Burghardt Wittig

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Burghardt Wittig (* 1947 in Celle, Deutschland) ist der Vorsitzende des gemeinnützigen Stiftungsinstitutes Molekularbiologie und Bioinformatik und ein deutscher Professor für Molekularbiologie und Biochemie an der Freien Universität Berlin, Deutschland. Er ist bekannt für seine Forschung zur Genregulation durch Chromatinstrukturen und G-Protein-abhängiger Signaltransduktion, sowie für seine Entwicklung DNA- und zellbasierte Impfungen und therapeutischer Immunmodulatoren.

Frühes Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wittig wurde in Celle, Deutschland, geboren und besuchte dort das altsprachliche Gymnasium Ernestinum. Mit zwölf Jahren begann er Klarinette zu spielen und gewann sechs Jahre später einen Preis für Klarinette im Wettbewerb Jugend musiziert. Mit 14 Jahren begann er zu rudern und nahm erfolgreich an Rennen in Vierern und Doppelzweiern teil. 1966 legte er sein Abitur ab und absolvierte anschließend einen zweijährigen Militärdienst. Während seines Medizinstudiums an der Freien Universität Berlin durchlief er parallel eine Ausbildung zum Hörgeräteakustiker im elterlichen Betrieb, die er mit der Gesellenprüfung erfolgreich abschloss[1].

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1968 bis 1975 studierte Wittig Medizin an der Freien Universität Berlin. Während seiner Studienzeit arbeitete er in den Laboratorien des Instituts für Molekularbiologie und Biochemie der Freien Universität und des Max-Planck-Instituts für Molekulare Genetik an den Experimenten für seine Promotion.

Initiator und Hauptbetreuer dieser Arbeit, aber auch Wegbereiter im frühen wissenschaftlichen Leben, war der Molekularbiologe Hubert Gottschling. Wichtige Mentoren waren V.A. Erdmann, O. Pongs, H.-J, Risse, H. Tiedemann und H.G. Wittmann. Wittig konnte seine Dissertation mit dem Titel „Reinigung und Charakterisierung der vier Lysin-spezifischen Transfer-Ribonukleinsäuren aus Hühnerembryonen“ im Jahr 1976 erfolgreich verteidigen. Er arbeitete weiter an der Freien Universität, zunächst von 1976 bis 1978 als Postdoktorand und anschließend von 1978 bis 1987 als Assistenzprofessor.

Zwischen 1976 und 1986 besuchte Wittig als Gasthörer Vorlesungen, Seminare in Physik an der Freien Universität Berlin (FUB), der Technischen Universität Berlin (TUB), dem California Institute of Technology (CalTech) und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er erhielt keinen akademischen Abschluss für diese Kurse.

Im Jahr 1980 habilitierte sich Wittig sich für das Fach Biochemie und Molekularbiologie am gleichnamigen Institut der FUB.

1982/83 wurde ihm das Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) verliehen. Er war bis ins Jahr 1989 Mitglied des Programms. Während dieser Zeit erhielt er unter anderem Einladungen von Edward Trifonov an das Weizman Institute of Science, Israel und – vermittelt durch Hubert Gottschling – von Koki Horikoshi (ERATO suberbug project) an das Riken Institute, Japan.

Auf Einladung von Alexander Rich, William Thompson Sedgwick Professor für Biophysik am Massachusetts Institute of Technology, – eine der kreativsten und wissenschaftlich einflussreichsten Persönlichkeiten in den Biowissenschaften – arbeitete Wittig als Gastprofessor in dessen Labor; häufig begleitet durch Mitarbeiter, Doktoranden und Postdoktoranden seiner Arbeitsgruppe an der FUB. Darüber hinaus kooperierte er mit Alexander Varshavsky. Wittig beschrieb diese Jahre später als „die am stärksten Karriere-formende Zeit“[2] seines Lebens.

1987 verlieh die FUB Wittig eine außerplanmäßige Professur. Er arbeitete weiter in Alexander Richs Labor, bis er 1989 den Ruf auf eine volle Professur an der Freien Universität annahm. Die Besetzung erfolgte zunächst über die neu geschaffene Schering-Professur (S-C4), bis er ein Jahre später in die Universitätsprofessur (C4) übernommen wurde. Er ist damit Gründungsvorstand und Leiter der Abteilung für Molekularbiologie und Bioinformatik am Institut für Molekularbiologie und Biochemie der Freien Universität[1].

Im Rahmen der Änderungen im Berliner Universitätsmedizingesetz zur Umgestaltung der Universitätsklinika und Medizin-Fakultäten in Berlin, wurde Wittigs Institut Bestandteil der unter dem Namen Charité – Universitätsmedizin Berlin zusammengeführten medizinischen Fakultäten der Humboldt Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin. Er blieb Direktor des Instituts für Molekularbiologie und Bioinformatik bis 2010[1].

Im Jahr 2010 kehrte das Institut als Foundation Institute Molecular Biology and Bioinformatics, eine gemeinnützige Stiftung der MOLOGEN AG und der Freien Universität Berlin, an die FUB zurück. Wittig war bis 2017 Vorstand des Instituts[1].

Wittigs Forschung beschäftigte sich ab dem Jahr 1994 mit dem Design, der Entwicklung und der klinischen Prüfung von DNA-basierten Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten und DNA-Konstrukten zur Behandlung von Krebs. Zwei Klassen von DNA-Molekülen gingen aus diesen Untersuchungen als Schlüsseltechnologien hervor: MIDGE® (minimalistic, immunogenically defined gene expression) und dSLIM® (DNA-based immunomodulation).[3]

Um einen besseren Übergang von der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung zu ermöglichen, gründete Wittig im Jahr 1989 die Mologen AG. Bereits am 22. Juni 1989 wurde die Aktien der Mologen AG zum ersten Mal an der Börse gehandelt (IPO). Damit war Mologen das erste deutsche Start-up, welches sich rein über den Aktienmarkt finanzierte und gleichzeitig die erste deutsche Biotechnologiefirma, die noch im Jahr ihrer Gründung an die Börse ging.

Wittig arbeitete als Vorstandsvorsitzender (CEO) des Unternehmens bis zum Ende des Jahres 2007 und behielt dabei seine volle Universitätsprofessur an der Freien Universität im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (Public Private Partnership).

Als Auszeichnung für seinen Mut und Innovationsgeist bei der Ausgestaltung der ersten deutschen öffentlich-privaten Partnerschaft zwischen der Mologen AG und seiner akademischen alma mater, der Freien Universität Berlin, erhielt Wittig 1999 den Preis „Entrepreneur des Jahres“. 2006 wurde Wittig zusammen mit der Mologen AG mit dem „Frost & Sullivan Technology Innovation Award of the Year“ ausgezeichnet.

Ausgewählte Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wittig B, Reuter S, and Gottschling H (1973). Purification of the four lysine specific transfer ribonucleic acids from chick embryos. Biochim. Biophys. Acta, 331: 221-230
  • Allfrey VG, Arnott S, Bradbury EM, Bayev A, Chambon P, Crick FHC, Felsenfeld G, Mirzabekov AT, Noll M, Stern H, van Holde KE, Wittig B, Zachau HG, and Zweidler A (1976) „The Structure of Chromatin“ in: Organization and expression of chromosomes: Dahlem Konferenzen Life Sciences Research Report, 4; Allfrey AG, Bautz EKF, McCarthy BJ, Schimke RT, Tissieres A (Eds.) pp. 19-27; ISBN 3-8200-1205-2 / ISBN 978-3-8200-1205-7, Abakon Verlagsgesellschaft, Berlin.
  • Wittig, B; Wittig, S (1979). "A phase relationship associates tRNA structural gene sequences with nucleosome cores". Cell. 18(4): 1173–1183. doi:10.1016/0092-8674(79)90230-7
  • Wittig, B; Wittig, S (1982). "Function of a tRNA gene promoter depends on nucleosome position". Nature. 297(5861): 31–38. doi:10.1038/297031a0.
  • Wittig, B; Dorbic, T; Rich, A (1991). "Transcription is associated with Z-DNA formation in metabolically active, permeabilized mammalian cell nuclei"(PDF). Proc. Natl. Acad. Sci. USA. 88(6): 2259–2263. doi:10.1073/pnas.88.6.2259
  • Kleuss, C; Hescheler, J; Ewel, C; Rosenthal, W; Schultz, G; Wittig, B(1991). "Assignment of G-protein subtypes to specific receptors inducing inhibition of calcium currents". Nature. 353(6339): 43–48. doi:10.1038/353043a0, PMID 1679199
  • Kleuss, C; Scherübl, H; Hescheler, J; Schultz, G; Wittig, B(1993). "Selectivity in signal transduction determined by gamma subunits of heterotrimeric G proteins". Science. 259(832–834): 40. doi:10.1073/pnas.93.2.780.
  • Müller, V; Takeya, M; Brendel, S; Wittig,B; Rich, A (1996). "Z-DNA forming sites within the human b-globin gene cluster". Proc. Natl. Acad. Sci. USA. 93(2): 780–784. doi:10.1073/pnas.93.2.780
  • Möller P, Sun Y, Dorbic T, Alijagic S, Makki A, Jurgovsky K, Schroff M, Henz BM, Wittig B, and Schadendorf D (1998). Vaccination with IL-7 gene-modified autologous melanoma cells can enhance the anti-melanoma lytic activity in peripheral blood of patients with a good clinical performance status: a clinical phase I study. British Journal of Cancer, 77 (11): 1907–1916.
  • Wittig, B; Märten, A; Dorbic, T; Weineck, S; Min, H; Niemitz, S; Trojaneck, B; Flieger, D; Kruopis, S; Albers, A; Löffel, J; Neubauer, A; Albers, P; Müller, S; Sauerbruch, T; Bieber, T; Huhn, D; Schmidt-Wolf, IGH (2001). "Therapeutic vaccination against metastatic carcinoma by expression-modulated and immunomodified autologous tumor cells: A first clinical Phase I/II trial". Human Gene Therapy. 12(3): 267–278. doi:10.1089/10430340150218404
  • López-Fuertes, L; Pérez-Jiménez, E; Vila-Coro, AJ; Sack, F; Moreno, S; Konig, SA; Junghans, C; Wittig, B;Timón, M; Esteban, M (2002). "DNA vaccination with linear minimalistic (MIDGE) vectors confers protection against Leishmania major infection in mice". Vaccine. 21(3–4): 247–57. doi:10.1016/s0264-410x(02)00450-4.
  • Weihrauch, MR; Ansen, S; Jurkiewicz, E; Geisen, C; Xia, Z; Anderson, KS; Gracien, E; Schmidt, M; Wittig, B; Diehl, V; Wolf, J; Bohlen, H; Nadler, LM (2005). "Phase I/II combined chemoimmunotherapy with carcinoembryonic antigen-derived HLA-A2-restricted CAP-1 peptide and irinotecan, 5-fluorouracil, and leucovorin in patients with primary metastatic colorectal cancer". Clin Cancer Res. 11(16): 5993–6001. doi:10.1158/1078-0432.ccr-05-0018
  • Kneipp, J; Kneipp, H; Wittig, B; Kneipp, K (2007). "One- and two-photon excited optical ph probing for cells using surface-enhanced Raman and hyper-Raman nanosensors". Nano Lett. 7(9): 2819–23. doi:10.1021/nl071418z
  • Endmann, A; Baden, M; Weisermann, E; Kapp, K; Schroff, M; Kleuss, C; Wittig, B; Juhls, C (2010). "Immune response induced by a linear DNA vector: Influence of dose, formulation and route of injection". Vaccine. 28(21): 3642–9. doi:10.1016/j.vaccine.2010.03.034
  • Kapp K, Kleuss C, Schroff M, Wittig B. (2014)Genuine Immunomodulation With dSLIM. Mol Ther Nucleic Acids: 3, e170; doi:10.1038/mtna.2014.28
  • Wittig B, Schmidt M, Scheithauer W, Schmoll HJ. (2015)MGN1703, an immunomodulator and toll-like receptor 9 (TLR-9) agonist: From bench to bedside. Crit Rev Oncol Haematol94(1): 31-44; doi:10.1016/j.critrevonc.2014.12.002.
  • Volz B, Schmidt M, Heinrich K, Kapp K, Schroff M, WittigB. (2015) Design and characterization of the tumor vaccine MGN1601, allogeneic fourfold gene-modified vaccine cells combined with a TLR-9 agonist. Mol Ther Oncolytics3: 15023. doi: doi:10.1038/mto.2015.23.
  • Zhang, S., & Wittig, B. (2015). Alexander Rich: 1924–2015 Nature Biotechnology,33(6), 593. doi: doi:10.1038/nbt.3262
  • Vibholm L, Schleimann MH, Højen JF, Benfield T, Offersen R, Rasmussen K, Olesen R, Dige A, Agnholt J, Grau J, Buzon M, Wittig B, Lichterfeld M, Petersen AM, Deng X, Abdel-Mohsen M, Pillai SK, Rutsaert S, Trypsteen W, De Spiegelaere W, Vandekerckhove L, Østergaard L, Rasmussen T, Denton PW, Tolstrup M, Søgaard OS. (2017) Short-Course Toll-Like Receptor 9 Agonist Treatment Impacts Innate Immunity and Plasma Viremia in Individuals With Human Immunodeficiency Virus Infection. Clin Infect Dis64(12):1686-1695. doi:10.1093/cid/cix201
  • Krarup AR, Abdel-Mohsen M, Schleimann MH, Vibholm L, Engen PA, Dige A, Wittig B, Schmidt M, Green SJ, Naqib A, Keshavarzian A, Deng X, Olesen R, Petersen AM, Benfield T, Østergaard L, Rasmussen TA, J Agnholt J, Nyengaard JR, Landay A, Søgaard OS, Pillai SK, Tolstrup M, Denton PW. (2018) The TLR9 agonist MGN1703 triggers a potent type I interferon response in the sigmoid colon. Mucosal Immunol11(2):449-461. doi:10.1038/mi.2017.59.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Burghardt Wittig. 4. Juni 2012, abgerufen am 10. Oktober 2018.
  2. Shuguang Zhang, Burghardt Wittig: Alexander Rich 1924–2015. In: Nature Biotechnology. Band 33, Nr. 6, Juni 2015, ISSN 1087-0156, S. 593–598, doi:10.1038/nbt.3262.
  3. Dslimming the immune system auf www.biocentury.com