Bund Königin Luise

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Luisenbund-Tagung in Potsdam 1932. Cecilie von Preußen am Rednerpult während der Kundgebung in der Messehalle. Vorne rechts Wilhelm von Preußen
Berlin 1933, Luisenfeier im Sportpalast Cecilie von Preußen bei ihrer Ansprache

Der Bund Königin Luise (BKL; nicht „Königin-Luise-Bund“) kurz auch Luisenbund genannt, war eine monarchistische Frauenorganisation während der Zeit der Weimarer Republik und zu Beginn des Nationalsozialismus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Luisenbund war eine nationalistische, antisemitische und monarchistische Frauenorganisation, die 1923 in Halle von Else Reichenau (von 1930 an verheiratete Sennewald) gegründet und nach der Königin Luise von Preußen benannt wurde. Der BKL war die Frauenorganisation des Frontkämpferbund Stahlhelm und stand der konservativ-monarchistischen DNVP nahe. Er wurde durch das Haus Hohenzollern unterstützt, Schirmherrin des Bundes war Cecilie von Preußen. Motivation für die Gründung war nach eigener Aussage die Besetzung des Ruhrgebietes durch französische Truppen. Ziel des Bundes, so die Ortsgruppensatzung, war die »Erziehung des weiblichen Geschlechts zur Mithilfe an den Vorbereitungen des großen Befreiungswerks Deutschlands von seinen Feinden, im Geiste unserer Vorfahren von 1813 und der unvergeßlichen Königin Luise.«[1] Der Bund bezeichnete seine Anliegen und Aktivitäten als unpolitisch. Gegen diese Selbstdarstellung sprechen jedoch sowohl die Aktivitäten des Bundes als auch die Konstruktion seines Selbstbildes. Dies lässt sich nicht zuletzt anhand seiner Interpretation der Biographie Königin Luises zeigen. Mit seiner Schirmherrin, Cecilie von Preußen, vom Bund stets »Kronprinzessin Cecilie« und »erste Frau des Landes«[2] genannt, knüpfte der Bund ausdrücklich an das Herrscherhaus der Hohenzollern und damit an die Monarchie als Staatsform an. Das Verwandtschaftsverhältnis zu ihrer Urgroßmutter legitimierte Cecilie von Preußen auch genealogisch als zentrale gegenwärtige Repräsentantin des Erbes von Königin Luise.[3] Der BKL vertrat in vermeintlich unpolitischem, konservativ-traditionalistischem Gewand völkisches, antisemitisches Gedankengut.[4] 1933 war der BKL nach eigenen Angaben mit 200.000 Mitgliedern einer der größten Frauenvereine der Weimarer Republik.[5]

Der Bund Königin Luise war durch seine hierarchische Struktur gekennzeichnet. Er war in einzelnen Landesverbänden organisiert, die wiederum in verschiedene Gaue unterteilt waren, die sich aus den einzelnen Ortsgruppen zusammensetzten. Jeder Organisationseinheit stand eine Frau als ›Führerin‹ vor.[3] 'Bundesführerin' des BKL von 1923 bis 1932 war Marie Netz, 1932 übernahm Charlotte Freifrau von Hadeln dieses Amt, sie war seit 1925 'Landesführerin' von Brandenburg. Den Führungsstil des Bundes beschrieb Reichspressewart Franziska von Gaertner 1934 rückblickend so: »Die Führerinnen im Bunde Königin Luise lernten Verantwortungsgefühl und Pflichttreue gegenüber ihrer Gefolgschaft, die Gefolgschaft wiederum bedingungslose Treue und Vertrauen zu den Führerinnen.«[6] Gewissermaßen oberste Führerin war Königin Luise, die im Lied Bund Königin Luise angerufen wurde: »O Königin Luise, sei unsere Führerin«. Dies bedeutet für das Selbstbild und die ›gedachte Ordnung‹ der Akteurinnen, dass sie Führungskompetenzen beanspruchten und diesen Anspruch unter anderem mit Hinweis auf die Königin rechtfertigten. Mädchen im Alter zwischen sechs und dreizehn Jahren waren als so genannte Kornblümchen organisiert, Jugendliche als Jungluisen. Auch in diesen beiden Gruppen stand der »Dienst am Vaterland« im Zentrum.[3]

1930 unternahm eine Gruppe von 31 Leiterinnen des Bundes eine Reise nach Italien und trafen sich dort unter anderem mit Angiola Moratti, zu diesem Zeitpunkt Sekretärin der Fasci Femminili (FF), und Maria Pezzé Pascolato, Leiterin der FF im Veneto. Gemeinsam besichtigten sie Einrichtungen der Opera Nazionale Ballila und der Opera Maternità ed Infanzia, des Mütter- und Kinderhilfswerks. In Rom wurden sie von Benito Mussolini empfangen. In ihrer Rede vor Mussolini zeigte Charlotte von Hadeln Gemeinsamkeiten zwischen den nationalkonservativen deutschen Frauen und den Faschistinnen auf[7]: »Die faschistischen Frauen und wir fühlen uns eins in dem heiligen Willen, alles einzusetzen für die Zukunft unserer Kinder und in voller Hingebung mitzuwirken an der Veredelung, Erstarkung und Freiheit unserer Nation, soweit uns dies unsere Fähigkeiten ermöglichen.«[8] Über die Audienz schrieb Hadeln in ihrer Autobiographie 1935 rückblickend: »Damals trugen wir noch die Sehnsucht nach einem starken Lenker der deutschen Geschicke im Herzen – nun aber ist sie erfüllt.«[8]

Der Bund Königin Luise unterstützte als einer der ersten Frauenverbände offen die NSDAP[5] und überstand als Verbündeter der neuen Machthaber die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933, löste sich jedoch 1934 zusammen mit anderen monarchistischen Verbänden im Zuge der Gleichschaltung selbst auf.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bund Königin Luise, 10 Jahre Freiheitskampf, 1923–1933, Vaterländischer Verlag, Halle a.d.Saale.
  • Jahrbücher 1932–1934, Bund Königin Luise.
  • Geraldine Horan: Mothers, Warriors, Guardians of the Soul. (= Studia Linguistica Germanica, Bd. 68), Walter de Gruyter, 2003, ISBN 3-11-017232-1.
  • Claudia Koonz: Mütter im Vaterland. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1994.
  • Hans-Jürgen Arendt, Sabine Hering, Leonie Wagner (Hrsg.): Nationalsozialistische Frauenpolitik vor 1933, Dipa-Verlag, Frankfurt am Main 1995.
  • Birte Förster, "Der Königin Luise-Mythos. Mediengeschichte des "Idealbilds deutscher Weiblichkeit"", v&r unipress, Göttingen 2011 (Kulturen der Erinnerung 46), S. 329–346.
  • Birte Förster, Die ‚reine Frau’ gegen den ‚korsischen Dämon’ – mediale Darstellungen von Außenbeziehungen im 19. und 20. Jahrhundert, in: Corina Bastian/Eva Dade/Christian Windler (Hrsg.): Das Geschlecht der Diplomatie, Köln u. a. 2014, S. 145–162.
  • Birte Förster: Führerin sucht Beschützer. Die Vorgängerinnen der „Reichsbürger“: Frauen, die der Weimarer Republik die Legitimität absprachen, schufen sich im „Bund Königin Luise“ eine Gegenwelt, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Dezember 2016. 
  • Schöck-Quinteros, Eva: Der Königin Luise Bund. »Unser Kampfplatz ist die Familie!«. In: Dies. /Christiane Streubel (Hg.): »Ihrem Volk verantwortlich!« Frauen der politischen Rechten, 1890–1937, Organisation – Agitation – Ideologie. Berlin 2007, 231– 270 (Schriftenreihe des Hedwig Hintze-Instituts 9).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. in: Schock-Qunteros/Streubel 2007, S. 330 (Hrsg.): Ortsgruppen-Satzung des Königin Luise-Bundes.
  2. Unbetitelt. In: Die Deutsche Frau. Band 21, 1928, S. 419.
  3. a b c Birte Förster: Der Königin Luise-Mythos. Mediengeschichte des "Idealbilds deutscher Weiblichkeit". v&r unipress, Göttingen 2011, S. 329 ff.
  4. Eva Schöck-Quinteros: Der Bund Königin Luise. ‚Unser Kampfplatz ist die Familie...‘ In: Eva Schöck-Quinteros, Christiane Streubel (Hrsg.): Ihrem Volk verantwortlich. Frauen der politischen Rechten (1890–1933). Organisationen – Agitationen – Ideologien. trafo Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-89626-302-5, S. 232.
  5. a b Christiane Streubel: Frauen der politischen Rechten in Kaiserreich und Republik Ein Überblick und Forschungsbericht. (Memento vom 24. November 2005 im Internet Archive) (PDF; 358 kB) Historical Social Research, 2003 Bd. 28, Nr. 4, S. 141
  6. Gaertner, Franziska von: Der Bund Königin Luise. Seine Gründung im Jahr 1923 eine volkliche Notwendigkeit. Seine Leistung ein volksmütterliches Erziehungswerk innerhalb des deutschen Volkes. Karras, Halle 1934.
  7. Birte Förster: Die ‚reine Frau’ gegen den ‚korsischen Dämon’ – mediale Darstellungen von Außenbeziehungen im 19. und 20. Jahrhunde. In: Corina Bastian/Eva Dade/Christian Windler (Hrsg.): Das Geschlecht der Diplomatie. Köln 2014, S. 156–160.
  8. a b Charlotte von Hadeln: In Sonne und Sturm. Rudolstadt 1935, S. 320.
  9. Birte Förster, "Der Königin Luise-Mythos. Mediengeschichte des "Idealbilds deutscher Weiblichkeit"", v&r unipress, Göttingen 2011 (Kulturen der Erinnerung 46), S. 341–346