Immunmodulation

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Als Immunmodulation wird die Veränderung des körpereigenen Abwehrsystems (des Immunsystems) durch pharmakologisch wirksame Stoffe bezeichnet.

Dieses Verfahren wird u. a. eingesetzt, um das Immunsystem zu dämpfen (Immunsuppression). Die Anwendung erfolgt etwa nach einer Organtransplantation zur Vermeidung einer Abstoßungsreaktion und für die Behandlung einer Autoimmunerkrankung wie Schuppenflechte oder Rheuma, bei denen das Immunsystem körpereigene Zellen angreift. Ein weiterer Anwendungsbereich immunmodulatorischer Therapien ist die Immunstimulation. Hierbei wird die natürliche, körpereigene Immunreaktion gezielt medikamentös gestärkt. Diese Therapie findet beispielsweise bei der Behandlung schwerer Infektionskrankheiten Verwendung.

Endogene Immunmodulation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den körpereigenen Immunmodulatoren gehören zahlreiche Stoffe, wie beispielsweise Interleukine (IL), Interferone (IFN), Tumornekrosefaktoren (TNF), Transforming growth factor-ß (TGF-ß), Koloniestimulierende Faktoren (CSF), Immunglobuline und Endocannabinoide.

Viele dieser Zytokine werden auch therapeutisch als Arzneimittel genutzt, z. B. Interleukin-2, Interferone, TNF-α und koloniestimulierende Faktoren. Daneben werden unter anderem Interleukin-12, GM-CSF, ICOS bezüglich einer Anwendung am Menschen untersucht.

Exogene Immunmodulation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiterhin werden von einigen Pathogenen im Zuge einer Immunevasion verschiedene, meistens die Immunreaktion hemmende Varianten von Zytokinen (z. B. Virokine), Chemokine, und Chemokin- und anderen Rezeptoren gebildet, die teilweise auch neue Funktionen aufweisen.[1]

Körperfremde Immunmodulatoren sind z. B. Extrakte aus Echinacea purpurea oder Echinacea pallida, Medizinalhanf, Inosiplex, Levamisol, Cladribin, Glatirameracetat, Thalidomid, Lenalidomid, Pomalidomid, Apremilast, Imiquimod, Resiquimod, Checkpoint-Inhibitoren[2] und CpG-Motive.

Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anwendungen sind in der Krebsimmuntherapie,[3] bei Impfstoffen,[4] Allergie,[5] Transplantation und Autoimmunerkrankungen.[6]

Impfempfehlungen unter Immunsuppression[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die therapeutische Unterdrückung des Immunsystems macht Patienten für opportunistische Erreger anfällig, wie etwa Influenza-Viren, Pneumokokken oder Meningokokken. In der Folge leiden immunsupprimierte Personen häufiger an Infektionskrankheiten, die zusätzlich im Durchschnitt schwerer verlaufen als bei der Allgemeinbevölkerung.[7][8] Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) der Risikogruppe aller immunsupprimierten Patienten einen weitreichenden und aktuellen Impfschutz aufrechtzuerhalten.[7] Gemeinsam mit einigen medizinischen Fachgesellschaften hat die STIKO Anwendungshinweise zu Indikationsimpfungen für Personen unter Immunsuppression erarbeitet.[8][9] Geimpfte Patienten haben neben einer verringerten Infektions- und Komplikationswahrscheinlichkeit auch ein geringeres Risiko für infektionsgetriggerte Schübe der Grunderkrankung.

Totimpfstoffe, zum Beispiel gegen Meningokokken der Gruppen ACWY und B oder Pneumokokken gelten prinzipiell als sicher für immunsupprimierte Personen. Lebendimpfstoffe, etwa gegen Mumps, Masern und Röteln, bedürfen einer ärztlichen Einzelfallentscheidung. Für keinen derzeit in Deutschland zugelassenen Tot- oder Lebendimpfstoffe existieren Studien, die einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer Impfung und einer neu aufgetretenen Autoimmunkrankheit oder einem Schub einer solchen bereits bestehenden Erkrankung belegen.[8][9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. Felix, S. N. Savvides: Mechanisms of immunomodulation by mammalian and viral decoy receptors: insights from structures. In: Nature Reviews Immunology. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] Dezember 2016, doi:10.1038/nri.2016.134, PMID 28028310.
  2. D. N. Khalil, E. L. Smith, R. J. Brentjens, J. D. Wolchok: The future of cancer treatment: immunomodulation, CARs and combination immunotherapy. In: Nature reviews. Clinical oncology. Band 13, Nummer 5, Mai 2016, S. 273–290, doi:10.1038/nrclinonc.2016.25, PMID 26977780.
  3. W. T. Curry, M. Lim: Immunomodulation: checkpoint blockade etc. In: Neuro-oncology. Band 17 Suppl 7, November 2015, S. vii26–vii31, doi:10.1093/neuonc/nov174, PMID 26516223, PMC 4625892 (freier Volltext).
  4. A. O. Kamphorst, K. Araki, R. Ahmed: Beyond adjuvants: immunomodulation strategies to enhance T cell immunity. In: Vaccine. Band 33 Suppl 2, Juni 2015, S. B21–B28, doi:10.1016/j.vaccine.2014.12.082, PMID 26022562, PMC 4449453 (freier Volltext).
  5. D. H. Broide: Immunomodulation of allergic disease. In: Annual review of medicine. Band 60, 2009, S. 279–291, doi:10.1146/annurev.med.60.041807.123524, PMID 19630573, PMC 2779001 (freier Volltext).
  6. M. Najar, G. Raicevic, H. Fayyad-Kazan, D. Bron, M. Toungouz, L. Lagneaux: Mesenchymal stromal cells and immunomodulation: A gathering of regulatory immune cells. In: Cytotherapy. Band 18, Nummer 2, Februar 2016, S. 160–171, doi:10.1016/j.jcyt.2015.10.011, PMID 26794710.
  7. a b Ständige Impfkommission (STIKO): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut 2021. 26. August 2021, doi:10.25646/8824 (rki.de [abgerufen am 6. Oktober 2021]).
  8. a b c Tim Niehues, Christian Bogdan, Jane Hecht, Thomas Mertens, Miriam Wiese-Posselt: Impfen bei Immundefizienz: Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen(I) Grundlagenpapier. In: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz. Band 60, Nr. 6, Juni 2017, ISSN 1436-9990, S. 674–684, doi:10.1007/s00103-017-2555-4 (springer.com [abgerufen am 6. Oktober 2021]).
  9. a b Norbert Wagner, Frauke Assmus, Gabriele Arendt, Erika Baum, Ulrich Baumann: Impfen bei Immundefizienz: Anwendungshinweise zu den von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen. (IV) Impfen bei Autoimmunkrankheiten, bei anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen und unter immunmodulatorischer Therapie. In: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz. Band 62, Nr. 4, April 2019, ISSN 1436-9990, S. 494–515, doi:10.1007/s00103-019-02905-1 (springer.com [abgerufen am 6. Oktober 2021]).