut werden. Bis dahin wurden die Bibliotheken provisorisch untergebracht. Während die Bibliothek Bozen im ehemaligen Landeskrankenhaus (Altes Spital) in der Bozner Innenstadt untergebracht wurde, gab es am Standort Brixen ein entsprechendes Abkommen mit der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen, deren Seminarbibliothek erheblich erweitert und umgebaut wurde. Seither besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen den zwei Bibliotheken.

Für die neu gegründete Universität wurden an den Standorten Bozen und Brixen die Bibliotheken jeweils als Teil der Neubauten errichtet (Fertigstellung in Bozen 2003, Brixen 2004). Am Standort Bruneck wurde gemeinsam mit der Stadtbibliothek ein neues Gebäude errichtet (Fertigstellung 2013), in dem auch das Stadtarchiv und der N. C. Kaser-Nachlass untergebracht sind.

Bestand und Fachbereiche der Bibliothek[Bearbeiten]

Bestand (Stand 2013)

  • 245.616 Books and Non-Book-Material;
  • 50.300 E-Books Total;
  • 1.137 Subscribed Print Journals;
  • 63.583 E-Resources;
  • 87 Databases

Der Medienbestand der Bibliothek orientiert sich an Studien- und Forschungsgebieten besonderer Einrichtungen der Universität (Sprachenzentrum, Forschungszentrum Sprachen) sowie der fünf Fakultäten der Freien Universität Bozen. Der Bestandsaufbau erfolgt in folgenden Fachgebieten: Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaften, Agrarwissenschaften, Ingenieurwesen, Pädagogik, Psychologie, Soziologie, Informatik, Kunst und Linguistik. Zusätzlich werden Medien aus den wissenschaftlichen Randbereichen und Medien für den Spracherwerb angekauft. Aufgrund der Dreisprachigkeit der Freien Universität Bozen haben Medien in deutscher, englischer und italienischer Sprache den Vorrang. Bei der Erwerbung setzt die Bibliothek seit Jahren erfolgreich auf den Einsatz von Approval Plans. Zusätzlich dazu erfüllt die Bibliothek die aktuellen Bedürfnisse der Kunden. Die Wünsche, die als Anschaffungsvorschläge eingehen, werden schnell besorgt und sofort nach Eingang in der Bibliothek dem Benutzer unbürokratisch zur Verfügung gestellt. Seit Herbst 2009 bietet die Bibliothek außerdem eine große Anzahl an E-Books an. Die Medien der Universitätsbibliothek sind als Freihandbestand gemäß der Regensburger Verbundklassifikation (RVK) aufgestellt. Der gesamte Medienbestand kann im Online-Katalog recherchiert werden.

Finanzierung[Bearbeiten]

Der größte Anteil der Basisfinanzierung kommt von der Autonomen Provinz Bozen. Ein kleiner Prozentsatz wird vom Ministerium für Bildung, Universität und Forschung und aus den Einnahmen der Studiengebühren zugeschossen. Eine wesentliche finanzielle Unterstützung erhält die Universität und somit auch die Bibliothek von der Stiftung Südtiroler Sparkasse, welche den Aufbau der Bestände der Bibliothek durch namhafte Zuwendungen unterstützt. Für besondere Projekte gibt es punktuelle Finanzierungen von der Stiftung Südtiroler Sparkasse.

Projekte[Bearbeiten]

Die Bibliothek hat sich seit ihrer Gründung vor allem im Bereich der digitalen Neuerungen um Kooperationen innerhalb und außerhalb der Universität bemüht. So wurde die Regensburger Verbundklassifikation (RVK) ins Englische und Italienische übersetzt, nach Richtlinien, die in dem Dokument "Brixener Richtlinien" vom 29. Juli 1999 festgehalten wurden. In Zusammenarbeit mit der Fakultät für Informatik der Freien Universität Bozen entwickelte man den Chatbot BOB: Der „Cybrarian“ unterstützte rund um die Uhr die Auskunftstätigkeit der Bibliothekare und verbesserte die Nutzbarkeit der Bibliothek. Aufgrund großer Änderungen im Nutzungsbereich bedingt durch den Systemwechsel, wurde der Service "BOB" eingestellt.

Die Bibliothek beteiligt sich an einem von der Europäischen Union geförderten Forschungsprojekt zum Thema „Entwicklung mehrsprachiger Retrievalsysteme“, genannt CACAO (Cross-Language Access to Catalogues and On-line Libraries). MuSIL (Multilingual Search in Libraries), das multilinguale Suchsystem, das von der Bibliothek in Kooperation mit der Fakultät für Informatik und der Firma CELI entwickelt wurde und im Oktober 2007 online ging, war sowohl Grundlage für das EU-Projekt als auch erstes Ergebnis dieser Forschungszusammenarbeit. Der von der Bibliothek entwickelte Meta-Katalog erschließt folgende Südtiroler Bibliotheken: Bibliothek der Freien Universität Bozen, Bibliothek der EURAC research, Bibliothek der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen, Bibliothek des Museion, Bibliothek des Ladinischen Kulturinstituts "Micurà de Rü", der Katalog des Projekts Erschließung Historischer Bibliotheken (EHB) und die Pädagogische Fachbibliothek des deutschen Schulamtes.

2012 wurde der Metakatalog abgelöst und durch ein Discovery System ersetzt, das die Möglichkeit bietet mit einer Suchanfrage sowohl elektronische als auch gedruckte Medien zu finden. 2013 wechselte die Universitätsbibliothek das Bibliothekssystem. Sie nahm an dem Early Adopter Programm von Ex Libris teil und ging als erste Bibliothek in Kontinentaleuropa online mit Alma von Ex Libris.

Kooperationen[Bearbeiten]

Die Informationseinrichtungen auf der Achse Innsbruck-Bozen-Trient betreiben gemeinsame Serviceangebote. Mit dem Versuchszentrum Laimburg und dem Südtiroler Bauernbund arbeitet die Bibliothek an einem virtuellen landwirtschaftlichen Verbundkatalog. Gemeinsam mit dem ESSPER-Dienst werden die italienischen wirtschaftswissenschaftlichen Zeitschriften ausgewertet. Abkommen zur intensiven Zusammenarbeit hinsichtlich des Bestandsaufbaus und der gegenseitigen Bestandsnutzung gibt es mit der Philosophisch-theologischen Hochschule Brixen und der Eurac research – Europäische Akademie Bozen. Im Januar 2011 wurde der Buchbestand des Museions in die Bibliothek der Freien Universität Bozen übersiedelt. 2011 wurde auch der Buchbestand des Musikhochschule C. Monteverdi Bozen übernommen. Seit Dezember 2013 sind die Bestände der Bibliothek der Eurac research – Europäische Akademie Bozen, der Bibliothek der Philosophisch-theologischen Hochschule Brixen, der Bibliothek des Versuchszentrum Laimburg und der Universitätsbibliothek über eine gemeinsame Suchfläche recherchierbar.

Rankings[Bearbeiten]

Wie andere Bibliotheken nutzt auch die Bibliothek der Freien Universität das Benchmarking-System für wissenschaftliche Bibliotheken, den so genannten BIX-Bibliotheksindex, zur eigenen Positionierung und zur Verbesserung der Dienstleistungen. GIM (Gruppo Interuniversitario per il Monitoraggio dei Sistemi Bibliotecari di Ateneo) ist das Benchmarking-System für den italienischen Raum seit 2000.

  • 2014: 4 Sterne beim BIX (der Bibliotheksindex)
  • 2013: 3,5 Sterne beim BIX (der Bibliotheksindex)
  • 2012: 4 Sterne beim BIX (der Bibliotheksindex)
  • 2008, 2009, 2011: 2. Platz beim BIX (der Bibliotheksindex)
  • 2010: 3. Platz beim BIX (der Bibliotheksindex)

Literatur[Bearbeiten]

  • Annual Report 2014 (PDF)
  • Paolo Buoso, E-Books im wissenschaftlichen Bereich. In: Zum Lesen, 1/2013, S. 34 ([1])
  • Eva Moser, Primo und Alma. Mail aus der UB Bozen. In: Zum Lesen, 1/2013, S. 15 ([2])
  • Gerda Winkler [et al.], Informationskompetenz in Südtirol: Entwicklungsstand und Perspektiven. In: Handbuch Informationskompetenz, Berlin 2012, S. 532
  • Luigi Siciliano, Multilinguality and Metadata Interoperability: the CACAO Project Experience. In: Enrich Final Conference Proceedings, Biblioteca Nacional de España, Madrid 2009, S. 69-75. (PDF)
  • Elisabeth Frasnelli [et al.], The Specification of the Language of the Field and Interoperability: Cross-Language Access to Catalogues an Online Libraries (CACAO). In: Metadata for semantic and social applications. Proceedings of the International Conference on Dublin Core and Metadata Applications, Berlin, 22 - 26 September 2008, DC 2008: Berlin, Germany, S. 191-196. (PDF)
  • Elisabeth Frasnelli, Ulrike Kugler [et al.], Multilingual Search in Libraries. The case-study of the Free University of Bozen-Bolzano. (PDF)
  • Elisabeth Frasnelli, Spazi e servizi per gli utenti: l'approccio della Biblioteca Universitaria di Bolzano. In: Archittetura della biblioteca e identità universitaria. Atti del convegno, Firenze, 28 - 29 settembre 2006, S. 218-226.
  • Dies., La Biblioteca della Libera Università di Bolzano. In: Rassegna. Periodico dell'Istituto Pedagogico, n. 18, 2002
  • Dies., Qualitätskontrolle und Qualitätspolitik bei der bibliothekarischen Leistungserstellung. Der Ansatz der Universitätsbibliothek Bozen. In: Franz Berger und Klaus Kempf (Hrsg.), Universitätsreform und Medienrevolution - eine Herausforderung für Hochschulbibliotheken. Beiträge der internationalen Fachtagung in Bozen, 28. - 29. September 2000, Bozen 2001, S. 105-118.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

46.4981811.35075Koordinaten: 46° 29′ 53″ N, 11° 21′ 3″ O