Burggrafenamt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt die historische Verwaltungseinheit in Südtirol, zur Bezirksgemeinschaft siehe Burggrafenamt (Bezirksgemeinschaft), zur Amtsbezeichnung siehe Burggrafenamt (Amtsbezeichnung).
Blick auf Meran, die Hauptstadt des Burggrafenamts

Als Burggrafenamt (italienisch Burgraviato) wird der Etschtal-Abschnitt um die Stadt Meran in Südtirol bezeichnet. Es war bereits im Mittelalter ein einheitlicher Verwaltungsbezirk und bildete das Kerngebiet der historischen Grafschaft Tirol.[1] Den Namen erhielt es aber nicht aufgrund der hohen Dichte an Burgen, sondern da der Bezirk direkt dem Burggrafen zu Tirol unterstand.

Die Ausdehnung des historischen Burggrafenamts war im Lauf der Zeit Änderungen unterworfen. Der ursprüngliche Kernbereich war östlichster Teil der ehemaligen Grafschaft Vinschgau und erstreckte sich vom Aschler oder Gargazoner Bach bis zur Töll.[2] Steuerpolitisch war es dem Tiroler Burggrafen zum Unterhalt von Burg Tirol unterstellt, gerichtlich dem Landrichter von Meran, und entsprach dem Landgericht Meran im engeren Sinn (Teil des späteren Gerichtsbezirks Meran). Ab dem 14. Jahrhundert erfuhr das Burggrafenamt infolge der tirolischen Landespolitik erhebliche Ausweitungen bzw. innere Differenzierungen durch Gerichtsneubildungen. Dieses Landgericht Meran im größeren Umfang bzw. Viertel Burggrafenamt umfasste laut den Landtagsabschieden des 16. und 17. Jahrhunderts neben Meran auch die Gerichte Passeier, Schenna, Burgstall und Mölten, Gargazon, Forst, Stein unter Lebenberg, Ulten und Tisens.[3] Wirtschaftspolitisch wurde das Burggrafenamt im Spätmittelalter von den österreichischen Herzogen mit dem Stapelrecht privilegiert; demnach mussten im Jahr 1401 durch das „burggraffampt der graffschafft Tyroll“ durchgeführte Waren in Terlan „niedergelegt“, d. h. zum freien Verkauf angeboten werden.[4]

Die moderne Bezirksgemeinschaft Burggrafenamt besteht aus den Gemeinden des Burggrafenamts und einiger benachbarter Gebiete.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Beda Weber: Meran und seine Umgebungen, oder: Das Burggrafenamt von Tirol. Für Einheimische und Fremde. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner 1845.
  • Josef Tarneller: Die Hofnamen im Burggrafenamt und in den angrenzenden Gemeinden (Meraner Gegend, Schnals, Passeier, Tschögglberg, Sarntal, Gericht Neuhaus, Gericht Maienburg, Deutschgegend auf dem Nons, Ulten und Martell). Wien: Alfred Hölder 1909–1911.
  • Otto Stolz: Politisch-historische Landesbeschreibung von Südtirol. Teil 1: Viertel Vinschgau und Burggrafenamt (Schlern-Schriften 40). Innsbruck: Universitätsverlag Wagner 1937.
  • Otto Stolz: Meran und das Burggrafenamt im Rahmen der Tiroler Landesgeschichte (Schlern-Schriften 142). Innsbruck: Universitätsverlag Wagner 1956.
  • Gunther Langes: Burggrafenamt und Meran – das Herzstück Tirols. Ein Streifzug durch das Meraner Etschtalbecken, das Tisenser Mittelgebirge, durch Passeier und Ulten (Südtiroler Landeskunde in Einzelbänden 4). 6., überarb. Auflage. Bozen: Verlagsanstalt Athesia 1990. ISBN 88-7014-021-0

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Frass: Meran und das Burggrafenamt im Bild – die Kernlandschaft des Landes Tirol. Bozen: Athesia 1983.
  2. Otto Stolz: Politisch-historische Landesbeschreibung von Südtirol. Teil 1: Viertel Vinschgau und Burggrafenamt (Schlern-Schriften 40). Innsbruck: Wagner 1937, S. 127.
  3. Otto Stolz: Politisch-historische Landesbeschreibung von Südtirol. Teil 1: Viertel Vinschgau und Burggrafenamt (Schlern-Schriften 40). Innsbruck: Wagner 1937, S. 130.
  4. Hannes Obermair: Die Urkunden des Dekanatsarchivs Neumarkt (Südtirol), 1297–1841 (= Schlern-Schriften. Band 289). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1993, ISBN 3-7030-0261-1, S. 74–75, Nr. 22.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burggrafenamt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien