Border (2018)

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Filmdaten
Deutscher TitelBorder
OriginaltitelGräns
ProduktionslandSchweden, Dänemark
OriginalspracheSchwedisch
Erscheinungsjahr2018
Länge110 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
Stab
RegieAli Abbasi
DrehbuchJohn Ajvide Lindqvist,
Ali Abbasi,
Isabella Eklöf
ProduktionNina Bisgaard,
Peter Gustafsson,
Petra Jönsson
MusikChristoffer Berg,
Martin Dirkov
KameraNadim Carlsen
SchnittOlivia Neergaard-Holm,
Anders Skov
Besetzung

Border ist ein schwedisches Fantasy-Drama aus dem Jahr 2018. Regisseur ist Ali Abbasi.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 40-jährige Tina arbeitet für den schwedischen Zoll. An einem Hafen für Fähren zwischen Schweden und Dänemark kontrolliert sie Reisende auf Schmuggelwaren. Sie verfügt über eine in ihrem Beruf nützliche, besondere Begabung: Sie kann Gefühle wie Angst oder Nervosität oder Schuldgefühle riechen und so Schmuggler zielsicher aussortieren. Durch ein deformiertes Gesicht ist sie optisch auffällig. Privat wohnt sie abgelegen in einem ihr gehörenden Haus im Wald. Sie hat ein auffällig positives Verhältnis zur Natur und spaziert oft im Wald umher, und Waldbewohner wie Fuchs oder Elch verhalten sich ihr gegenüber zutraulich. Sie lässt den Hundetrainer Roland und seine Kampfhunde bei sich wohnen und lebt mit ihm platonisch, aber beziehungsähnlich zusammen. Ihr Vater wohnt im Altersheim und ist zunehmender Demenz ausgesetzt.

Die Handlung des Films teilt sich in einen beruflichen und einen privaten Strang. In beruflicher Hinsicht gelingt es ihr, einen Kriminellen aufzuspüren, der auf einem USB-Stick Kinderpornographie mit sich führt. Die Polizei wird durch diesen Erfolg auf sie aufmerksam und fragt ihre Unterstützung für weitere Ermittlungen im Fall an. Im Rahmen einer Observation von Verdächtigen macht sie ein Apartment ausfindig, das möglicherweise von Kinderschändern bewohnt wird, und findet dort tatsächlich Beweise für einen erfolgten Missbrauch. Der Haupttäter soll sie zu dem Kriminellen führen, der die missbrauchten Babys vermittelt, jedoch wird der Gefangenentransport mit dem Haupttäter gewaltsam gestoppt und der Haupttäter von einem Unbekannten getötet, der entkommen kann.

Während der Arbeit stößt sie auf einen Reisenden, der ähnlich deformiert aussieht wie sie und ein auffälliges Interesse für Insekten zeigt. Sie lässt ihn durchsuchen, doch er hat keine Schmuggelware bei sich; der durchsuchende Zöllner informiert Tina darüber, dass der vermeintliche Schmuggler keine männlichen Geschlechtsorgane habe. Tina entschuldigt sich beim Reisenden für die Unannehmlichkeiten, die beiden tauschen etwas Smalltalk aus, und der Mann, der sich als Vore vorstellt, bekundet Interesse, in ein nahe gelegenes Hostel zu ziehen. Dort sucht Tina ihn auf und bietet ihm Unterkunft im Gästehäuschen auf ihrem Grundstück im Wald an. Roland und die nächsten Nachbarn beäugen den animalisch wirkenden Gast kritisch, aber er und Tina kommen sich immer näher, bis sie schließlich bei einem Waldspaziergang übereinander herfallen. Zu Tinas Überraschung wächst ihr in ihrer Erregung ein bizarrer Penis, der es ihr ermöglicht, den Geschlechtsverkehr mit dem mit einer Vagina ausgestatteten Vore zu vollziehen. Nach dem Sex klärt Vore sie darüber auf, dass sie so wie er ein Troll sei. Ihre tatsächlichen Eltern seien so wie seine in psychiatrischen Kliniken gehalten worden und dort gestorben; Vore ist in verschiedenen Waisenhäusern aufgewachsen, Tina wurde hingegen adoptiert. Tina gewinnt schnell Freude an ihrer neuen Identität und der Zweisamkeit mit Vore, behält jedoch ihre Arbeit für Zoll und Polizei bei. Dabei stößt sie eines Tages auf den überfallenen Gefangenentransport und den getöteten Kinderschänder – und muss feststellen, dass Vore der Täter war.

Zur Rede gestellt gesteht Vore, der Kriminelle zu sein, der dem Kinderschänderring die Babys zugeführt hat. Er entpuppt sich als Rassist, der allen Menschen für das von kriminellen Ärzten an den Trollen verübte Unrecht möglichst viel Leid zufügen will. Er fordert Tina auf, sich ihm anzuschließen, doch sie entscheidet sich dagegen, anderen Menschen Leid zuzufügen, und ermöglicht seine Verhaftung. Dieser entzieht sich Vore durch Flucht, bei der er mutmaßlich zu Tode kommt. Monate später bekommt Tina jedoch ein Paket mit einem lebenden Trollbaby und einer Postkarte von Vore aus Finnland, wo sich noch eine freilebende Trollpopulation befindet.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Drehbuchentwurf stammt vom schwedischen Schriftsteller John Ajvide Lindqvist und basiert auf einer seiner eigenen Kurzgeschichten. Abbasi erweiterte Lindqvists Entwurf und engagierte die Drehbuchautorin und Regisseurin Isabella Eklöf, die 2018 mit ihrem Krimidrama Holiday debütiert hatte, die mehr „psychologischen Realismus“ in das Drehbuch bringen sollte.[2] Das Casting der Hauptdarstellerin Eva Melander dauerte über 18 Monate. Nachdem sie verpflichtet worden war, musste Melander für die Rolle 20 Kilogramm zunehmen. Während der Dreharbeiten verbrachte sie vier Stunden pro Tag in der Maske.

Premiere hatte Border am 10. Mai 2018 bei den Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Kinostart war am 23. Mai 2018 in Frankreich. Der Film wurde unter anderem beim Internationales Filmfestival Karlovy Vary, beim Jerusalem Film Festival, beim Toronto International Film Festival, beim New York Film Festival und beim deutschen Fantasy Filmfest gezeigt. Am 11. April 2019 soll er in die deutschen Kinos kommen.[3]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Border erhielt fast ausschließlich positive Kritiken. Die Rezensionsdatenbank Rotten Tomatoes aggregiert 14 Kritiken zu einer Wertung von 93 %.[4]

Das Branchenmagazin Variety bezeichnete Border als „aufregende, intelligente Mischung aus Liebesfilm, Nordic Noir, sozialem Realismus und übernatürlichem Horror, die Genrekonventionen trotzt und sie untergräbt“ und „zum Kultklassiker bestimmt“ sei. Das Magazin sieht in Tinas Verhältnis zu den Tieren des Waldes Elemente des Magischen Realismus. Einziger Kritikpunkt von Rezensentin Alissa Simon war, dass die Vielzahl an Plotelementen einige Zuschauer überfordern könnte.[5] Der Hollywood Reporter urteilte, Regisseur Abbasi „mische übernatürliche Folklore mit zeitgenössischem sozialen Realismus, um eine universelle Parabel über Tribalismus, Rassismus und Angst vor dem Fremden zu erschaffen“. Das Magazin lobte die Leistungen beiden Hauptdarsteller, des Kameramanns und der Maske, stellte aber heraus, dass sozialer Realismus und übernatürliche Folklore sich von Natur aus nicht sonderlich gut ergänzten und dass das Konstrukt des Films deshalb an einigen Stellen etwas volatil sei. So sei das Ergebnis einer Szene, in der abrupt zwischen beiden Genres gewechselt wird, „ulkige Absurdität“, die vom Publikum in Cannes aber wohlwollend aufgenommen worden sei.[6] Sight & Sound, das Magazin des British Film Institute, sieht im „absurden Humor“ von Border eine Stärke und stellt als Schlüsselaspekt des Films die Einbettung verworren-folkloristischer Elemente in eine natürliche Umgebung heraus. Das Magazin lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Arbeit des Special-Effects-Teams und der Maske. Als negativ erwähnte Sight & Sound, dass der Pädophilen-Nebenplot in seiner Wirkungskraft hinter die Liebesgeschichte von Tina und Vore zurückfalle.[7]

Bei den Filmfestspielen in Cannes gewann Border den Hauptpreis in der Sektion „Un Certain Regard“. Das Schwedische Filminstitut wählte den Film als schwedischen Beitrag für die Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ der Oscar-Verleihung 2019 aus.[8] Der Film bzw. sein Personal wurden in den vier Kategorien Bester europäischer Film, Beste Regie, Beste Darstellerin (Eva Melander) und Bestes Drehbuch für den Europäischen Filmpreis 2018 nominiert. Peter Hjorth wurde mit dem erstmals in der Kategorie Visual Effects Supervisor verliehenen Europäischen Filmpreis 2018 ausgezeichnet.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Border. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 184621/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. ScreenDaily.com: Director Ali Abbasi on how Cannes title 'Border' channels "the experience of being a minority". Abgerufen am 16. September 2018.
  3. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 17. November 2018.
  4. RottenTomatoes.com: Border. Abgerufen am 16. September 2018.
  5. Variety.com: Cannes Film Review: ‘Border’. Abgerufen am 17. September 2018.
  6. HollywoodReporter.com: 'Border' ('Gräns') : Film Review. Abgerufen am 17. September 2018.
  7. BFI.org.uk: Gräns (Border) unleashes a dark Scandinavian folk fantasy. Abgerufen am 17. September 2018.
  8. Variety.com: Oscars: Sweden Selects Ali Abbasi’s ‘Border’ as Foreign Language Entry. Abgerufen am 17. September 2018.
  9. Jury Unveils First Eight EFA Winners 2018. Artikel vom 15. November 2018, abgerufen am 16. November 2018.