Buchenwald-Glocke

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Buchenwaldglocke
Bundesarchiv Bild 183-57991-0006, Gedenkstätte Buchenwald, Glockenturm, Glocke.jpg

Die Buchenwald-Glocke ist eines der wenigen Klanginstrumente, die die Glockengießer-Familie Schilling aus Apolda im staatlichen Auftrag – anstatt wie sonst zumeist im kirchlichen Auftrag – geschaffen hat.

Details[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 6.800 Kilogramm schwere Bronzeglocke mit dem Ton f° wurde 1956 gegossen von Franz Schilling, der für Guss und Klang verantwortlich zeichnete. Den Entwurf lieferte der Berliner Formgestalter Waldemar Grzimek: Die Glockenoberfläche ist von erhabenen Stacheldraht-Reliefs überzogen; Hals und Krone zieren drei Händepaare aus je einer geschlossenen und einer offenen Hand. Ihr Durchmesser beträgt 194 cm, die Höhe 250 cm. Sie ist damit eine der größten Glocken der Nachkriegszeit. Den Stahlträger zur Aufnahme der Glocke im Turm fertigte der Kunstschmied Fritz Kühn.[1] 1957 wurde sie in den Turm gehoben und auf acht Füßen montiert. Ein Klöppel schlägt gegen den feststehenden Glockenmantel. Erstmals öffentlich erklang die Buchenwaldglocke am 14. September 1958 bei der Feier zur Einweihung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar. Die Weiherede hielt der DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl.

Gebrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jedes Jahr bei den Gedenkveranstaltungen zur Befreiung des Konzentrationslagers durch die 3. US-Armee am oder um den 11. April wird die Glocke angeschlagen.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Glocke vom Ettersberg ist der Titel einer Zeitschrift, die von der Internationalen Lagergemeinschaft Buchenwald, Dora und Kommandos herausgegeben wird. In der FDJ-Singebewegung der DDR wurde das Lied „Die Glocke von Buchenwald“ gesungen.[2] Die Musik variiert von Wano Muradeli, Text von Gerd Kern:

Die Glocke von Buchenwald

1. Strophe:
Stein aus Schmerz und Traurigkeit aus Steinen,
Lagerplatz Buchenwald, ein Gras weht schmal im Wind.
Viel zu spät und viel zu früh zum Weinen.
Kamera macht Klick, Tränen machen blind.
Sechsundfünfzigtausendmal ermordet –
und ich versteh noch nicht mal einen Tod.
Ich weiß und weiß und kann doch nicht ermessen,
was dem Leben droht, was dem Leben droht,
was dem Leben, was dem Leben, was dem Leben droht,
was dem Leben, was dem Leben, was dem Leben droht.

2. Strophe:
Da brennt sich die Glocke in die Stille!
Ein Augenblick kommt zurück, die Zeit dreht sich bergan.
Auf dem Platz in ungeheurer Fülle treten Sie nun an.
Stiefel knarren, Kinderaugen flehen,
Schläge fahren wie in mein Gesicht.
Alles darf ich kosten, nur das Leben, nur das Leben nicht,
nur das Leben, nur das Leben, nur das Leben nicht,
nur das Leben, nur das Leben, nur das Leben nicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/72035333
  2. http://www.lieder-aus-der-ddr.de/die-glocke-von-buchenwald/