Bulería

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Die Bulería ist eine Form, ein Palo des Flamenco.

Charakteristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bulería ist einer der populärsten und vielseitigsten Palos des Flamenco. Ihre Stimmung ist meist ausgelassen; ihr Rhythmus ist extrem rasant.[1] Somit gilt sie als ideale Musik- und Tanzbegleitung zu fröhlichen Festen. Eine Reihe von Sängerinnen und Sängern, darunter Fernando Terremoto, Antonio Mairena und Fernanda de Utrera, interpretierten sie jedoch, in Anklang an die Soleá und die Seguiriya, in tiefer Ernsthaftigkeit.[2] Diese Verwandtschaft zu den ernsten Gesängen des Cante jondo zeigt sich besonders in den Bulerías por Soleá, einer populären Mischform dieser beiden Palos. Wahrscheinlich ist die Soleá sogar der historische Ursprung der Bulerías.[3]

Darüber hinaus gibt es eine Fülle von Varianten, die zu bestimmten Gelegenheiten gesungen und getanzt oder die bestimmten Berufsgruppen oder Orten zugesprochen werden: Bulerías arrieras[4], del molinero, de la molinera,[5] con fandango, al golpe,[6] navideñas,[7] de la Alameda, del Albaicín, de Arcos, de Cádiz, de Córdoba, del Estrecho,[8] de Granada, de Huelva, de Jerez, de Málaga, de Sevilla, de Utrera.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Bulerías wurden wahrscheinlich um 1870 getanzt und gesungen. Einer der frühesten Interpreten, der Sänger Loco Mateo, pflegte seine Soleares-Vorträge mit Bulerías zu beenden.[9] Die älteste schriftliche Erwähnung findet sich in einem Schwank des Dichters J. M. Honor aus dem Jahr 1881.[10]

Die Herkunft des Namens ist umstritten. Eine weithin akzeptierte Vermutung lautet, dass er sich aus dem spanischen Wort burla (Spöttelei, Hänselei) ableitet.[10] Eine andere Erklärung bietet Margarita Torrione an: Die Bezeichnung leite sich von bul, dem Kalé-Wort für Hintern, ab. Sie beziehe sich auf die lasziven Hüftbewegungen, mit denen die Tänzerinnen diesen Tanz interpretierten.[11]

Musikalische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rhythmus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grundrhythmus der Bulería entspricht dem zwölfschlägigen Compás der Soleá mit ihrer eigentümlichen Betonung der Zählzeiten:[12]

Schläge 1 - 2 - 3 4 - 5 - 6 7 - 8 9 - 10 11 - 12
Zählweise u-no dos y tres cua-tro cincoyseis sie-teyocho nue-veydiez un-dos

Das Tempo ist jedoch rund doppelt so hoch wie bei der Soleá.[13] Dies macht es für Ungeübte äußerst schwer, dem Rhythmus zu folgen.[14]

Die Vielfalt der oben genannten Varianten bringt auch eine Vielzahl rhythmischer Abweichungen mit sich. Neben dem oben genannten Zwölferrhythmus kommen unterschiedliche 3/8-, 6/8- und 3/4-Muster zum Einsatz; nicht selten sind auch Taktwechsel innerhalb eines Stücks.[1]

Tonalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Tonalität der Bulerías ist äußerst variantenreich. Neben dem Flamenco-typischen phrygischen Modus mit der andalusischen Kadenz sind auch Fassungen in Dur häufig; dies trifft vor allem für Bulerías aus Cádiz zu. Auch Strophen, die in Moll gesungen werden, können als Bulería interpretiert werden.[1]

Liedstrophen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine häufige Strophenform der Bulería ist die Tercerilla, die aus drei achtsilbigen Versen besteht. Gebräuchlich sind jedoch auch beliebige andere Versformen.[1]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Faustino Nuñez: Bulerías. In: Flamencopolis.com. 2011, abgerufen am 15. März 2016 (spanisch).
  2.  Ángel Álvarez Caballero: El cante flamenco. Alianza Editorial, Madrid 2004, ISBN 978-84-206-4325-0, S. 112.
  3.  Ángel Álvarez Caballero: El cante flamenco. S. 109–110.
  4. Bulerías der Lastentreiber
  5. des Müllers, der Müllerin
  6. auf Schlag
  7. weihnachtlich
  8. Estrecho = Meerenge; gemeint ist die Straße von Gibraltar
  9.  Ángel Álvarez Caballero: El cante flamenco. S. 109.
  10. a b  Ángel Álvarez Caballero: El cante flamenco. S. 110.
  11.  Ángel Álvarez Caballero: El cante flamenco. S. 111.
  12.  Bernard Leblon: Flamenco. Palmyra, Heidelberg 2001 (übersetzt von Maximilien Vogel), ISBN 3-930378-36-1, S. 112 (Mit einem Vorwort von Paco de Lucía).
  13. Miguel Ortíz: Bulería. In: Flamencoviejo.com. 16. März 2010, abgerufen am 15. März 2016 (spanisch).
  14. Bulerias. In: Flamenco.de. Abgerufen am 15. März 2016.