Bundesamt für Strahlenschutz

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52.15113888888910.331Koordinaten: 52° 9′ 4″ N, 10° 19′ 52″ O

Bundesamt für Strahlenschutz
– BfS –
Logo
Staatliche Ebene Bund
Stellung Bundesoberbehörde
Aufsichtsbehörde Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
Gründung 1. November 1989
Hauptsitz Salzgitter, Niedersachsen
Behördenleitung Wolfram König, Präsident
Bedienstete 850 (Stand 2015)
Haushaltsvolumen Rd. 488 Mio. Euro (Soll 2016)[1]
Website www.bfs.de
Bundesamt für Strahlenschutz

Das Bundesamt für Strahlenschutz (Abkürzung: BfS) ist eine deutsche Bundesoberbehörde, die für den Strahlenschutz zuständig ist. Das Amt wurde im November 1989 gegründet und hat seinen Sitz in Salzgitter; Außenstellen befinden sich in Berlin, Bonn, Freiburg im Breisgau, Gorleben, Oberschleißheim und Rendsburg. Es hat 818 Mitarbeiter und einen Jahresetat von rund 425 Millionen Euro (Stand 2013).[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Das BfS wurde vor dem Hintergrund der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 sowie des sog. Transnuklear-Skandals im Jahr 1987 mit der Zielrichtung gegründet, die Kompetenzen und Zuständigkeiten auf dem Gebiet des Strahlenschutzes neu zu ordnen[3]. Folgende Organisationseinheiten gingen im BfS auf:[4]

Dabei ist schon damals die heutige Gliederung des BfS in seine vier Fachbereiche erkennbar. Mit der Wiedervereinigung kamen nach kurzer Zeit noch Teile des Staatlichen Amts für Atomsicherheit und Strahlenschutz der ehemaligen DDR hinzu.

1990 übernahm das BfS die Betriebsführung des Endlagers für radioaktive Abfälle der ehemaligen DDR in Morsleben. In den folgenden Jahren baute es das ODL-Messnetz zur Überwachung der Umweltradioaktivität aus.

Zwischen 2001 und 2003 erteilte das BfS die ersten Genehmigungen zur Errichtung von dezentralen Zwischenlagern für abgebrannte Kernbrennstoffe an den Standorten der deutschen Kernkraftwerke. 2009 wurden dem BfS der Betrieb und die unverzügliche Stilllegung der Schachtanlage Asse übertragen. Nach einem Optionenvergleich entschied sich das BfS für die Rückholung der Abfälle.

Organisation[Bearbeiten]

Das Amt ist dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) unterstellt. Das BfS wird durch einen Präsidenten geleitet, der in Abwesenheit von einem Vizepräsidenten vertreten wird. Seit 1999 ist der Präsident Wolfram König, sein Vorgänger (1989–1999) war Alexander Kaul.

Das BfS wird in den Präsidialbereich (PB), der direkt dem Präsidenten unterstellt ist, die Zentralabteilung (Z) und die folgenden vier Fachbereiche unterteilt:

  • Fachbereich SK – Sicherheit in der Kerntechnik
  • Fachbereich SE – Sicherheit nuklearer Entsorgung
  • Fachbereich SG – Strahlenschutz und Gesundheit
  • Fachbereich SW – Strahlenschutz und Umwelt

Aufgaben[Bearbeiten]

Sonde zur Messung der Umweltradioaktivität des ODL-Messnetzes

Schwerpunktaufgabe des BfS ist der Schutz vor ionisierender Strahlung. Daneben beschäftigt es sich aber auch mit dem Schutz vor nicht ionisierender Strahlung wie der UV-Strahlung sowie Radio- oder Funkwellen (sog. Elektrosmog). Das BfS soll Menschen und Umwelt vor Schäden durch ionisierende und nichtionisierende Strahlung bewahren und über mögliche Gefahren aufklären.

Eine besondere Gefahr geht von Kernbrennstoffen (angereichertes Uran, Plutonium) aus. Zum Besitz von Kernbrennstoffen ist daher stets eine Genehmigung erforderlich (vgl. § 5 Abs. 1 AtG). Liegt diese nicht vor, weil z. B. Kernbrennstoffe gefunden oder bei Grenzkontrollen sichergestellt werden, sind diese vom BfS staatlich zu verwahren (vgl. § 5 Abs. 3 und 4 AtG). Für diesen Fall hält das BfS im Zwischenlager Nord bei Lubmin Lagerflächen vor.[5]

Das BfS ist zentrale Genehmigungsbehörde auf dem Gebiet des Atom- und Strahlenschutzrechts. Als solche ist es zuständig für die Genehmigung der Beförderung von Kernbrennstoffen nach § 4 AtG sowie der Aufbewahrung von Kernbrennstoffen nach § 6 AtG, der Anwendung radioaktiver Stoffe oder ionisierender Strahlung am Menschen in der medizinischen Forschung nach § 23 StrlSchV und erteilt die Bauartzulassung von Röntgengeräten nach § 8 RöV und weiteren Geräten, in denen sonstige radioaktive Stoffe verbaut sind (§ 25 StrlSchV).

Weitere Aufgaben des BfS sind die Führung des Strahlenschutzregisters nach § 12c AtG, in dem die Strahlenexpositionen beruflich strahlenexponierter Personen erfasst wird, sowie die Führung des Registers über hochradioaktive Strahlenquellen (HRQ-Register) nach § 12d AtG. Das BfS ist ebenfalls zuständig für die Ermittlung der medizinischen Strahlenexposition der Bevölkerung nach § 28 Abs. 9 RöV sowie zur Entgegennahme und Bekanntmachung der von den Kernkraftwerksbetreibern noch produzierbaren Reststrommenge nach § 7 Abs. 1c AtG.

Als Störfallmeldestelle ist das BfS zuständig für die Erfassung, Dokumentation und Auswertung meldepflichtiger Ereignisse in kerntechnischen Anlagen[6]. Im Bereich der nuklearspezifischen Gefahrenabwehr (NGA) berät und unterstützt das BfS im Rahmen der Amtshilfe die zuständigen Behörden der Polizei und des Katastrophenschutzes für den Fall, dass radioaktive Stoffe entdeckt wurden[7]. Die „Arbeitsgruppe Nuklearspezifische Gefahrenabwehr“ (AG-NGA) ist Teil der Zentralen Unterstützungsgruppe des Bundes (ZUB). Des Weiteren betreibt das Bundesamt für Strahlenschutz Forschung[8].

Außerdem ist das BfS zuständig für die Errichtung und den Betrieb des Endlagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle „Schacht Konrad“ sowie Betrieb und Stilllegung der Schachtanlage Asse II (§ 23 Abs. 1 Nr. 2 AtG). Schließlich betreibt das BfS ein ODL-Messnetz mit ca. 1800 Sonden zum Schutz der Bevölkerung vor radioaktiver Strahlung, insbesondere der Messanlage auf dem Schauinsland.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bundesamt für Strahlenschutz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundeshaushalt 2016 Kapitel 1616.Abgerufen am 31. Dezember 2015.
  2. BfS (Hrsg.), Jahresbericht 2013 vom 8. August 2014, S. 101 f., zuletzt abgerufen am 31. Dezember 2015.
  3. BfS (Hrsg.), Bundesamt für Strahlenschutz 1989–2014 vom 26. Oktober 2015, S. 10, zuletzt abgerufen am 31. Dezember 2015.
  4. Entwurf eines Gesetzes über die Errichtung eines Bundesamtes für Strahlenschutz vom 24. Februar 1989, BT-Drs. 11/4086, S. 7 f.
  5. Staatliche Verwahrung von Kernbrennstoffen, bfs.de, zuletzt abgerufen am 31. Dezember 2015.
  6. Störfallmeldestelle des BfS, bfs.de, zuletzt abgerufen am 31. Dezember 2015.
  7. Nuklearspezifische Gefahrenabwehr, bfs.de, zuletzt abgerufen am 31. Dezember 2015.
  8. Forschungstätigkeit am BfS, bfs.de, zuletzt abgerufen am 31. Dezember 2015.