Brennender Dornbusch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mittelteil des Triptychons des brennenden Dornbuschs von Nicolas Froment in der Kathedrale von Aix-en-Provence

Im brennenden Dornbusch (הַסְּנֶה בֹּעֵר ha-səneh boʕēr Ex 3,2 EU) erschien nach der Erzählung im Tanach (Ex 2,23 EU bis Ex 4,18 EU) Gott auf dem Berge Horeb dem Mose und teilte ihm dort seinen Namen JHWH mit.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gottesname, oft nach Ex 3,14 EU (אֶהְיֶה אֲשֶר אֶהְיֶה ehyeh ăšer ehyeh) übersetzt mit „Ich bin, der Ich sein werde“, nach der Septuaginta „Ich bin der Seiende“ (ἐγώ εἰμι ὁ ὤν egô eimi ho ôn), wurde von den Israeliten nur mit großer Ehrfurcht verwendet. Sie ersetzen das Tetragramm (Vierbuchstabenwort) durch Ausdrücke wie „der Name“, „der Ewige“ oder meistens „der Herr.“ Jesus von Nazaret verwendete die Dornbuschszene bei der Sadduzäerfrage als Schriftbeweis für die Auferstehung. Dabei wird Gott als der „Lebendige“ oder „als Gott der Lebendigen“ verstanden. Zu einem Zeitpunkt, als Abraham, Isaak und Jakob laut biblischer Erzählung längst gestorben waren, spricht Gott zu Moses (Ex 3,6) „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“

Der Theologe Erich Zenger unterscheidet in der Selbstvorstellung Gottes in der Dornbuschszene vier Aspekte:[1]

  • Zuverlässigkeit: „Ich bin so bei euch da, dass ihr fest mit mir rechnen könnt. Wenn ihr auch wandelt im Tale des Todes, ihr dürft darauf bauen, dass ich da bin. Wenn ihr auch zweifelnd, schreiend oder stumm geworden von mir weglauft, ihr dürft wissen: Ich bin bei euch da, selbst wenn ihr mich nicht mehr erkennt.“
  • Unverfügbarkeit: „Ich bin so bei euch da, dass ihr mit mir rechnen müsst, wann und wie ich will – vielleicht auch dann und so, wie es euch sogar stört. Es mag durchaus Situationen und Stationen eures Lebensweges geben, wo ihr euch nicht gerade gerne daran erinnern lasst, dass ich bei euch da sein will, oder wo ihr lieber einen anderen Gott hättet.“
  • Ausschließlichkeit: „Ich bin so bei euch da, dass ihr allein mit mir rechnet als dem, der euch rettend nahe sein kann. Mit mir zu rechnen verlangt von euch die klare Entscheidung, damit Ernst zu machen, dass ich für euch der Einzige bin, der euch Halt und Maß geben darf. Nur in mir könnt und dürft ihr der wahren Liebe, der wahren Güte und dem wahren Leben begegnen.“
  • Unbegrenztheit: „Ich bin so bei euch da, dass mein Nahe-Sein keine örtlichen, institutionellen und zeitlichen Grenzen kennt. Wenn ich bei euch da bin, schließt das nicht aus, dass ich sogar bei euren Feinden da sein kann. Ja, mein rettendes Nahe-sein übersteigt die Erde, auf der ihr lebt und die ihr so oft zum Mittelpunkt eures Lebens macht. Sogar der Tod ist für mich keine Grenze, die meiner Lebenskraft Schranken setzen könnte.“
Der „brennende Dornbusch“ im Katharinenkloster auf dem Sinai

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Busch der Brombeerart Rubus sanctus wird heute im Katharinenkloster auf dem Sinai als Ableger des brennenden Busches verehrt.

Der Diptam (Dictamnus albus) aus der Familie der Rautengewächse wird auch „Brennender Busch“ genannt. Die Pflanze sondert aromatische Öle ab, die sich an heißen Tagen entzünden können. Als Vorbild für den brennenden Dornbusch in der Bibel kommt der Diptam aber kaum in Frage, weil er keine Dornen hat.

Das Motiv des brennenden Dornbuschs wurde in der Literatur und Musik aufgegriffen. Beispiele sind das Drama Der brennende Dornbusch von Oskar Kokoschka (1911) und das Opernfragment Moses und Aron von Arnold Schönberg.

Literatur und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joseph Ratzinger: Einführung in das Christentum. Vorlesungen über das Apostolische Glaubensbekenntnis. Mit einem neuen einleitenden Essay. 6. Auflage der völlig unveränderten Neuausgabe 2000. Kösel, München 2005, ISBN 3-466-20455-0, S. 132.
  • Erich Garhammer, Udo Zelinka (Hrsg.): Brennender Dornbusch und pfingstliche Feuerzungen. Biblische Spuren in der modernen Literatur. Bonifatius-Verlag, Paderborn 2003, ISBN 3-89710-227-7, (Einblicke 7), S. 161–176.
  • Romano Guardini: Mémorial des Pascal. In: Romano Guardini: Christliches Bewusstsein. Versuche über Pascal. 2. Auflage. Kösel, München 1950, 47f.
  • Klaus Kiesow, Thomas Meurer: Zur Wirkungsgeschichte der Dornbuschszene (Ex 2,23–4,18). In: Klaus Kiesow, Thomas Meurer (Hrsg.): „Textarbeit“. Studien zu Texten und ihrer Rezeption aus dem Alten Testament und der Umwelt Israels. Festschrift Peter Weimar zur Vollendung seines 60. Lebensjahres mit Beiträgen von Freunden, Schülern und Kollegen. Ugarit-Verlag, Münster 2003, ISBN 3-934628-23-0, (Alter Orient und Altes Testament 294), S. 585–610.
  • Heinrich A. Mertens: Handbuch der Bibelkunde. Literarische, historische, archäologische, religionsgeschichtliche, kulturkundliche, geographische Aspekte des Alten und Neuen Testaments. Ein Arbeitsbuch für Unterricht und Predigt. 2. neu bearbeitete Auflage. Patmos, Düsseldorf 1984, ISBN 3-491-78326-7.
  • Leonhard Ragaz: Die Bibel. Eine Deutung. Herausgegeben unter dem Patronat von Ernst Ludwig Ehrlich. Neuauflage der siebenbändigen Original-Ausgabe (Zürich 1947–1950) in 4 Bänden. Edition Exodus, Zürich u. a. 1990, ISBN 3-905575-52-3.
  • Herbert Vorgrimler: Marginalien zur Kirchenfrömmigkeit Pascals. In: Jean Daniélou, Herbert Vorgrimler (Hrsg.): Sentire Ecclesiam. Das Bewusstsein von der Kirche als gestaltende Kraft der Frömmigkeit. (Hugo Rahner zum 60. Geburtstag). Herder, Freiburg im Breisgau u. a. 1961.
  • Erich Zenger: Der Gott der Bibel. Ein Sachbuch zu den Anfängen des alttestamentlichen Gottesglaubens. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1979, 3. Aufl. 1986, ISBN 3-460-31811-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Brennender Dornbusch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Zenger: Der Gott der Bibel. Ein Sachbuch zu den Anfängen des alttestamentlichen Gottesglaubens. Stuttgart 1979, 3. Aufl. 1986.