Burglehn

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Nanckenreuth war eins der Burggüter der Stadt Bayreuth, Wachstube am Oberen Tor

Der Begriff Burglehn bezeichnete im mittelalterlichen Recht zweierlei:

  1. eine besondere Lehnsform und
  2. ein Burggut als abgegrenzten Bezirk vor den Burgmauern.

Sonderform des Lehnswesens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anno 1377 wohnten auf Burg Trebbin der Burghauptmann Nickel von Reckenberg und 10 Burgmannen. Als Burglehn diente, ausschließlich der Reservierungen des Landesherrn, die Vogtei Trebbin. Die jährlichen Einkünfte aus dem Flecken Trebbin, 4 Dörfern, Äckern und Wiesen betrugen 40 Schock Groschen. Die Bezeichnung „altes Amt“ auf der Schmettauschen Karte (1767–1787) zeigte die Lage der Burg an.[1][2]

Das Burglehn als spezielle Abart des Lehnswesens ließ sich seit der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts nachweisen. Besonders im 13./14. Jahrhundert diente es als übliche wirtschaftliche Ausstattung der adeligen Burgbesatzung. Sie setzte sich aus dem Burgkommandanten, weiteren (ritterbürtigen) Burgmannen und niederem Hilfspersonal (z. B. Burgpförtner, Türmer) zusammen. Der Unterschied zum normalen Ritterlehn bestand in der zu erbringenden Dienstleistung der Vasallen. Zumeist forderte der Lehnsherr die Burghut – die Bewachung und Verteidigung der Burg ein. Das verband sich in der Regel mit der Residenzpflicht. Die Burgbesatzung wählte die anvertraute Burg als Wohnsitz und hielt sich zumindest zeitweise darin auf.[3][4][5]

Die Burg und ihre Bestandteile waren nicht der Gegenstand des Burglehns. Der Burgherr stellte einen festen Geldbetrag zur Verfügung. Damit wurden Güter erworben, die dem Lehnsherrn als Lehen aufgetragen wurden. Die Erträge daraus finanzierten die Burgbesatzung. Dabei kamen zwei Modalitäten der Auszahlung vor. Ein finanziell gut ausgestatteter Burgherr stellte das Kapital als Einmalzahlung zur Verfügung. Weitaus häufiger wurden Einkünfte des Burgherrn solange verpfändet, bis die Gesamtsumme aufgebracht war. Dabei entsprach der jährliche Kapitalzufluss üblicherweise 10 % des versprochenen Gesamtbetrags. Der Zwischenschritt über Geld entfiel, wenn der Burgherr ihm bereits gehörende Güter an die Burgmannschaft belehnte.[3][2]

Wegen der engen Bindung an die Burg vereinten sich die Burgmannschaften oft zu Rechts- und Gerichtsgenossenschaften. Diese führten mitunter ein eigenes Siegel, beispielsweise in Friedberg (Wetterau). Bei einem Prozess um ein Burglehn trat das Lehnsgericht oft in der jeweiligen Burg zusammen. Während der Verhandlung musste das Burgtor geöffnet sein.[3][6]

Burggut[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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An der Südseite des Burgguts Waaggasse 5 in Kulmbach verläuft als Teil der Stadtmauer ein Wehrgang

Das Burggut lag als abgegrenzter Bezirk vor den Burgmauern. Die Burgmannen erhielten die Häuser vom Burgherren als Teil ihrer Vergütung ebenfalls als Lehen. Das Gebiet des Burglehns und seine Bewohner standen unter besonderem Recht. Ihr Gerichtsherr war stets der Inhaber der Burg. Das hieß, sie unterlagen weder einer Grundherrschaft, noch dem Stadtrecht. Dies galt selbst dann, wenn sich das Burglehn innerhalb der Stadtmauern befand.

Nicht selten waren die Burglehnhäuser zugleich Freihäuser. Oft war es zwischen der benachbarten Stadt und den Leuten des Burglehns umstritten, ob diese in ihren Häusern Handwerke ausüben lassen durften, die ansonsten den Zunftregeln unterworfen waren.

Seit dem 17., spätestens aber im 19. Jahrhundert wurden die Burglehnbezirke aufgelöst und der Kommunalverwaltung unterstellt. Manche hatten gleichwohl viel länger existiert als die zugehörigen Burgen, die oft schon vorher ihre militärische Funktion verloren hatten. Heute erinnert in manchen Städten noch ein Straßenname an die Lage des ehemaligen Burgguts.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 (= Brandenburgische Landbücher. Band 2; Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band VIII, 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Rechentabellen und Übersichten]. Dispositio castrorum sub anno domini 1377 feria 3 post festum S. Lucie per dominum imperatorem facta. Trebbyn, S. 22, DNB 580505456 (Digitalisat in Universitätsbibliothek Potsdam).
  2. a b Eberhard Bohm: Teltow und Barnim. Untersuchungen zur Verfassungsgeschichte und Landesgliederung brandenburgischer Landschaften im Mittelalter (= Reinhold Olesch, Walter Schlesinger, Ludwig Erich Schmitt [Hrsg.]: Mitteldeutsche Forschungen. Band 83). Böhlau Verlag, Köln 1978, ISBN 3-412-03878-4, B. Teltow. V. Burgen und Vogteien. 3. Trebbin, S. 73–89.
  3. a b c Karl-Friedrich Krieger: Lexikon des Mittelalters. Band II. Deutscher Taschenbuchverlag, München 2002, ISBN 3-423-59057-2, Burglehen, Sp. 1055–1056.
  4. Karl-Friedrich Krieger: Lexikon des Mittelalters. Band II. Bettlerwesen bis Codex von Valencia. In: Robert-Henri Bautier bis Hartmut Zapf (Hrsg.): Lexikon des Mittelalters. (LexMA). 9 Bände. Deutscher Taschenbuchverlag, München 2002, ISBN 3-423-59057-2, Burg. C. Europäische Entwicklung nach Ländern und Regionen unter besonderer Berücksichtigung der Rechts- und Verfassungsgeschichte. I. Deutschland. [I] Allgemeine rechts- und verfassungsgeschichtliche Bedeutung, Sp. 965–966, Burghut: Sp. 965–966.
  5. Hans K. Schulze: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Band I. In: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter (= Kohlhammer Urban-Taschenbuch. Band 371). 4., aktualisierte Auflage. 4 Bände. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart / Berlin / Köln 2004, ISBN 3-17-018239-0, III. Das Lehnswesen. 6. Das Lehnssystem. a) Die Lehnpflichten, S. 76–77.
  6. Hans K. Schulze: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter. Band I. In: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter (= Kohlhammer Urban-Taschenbuch. Band 371). 4., aktualisierte Auflage. 4 Bände. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart / Berlin / Köln 2004, ISBN 3-17-018239-0, III. Das Lehnswesen. 6. Das Lehnssystem. i) Lehnsgericht und Lehnrechtsquellen, S. 91–94, hier S. 92.