Burg Bodenteich

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Herrenhaus der Burg, dahinter der Bergfried

Die Burg Bodenteich ist eine ehemalige Wasserburg in Bad Bodenteich im Landkreis Uelzen. Sie wurde um 1250 als Sitz des Adelsgeschlechts derer von Badendieck oder Bodendike auf einem künstlich angeschütteten Burghügel in feuchtem Niederungsgebiet errichtet. Vom 14. bis zum 19. Jahrhundert diente die Burg den Herzögen von Lüneburg als Amtshaus zur Verwaltung des Amtes Bodenteich. Die erhaltenen und rekonstruierten Reste der Burganlage stellen heute ein historisches Gebäudeensemble dar, das für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird.

Lage und Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg Bodenteich befindet sich auf einem Erdhügel und lag am Rande eines im 18. Jahrhundert trockengelegten Sees und eines Moores. Die Burganlage bestand aus einer Vor- und einer Hauptburg. Über die Art ihrer Befestigung ist bisher nichts Näheres bekannt. Überlieferungen zufolge war die Anlage von doppelten Gräben und Wällen umgeben.

Die heutigen Burggebäude stammen aus der Zeit nach der Hildesheimer Stiftsfehde um 1520, da die Burg dabei zerstört wurde. Bei archäologischen Ausgrabungen wurde auf dem Burghügel eine Siedlungsschicht mit Keramikresten des 9. bis 10. Jahrhunderts entdeckt. Dabei stieß man im Keller eines früheren Fachwerkgebäudes der Burg auf die Reste eines steinernen Turms, der der Entstehungszeit der Burg im 13. Jahrhundert zugerechnet wird. Er hatte einen Durchmesser von acht Metern und seine zwei Meter starken Wände bestanden aus Feldsteinen. Neben dem einstigen Turm entstand später das Herrenhaus, das ursprünglich vermutlich in gotischer Art ausgeführt war. Im Bereich der Vorburg befanden sich seit der Neuzeit einige Wirtschaftsgebäude. Dazu gehörten unter anderem eine Kornscheune, ein Rinder-, ein Schweine- sowie ein Schafstall und ein Gefangenenhaus.

Im Bereich der Hauptburg befindet sich der Bergfried aus dem 14. Jahrhundert. Der mächtige, annähernd quadratische Turm hat Außenmaße von rund 11 Meter. Er weist eine Mauerstärke von 3,5 Meter auf und ist aus Backsteinen errichtet worden. Seine ursprüngliche Höhe wird auf 30 Meter geschätzt. Überlieferungen zufolge befand sich im unteren Raum des Turmes 1681 das Amtsgefängnis. Die drei darüber liegenden Geschosse dienten als Kornspeicher. Nach einem großen Stadtbrand in Bodenteich im Jahre 1808 wurde der Turm zur Gewinnung von Baumaterial größtenteils abgetragen. Heute hat er eine Höhe von 8,5 Meter und verfügt auf 4,5 Metern Höhe über eine Aussichtsplattform.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merian-Stich der als Amtshaus genutzten Burg Bodenteich um 1650 mit einem spitzen, kirchenähnlichem Turmhelm

Wegen der auf dem Burghügel gefundenen Siedlungsreste aus dem 9./10. Jahrhundert wird angenommen, dass die erste Befestigungsanlage in dieser Zeit entstanden ist. Sie käme als Verteidigungsanlage der Billunger gegen das Vordringen der Wenden nach Westen infrage und könnte mit Anlagen in anderen Orten, wie Bardowick und Lüneburg, zu einer Befestigungslinie gehören.

Der erste Namensträger des Geschlechtes derer von Bodenteich wird um 1145 mit Theoderico de Bodendiche erwähnt. Es wird vermutet, dass die Ritter um 1200 eine kleine Motte im Ort verließen und die Burg errichteten. Urkundlich erstmals erwähnt wird sie 1293 in einem Vertrag. Darin verkaufte Herzog Otto II. von Braunschweig und Lüneburg das Münzrecht der Stadt Lüneburg und den Landständen. Um 1347 wurde die Burg an die Herzöge von Lüneburg verkauft, die sie zum Amts- und Gerichtssitz machten. Von 1393 bis zur Köpfung von Ludolf von Bodenteich im Jahr 1474 in Lüneburg, war die Burg Sitz von Raubrittern. Während der Hildesheimer Stiftsfehde wurde die Burg belagert und nach der Einnahme zerstört. Zwischen 1638 und 1918 befand sich eine Brauerei auf dem Gelände. Deren Brauhaus wurde im Jahre 2005 wieder aufgebaut. Als 1852 das Amtsgericht Bodenteich entstand, hatte es bis 1859 seinen Sitz in der früheren Burg. Bis 1859 war die Burg auch Sitz des Amtes Bodenteich. Von 1871 bis 1971 befanden die Burggebäude als Gutshof in Privatbesitz. 1971 erwarb der Flecken Bodenteich die Anlage und stellte sie 1972 unter Denkmalschutz. 1983 wurden die Burggebäude restauriert. Heute dient das Gelände mit seinen historischen Gebäuden als Ort für unterschiedliche Veranstaltungen, wie Schützenfeste, Weihnachtsmärkte, Musikkonzerte, Ausstellungen, Backtage und Mittelaltermärkte[1]. In dem historischen Gebäudeensemble haben die Kurverwaltung des Ortes und das Burgmuseum ihren Sitz.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Bodenteich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ausflugsziel Burg Bodenteich
  2. Burgmuseum Bad Bodenteich

Koordinaten: 52° 50′ 4″ N, 10° 40′ 59″ O