Brockessches Haus

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Brockessches Haus
Brock’sches Palais
Brockessches Haus (2011, unsaniert)

Brockessches Haus (2011, unsaniert)

Daten
Ort Potsdam
Baumeister Carl von Gontard
Baujahr 1771–1776
Höhe 15 m
Koordinaten 52° 23′ 50,4″ N, 13° 3′ 19,3″ OKoordinaten: 52° 23′ 50,4″ N, 13° 3′ 19,3″ O
Besonderheiten
Baudenkmal; im 21. Jahrhundert renoviert und massiv umgebaut

Das Brockessche Haus, in neueren Publikationen auch als Brockessches oder Brock’sches Palais bezeichnet, ist ein denkmalgeschütztes Wohn- und Manufakturgebäude in der Innenstadt Potsdams. Es wurde 1776 nach dem Entwurf Carl von Gontards an der Straße Am Kanal (heute Yorckstraße 19/20) mit Zuschüssen von Friedrich II. für den Glasschleifer Johann Christoph Brockes errichtet. Nach zahlreichen Eigentümerwechseln und einem längeren Leerstand wurde das Palais bis Ende 2016 denkmalgerecht komplett restauriert und dient seitdem als Wohngebäude.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1722 ließ sich Oberleutnant von Kleist zwischen Reitstall und Garnisonkirche ein Wohnhaus errichten. Wegen seines Wohlstandes (Mammon) wurde deshalb die heutige Werner-Seelenbinder-Straße Mammonstraße genannt. Auf dem rückwärtigen Grundstück am Stadtkanal, ließ er eine Soldatenunterkunft bauen, die wegen ihrer geringen Gebäudetiefe im Volksmund „Patronentasche“ genannt wurde.[1]

Johann Christoph Brockes erwarb das Grundstück an der Yorckstraße im Jahr 1770 und bat Friedrich II. um finanzielle Unterstützung für die Errichtung eines Bürgerhauses. Erst 1776 stellte der König die nötigen Mittel für die Fassade zur Verfügung, die von Carl von Gontard entworfen worden war. Die restlichen Kosten für den Bau mit etwa 1.700 Quadratmetern Nutzfläche, für den Baukondukteur Friedrich Wilhelm Titel zuständig war, musste Brockes selbst tragen. In dem Gebäude waren neben den Wohn- und Geschäftsräumen das Warenlager, aber auch Einquartierungsstuben untergebracht.[2]

Nach Brockes’ Tod 1804 verkauften die Erben das Gebäude an den preußischen Staat, der darin die Oberrechnungskammer unterbrachte. Im Deutschen Reich, ab 1871 wurde die Rechnungskammer als Rechnungshof weitergeführt. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Brockessche Haus – abgesehen von einigen Einschusslöchern – unbeschadet, während die Nebengebäude abbrannten.

Nach Kriegsende, im Jahr 1945 zog das Fernmeldebauamt der Deutschen Post ein und blieb dort bis zur Abwicklung der Einrichtung infolge der Wiedervereinigung im Jahr 1990. Danach ging es in den Besitz der Deutschen Telekom über. Während des Leerstandes seit 1990 wurden unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten als Hotel[3], Behörde oder Standort für das Potsdam Museum diskutiert. Das Gebäude diente auch den Architektur-Studenten der Potsdamer Fachhochschule als Entwurfsobjekt. Erst um das Jahr 2010 erwarb die Gruppe Baywobau Baubetreuung GmbH die Immobilie von der Post. Nach einem Architektenwettbewerb wurde der Siegerentwurf von Stefan Höhne zur Realisierung ausgewählt. Anfang 2014 konnte mit der Entkernung und Sanierung des Gebäudes begonnen werden. Als besonders schwierig erwies sich der feuchte Untergrund, für das eigentliche Palais und die geplanten Flügelbauten wurden deshalb 329 Stahlbeton-Pfähle 40 Meter tief in den Untergrund eingelassen. Das Richtfest fand im Juli 2015 statt.[4] Unter Denkmalschutzauflagen ließ der Investor 18 Eigentumswohnungen im Altbau errichten, die größte mit 324 Quadratmetern in der Beletage unter Beibehaltung der Zimmerflucht von sieben Räumen.[5] Gemeinsam mit den beiden Neubauten entlang der Yorckstraße sowie den zwei Südflügeln, einer Remise und dem Westflügel, dem nördlichen Teil des ehemaligen Langen Stalls nach Entwürfen von Nöfer Architekten[6] entstanden auf dem 5400 Quadratmeter großen Grundstück 103 Wohnungen, die ab Dezember 2016 bezugsfertig waren.[7][4][8][9]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Potsdam, Brockessches Haus, Radierung von Andreas Ludwig Krüger, 1779

Bei seinem Entwurf für die Fassade des dreigeschossigen Gebäudes mit 19 Achsen orientierte sich Carl von Gontard an der französischen Schlossbaukunst und ließ sich insbesondere vom Entwurf Perraults für die Ostfassade des Louvre und französischen Chalets inspirieren. Gegliedert wird die mit Stuck und Skulpturen verzierte Barock-Fassade durch eine Attika sowie durch Mittel- und Eckrisalite. Die Eckrisalite werden von je vier Schmuckvasen aus Sandstein bekrönt.[10] Im Mittelrisaliten befindet sich eine Loggia, die aus vier Vollsäulen gebildet und von einem Giebeldreieck gekrönt wird. Über dem Giebel verweisen Putten der Gebrüder Wohler, die für einige Jahre eingelagert waren, mit Symbolen der Glasherstellung auf den Berufsstand des ersten Besitzers. Eine der Putten soll sich – so Saskia Hüneke, Kustodin bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten – über das Handbuch der Glasmacherkunst von dem Potsdamer Alchemisten und Erfinder des Rubinglases Johannes Kunckel beugen.[11] Für die Herstellung des historischen Figurenschmucks mussten drei Sandsteinvasen nachgearbeitet werden.[12]

Die Fassade mit dem dahinterliegenden acht Meter breiten Wohnhaus mit Werkstätten im Hof ist ein Beispiel für die von Friedrich II. befohlenen Palastfassaden, die im Volk als „Vorhemdchen“ bekannt waren. Wegen der geringen Gebäudetiefe blieb aber auch die Bezeichnung des Vorgängerbaus Patronentasche erhalten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrecht Ecke, Catrin During: Gebaut! Architekturführer Potsdam. Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin 2008, ISBN 3-936872-90-2, S. 16.
  • Astrid Fick: Potsdam – Berlin – Bayreuth. Carl Philipp Christian von Gontard (1731–1791) und seine bürgerlichen Wohnhäuser, Immediatbauten und Stadtpalais. Imhof, Petersberg 2000, ISBN 3-932526-42-2.
  • Georg Hermann: Spaziergang in Potsdam. Nachricht aus einer versunkenen Stadt. Verlag Christian Blöss, Berlin 2014, ISBN 3-934378-04-8, S. 123.
  • Christiane Petri: Potsdam und Umgebung. Sinnbild von Preußens Glanz und Gloria. Dumont Reise Verlag, Leipzig 2014, ISBN 3-7701-6610-8, S. 86.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erhart Hohenstein: Eine „Patronentasche“ als Wohnhaus. Potsdamer Neueste Nachrichten, 7. Juli 2016, abgerufen am 11. Januar 2008.
  2. Thomas Sander: Die Geschichte des Brockesschen Palais (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive) (PDF; 16MB)
  3. @1@2Vorlage:Toter Link/www.bruckner-gruppe.de(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Konzeptstudie Brocksches Palais von Winkens Architekten, 2011) (pdf); abgerufen am 17. Juni 2014.
  4. a b Marco Zschieck: Richtfest für das Brockessche Palais. Potsdams Puttenstube. www.pnn.de, 2014, abgerufen am 22. Januar 2017..
  5. Fürstlich Wohnen (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive).
  6. Guido Berg: Neuer Investor fürs Brockessche Haus. Potsdamer Neueste Nachrichten, 1. November 2011, abgerufen am 7. Juli 2016.
  7. Projekt Brockessches Palais. www.baywobau.de, abgerufen am 7. Mai 2014.
  8. Rückkehr ohne Aufsehen. Potsdamer Neueste Nachrichten, 6. Juli 2016, abgerufen im Januar 2017.
  9. Neubau Erstbezug. Abgerufen am 22. Januar 2017.
  10. ab 8. Juli 2016.
  11. Von Potsdams schönster Patronentasche. 2016, abgerufen im Jahr 2016.
  12. Brockessches Palais in Potsdam. Mit Putten und Vasen. Potsdamer Neueste Nachrichten, 29. April 2015, abgerufen im Jahr 2016.