Burjaten

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Selenginski-Burjaten

Die Burjaten, veraltet auch Burjäten und Burjat-Mongolen (burjatisch Буряадууд), sind eine mongolische Ethnie in Sibirien, dort insbesondere in Burjatien, und in den Gebieten von Tschita und Irkutsk. Kleinere Gruppen leben in der Mongolei und der Volksrepublik China. 1989 gab es in der Sowjetunion 423.436 Burjaten, womit sie die größte nationale Minderheit in Sibirien darstellen.[1] Neben Burjatisch sprechen sie vor allem Russisch.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte der Verbreitung mongolischer Sprachen. Orange ist die Sprache der Burjaten.

Der Name „Burjaten“ wird zum ersten Mal in der Geheimen Geschichte der Mongolen (wahrscheinlich 1240) erwähnt. Der russische Staat verleibte sich die Bevölkerung und das Territorium durch Verträge von 1668 und 1728 ein, wodurch die Gebiete auf beiden Seiten des Baikalsees von der Mongolei getrennt wurden. Die burjatische Bevölkerung wuchs von 27.700 in der Mitte des 17. Jahrhunderts auf 300.000 am Anfang des 20. Jahrhunderts an.

Die historische Wurzeln der burjatischen Kultur sind mit denen der Mongolen verwandt. Nachdem Burjatien Russland eingegliedert worden war, wurde es zwei Traditionen ausgesetzt: dem Christentum und dem Buddhismus. Die Burjaten westlich des Baikalsees (Irkutskische Burjaten) wurden „russifiziert“ und gaben bald die hirtennomadische Lebensweise zugunsten von Ackerbau auf, wohingegen die östlich lebenden Burjaten (Transbaikalen) den Mongolen näher stehen, oft noch in Jurten leben und meist auch Buddhisten sind. 1741 wurde der lamaistische Zweig des Buddhismus in Russland offiziell als Religion anerkannt, und der erste burjatische Dazan (buddhistisches Kloster) wurde gebaut.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und der Anfang des 20. Jahrhunderts waren für die burjatisch-buddhistische Religion (48 Dazans 1914) eine Periode des Wachstums. Der Buddhismus wurde zu einem bedeutenden Faktor in der kulturellen Entwicklung der Burjaten. Nach der Oktoberrevolution verhielten sich die meisten Lamas der sowjetischen Staatsmacht gegenüber loyal. 1925 begann ein Kampf gegen Religion und Kirche in Burjatien. Die treibende Kraft hierbei war Andrej Smetankin. Nach und nach wurden Dazans geschlossen und die Aktivitäten der Kirche eingeschränkt. Infolgedessen hörte die buddhistische Glaubensgemeinschaft 1930 weitgehend auf zu existieren, und Tausende von kulturellen Schätzen wurden zerstört. Bemühungen, die Organisation des Buddhismus wiederzubeleben, setzten während des Zweiten Weltkrieges ein, woraufhin sie 1946 wieder gegründet wurde. Ein wirkliches Wiederaufleben des Buddhismus fand in den späten 1980er Jahren statt, was sich als wichtiger Faktor der nationalen Einigung und spirituellen Wiedergeburt erwies.

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1923 wurde die Burjat-Mongolische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik gegründet; sie umfasste die Baikal-Provinz (Pribaykalskaya guberniya) mit einer mehrheitlich russischen Bevölkerung. 1937 trennte die Regierung Stalins, in der Absicht, die Burjaten auf verschiedene Verwaltungseinheiten zu zerteilen, einige Gebiete (Rajons) von der Burjatisch-Mongolischen ASSR ab und bildete die beiden autonomen burjatischen Bezirke (Okrug) Ust-Orda und Aga. Zur selben Zeit wurden einige Bezirke mit burjatischer Bevölkerung ganz abgespalten. Burjatischen Nationalismus fürchtend, ließ Josef Stalin mehr als 10.000 Burjaten ermorden. 1958 wurde die Bezeichnung „Mongolisch“ aus dem Namen der Republik entfernt (Burjatische ASSR). 1990 erklärte sich die BASSR für unabhängig und nahm 1992 den Namen Republik Burjatien an. Die Verfassung der Republik wurde 1994 vom Parlament angenommen, und 1995 wurde ein bilaterales Abkommen mit der Russischen Föderation unterzeichnet.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burjatische Schamanen weihen einen Obo, einen zeremoniellen Steinhaufen des mongolischen Tengrismus

Die ursprüngliche Religion der Burjaten war der Tengrismus. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war jedoch der Buddhismus auch unter den transbaikalischen Burjaten etabliert und beeinflusste Alltag, Kultur und Lebensanschauung. Dies führte zu einer synkretistischen Vermischung der vormals animistisch-schamanischen mit buddhistischen Vorstellungen. Beispiel ist der ursprünglich aus China stammende Schamanenspiegel toli bei den Burjaten und das Auftreten von Personen, die sowohl Lama wie Schamanen waren.[2]

Zum früheren Schamanen der Burjaten gehörte die Geweihkrone, ein Schamanenstock und die Toli-Spiegel. Er hatte einen großen Aufgabenbereich – unter anderem als Seelenbegleiter und Wahrsager – und einen hohen Status. Es gab männliche und weibliche Schamanen. Wie bei vielen mongolischen und Turkvölkern gab es einen Adlerkult und ebenso einen Sonnenkult wie in der altiranischen Religion.

Trotz der Russifizierung und Sowjetisierung im 20. Jahrhundert, die massive Veränderungen der bisherigen Lebensweise und Kultur mit sich brachten, überlebte das Schamanentum. Allerdings dienen die heutigen Schamanen nicht mehr dem Wohl einzelner Clans, sondern sie haben Organisationen gegründet, in denen man ihre Dienste als Heiler oder Ritualbegleiter in Anspruch nehmen kann und die sich der Erhaltung bzw. Rekonstruktion und Weitergabe des traditionellen Wissens widmen. Die Schamanen sind ein Symbol der kulturellen Identität aller Burjaten geworden, obwohl bereits viele Aspekte des Schamanismus verlorgen gegangen sind. Um dies auszugleichen wurden Kontakte zum westlich-esoterischen Neoschamanismus geknüpft, der allerdings zu erheblichen Verfälschungen der ethnischen Vorstellungen führt. Im Unterschied zum früheren Schamanismus hat der heutige trotz allem immer stärkere Züge einer Religion.[3]

Berühmte Burjaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. James Forsyth: A History of the Peoples of Siberia. Russia's north Asian colony; 1581-1990. Neuaufl. University Press, Cambridge 2010, ISBN 978-0-521-47771-0
  2. Erich Kasten (Hrsg.): Schamanen Sibiriens. Magier – Mittler – Heiler. Zur Ausstellung im Linden-Museum Stuttgart, 13. Dezember 2008 bis 28. Juni 2009, Reimer Verlag 2009, ISBN 978-3-496-02812-3, S. 164–167.
  3. Gabriel Gutiu: Der Wandel des Schamanismus in Burjatien – Eine Erklärung unter Berücksichtigung der Untersuchung von Winkelman und kulturmaterialistischer Theorie. Diplomarbeit, Universität Wien 2012. S. 68–69, 85–86, 89, 91–92.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]