Bionade-Biedermeier

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Der Bionade-Biedermeier ist eine karikierende Bezeichnung für den Lebensstil und das Konsumverhalten einer tendenziell großstädtischen, gutverdienenden und gebildeten Klientel. Ein weiterer Begriff zu diesem Schlagwort heißt Cocooning.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familienidyll im Biedermeier, das auf dem Rückzug ins Private basiert: Der Sonntagsspaziergang (1841) von Carl Spitzweg[1]

Der Neologismus aus Biedermeier und Bionade wurde 2007 von einer Reportage Henning Sußebachs über den Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg im Zeit-Magazin geprägt. Wie Sußebach 2017 enthüllte, war sein Kollege Tillmann Prüfer der Texter der Artikelüberschrift gewesen, der Begriff Bionade-Biedermeier hat somit mindestens zwei Väter.[2]

Das Getränk Bionade wurde zum Symbol von Ernährungs- und Konsumgewohnheiten stilisiert. Kennzeichnend für den Biedermeier in diesem Zusammenhang ist vor allem der Rückzug in die private Gemütlichkeit und eine Abkehr von einem breiteren politischen oder gesellschaftlichen Engagement. Das politische Schlagwort Bionade-Biedermeier soll demnach ausdrücken, dass Formen des nachhaltigen Konsums „echtes“ gesellschaftliches oder politisches Engagement ersetzen und in erster Instanz das Wohlbefinden der handelnden Personen steigern.[3][4][5][6]

Der Grünenpolitiker Jürgen Trittin schreibt in einem Buch: „Bionade-Biedermeier als Lebensstil, als vorgelebtes richtiges Leben: Das wird nicht reichen. Wenn Grüne zu ‚Ökospießern‘ werden, verlieren sie Teile jener Subkultur, in der sie auch wurzeln.“[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Charlotte Förster, Justus Loring: Der moderne Spießer: Beobachten, erkennen, bestimmen. Zitate: „Der Biedermeier ist die Blütezeit des Spießertums, lediglich die Bionade fehlt noch“. Tropen, 2014, ISBN 978-3-608-10652-7.
  2. Henning Sußebach: Irrglaube. Ein Beitrag in der Anekdotensammlung „Das war erst der Anfang“. In: Zeit Magazin. Nr. 43. Hamburg 19. Oktober 2017, S. 36.
  3. Nationalklischees – So sehen die Briten die neuen Deutschen. 19. September 2012, abgerufen am 28. September 2015.
  4. Philip Oltermann, Garry Blight, Ulli Lust: Germany: the new stereotypes, from Angry Citizens to Bossy Ossi. In: The Guardian. ISSN 0261-3077 (online [abgerufen am 28. September 2015]).
  5. Jörg Albrecht (Leipzig): Vom „Kohlrabiapostel“ zum „Bionade-Biedermeier“. In: Martina Löw (Hrsg.): Vielfalt und Zusammenhalt: Verhandlungen des 36. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Bochum und Dortmund 2012, Teil 1 Campus Verlag, 2014. Campus Verlag, 2014, ISBN 978-3-593-50082-9.
  6. Jill E. Twark, Axel Hildebrandt: Social Consciousness in the Bionade-Biedermeier: An Interview with Filmmakers Marc Bauder and Dörte Franke. Envisioning Social Justice in Contemporary German Culture. Boydell & Brewer, 2015, ISBN 978-1-57113-569-8.
  7. Jürgen Trittin: Stillstand made in Germany: Ein anderes Land ist möglich! Gütersloher Verlagshaus, 2014, ISBN 978-3-641-14745-7.