Cahuilla

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Junge Cahuilla-Frau, 1926

Die Cahuilla sind nordamerikanische Indianer im Süden Kaliforniens. Ihr ehemaliges Wohngebiet erstreckte sich südlich der San Bernardino und San Jacinto Mountains in einem Binnenlandbecken, das aus Wüstenebenen und zerklüfteten Canyons besteht. Eicheln und Mesquiten, die Hauptnahrungsgrundlage vieler kalifornischer Indianer, fanden sie hier nur in gut bewässerten Gegenden in ausreichenden Mengen. Zudem wurde Kleinwild gejagt und in geringem Umfang Feldbau betrieben. Ihre Sprache gehört zur uto-aztekischen Sprachfamilie und ist heute nahezu ausgestorben.

2010 bezeichneten sich 4.238 Menschen als Cahuilla.[1]

Traditionelle Kultur und Religion[Bearbeiten]

Die Agua Caliente Band der Cahuilla managt die Indian Canyons im Santa Rosa and San Jacinto Mountains National Monument und bietet u. a. Führungen an.
Palm Canyon im Cahuilla Indianer-Reservat
typischer geflochtener Beerenkorb
Morongo Casino, eines der größten Casinos amerikanischer Ureinwohner in den Vereinigten Staaten

Die Cahuilla wohnten sesshaft in rund 50 Dörfern[2] mit schilfgedeckten Hütten, in Sonnenschutzhütten ohne Wände[3] und später in Adobe-Lehmziegelhäusern. Sie waren geschickte Korbmacher und Töpfer. Die Dörfer, die hundert bis mehrere Tausend Einwohner haben konnten, erstreckten sich über zwei bis drei Kilometer – zumeist in wasserführenden Canyons.[4]

Ihre soziale Organisation war patrilinear und anscheinend in zwei Hälften, Moietys, aufgeteilt, die für Abstammung und Eheschließungen maßgeblich waren. Es gab zusätzlich zahlreiche Gruppen und Klans, denen bestimmte Wohngebiete zugeordnet waren. Jeder Clan hatte einen Häuptling (Nét), der religiöse und politische Aufgaben wahrnahm und dessen Amt gewöhnlich erblich war.[2] Ebenfalls erblich war das Amt des Ritual-Priesters (Paxa). Weitere wichtige Funktionen hatte der mächtige Geisterbeschwörer (Púul, zumeist Männer, denen nachgesagt wurde, sie beherrschten die übernatürliche Lebenskraft, das Wetter und könnten böse Geister abwehren), der Sänger (Háwaynik) und der Wünschelrutengänger (Tet♧ayawiš)[4]

Die traditionelle Religion war animistisch, wenngleich nicht alle Naturerscheinungen als beseelt galten, sondern nur jene, die von der übernatürlichen Lebenskraft ´iva´a ausgewählt wurden. Aus dieser Kraft entstanden die männlichen Zwillingsgötter Mukat und Temayawet, die die Welt erschufen. ´iva´a besteht nach wie vor und bedingt den Erhalt der Welt, auch wenn die Kraft langsam abnimmt. ´iva´a ist neutral, seine Anwendung jedoch kann Gutes oder Böses hervorbringen. Geister haben von Natur aus mehr ´iva´a als Menschen, letztere können es jedoch durch rituelle Leistungen oder erhaltene Geschenke vermehren.[5] Die Cahuilla hatten eine große Anzahl von religiösen Ritualen mit Tänzen und Gesängen, die in einem Ritualgebäude durchgeführt wurden.[2]

Geschichte und heutige Situation[Bearbeiten]

Der erste europäische Entdecker, der von den Cahuilla berichtete, war Juan Bautista de Anza, der 1774 eine Handelsroute zwischen Sonora und Monterey suchte. Zu dieser Zeit nimmt man eine Population von etwa 2.500 Menschen an.[3] Die Christianisierung begann mit der spanischen Mission 1816.[6] Während dieser Zeit arbeiteten bereits einige Cahuilla auf spanischen Ranches und die spanisch-amerikanische Kultur beeinflusste sie nachhaltig.[2] Die dramatischste Episode in der Geschichte war die Pockenepidemie von 1863, der viele der führenden Cahuilla-Persönlichkeiten zum Opfer fielen. Danach verließen viele Überlebende ihre angestammten Dörfer und zogen in einige wenige Dörfer um, deren Bevölkerungsdichte stetig zunahm. Bis 1870 schrumpfte der Landbesitz des Volkes durch Enteignungen für Baumaßnahmen der SP-Eisenbahngesellschaft.[4]

Nach der Einrichtung von Reservaten nach 1877 durch die Behörden der USA erhielten auch die Cahuilla sieben Reservate zugewiesen. Obwohl sie dort zu Anfang ihr selbstversorgtes Leben fortführen konnten, nahm die Abhängigkeit von der US-amerikanischen Gesellschaft stetig zu. Dramatische Folgen hatte der Dawes Act von 1887, der die Parzellierung des Landes erlaubte und damit die Grundlage der Agrarwirtschaft untergrub. Hinzu kam die Unterdrückung von Kultur und Religion durch protestantische Missionare (obwohl der Katholizismus deutlich vorherrscht).[2] 1910 war die Anzahl der Cahuilla auf 800 Personen gesunken.[3] Aufgrund zunehmender Armut nach dem Zweiten Weltkrieg verkauften sie große Teile des Reservatslandes und errichteten stattdessen in Erholungsgebieten wie Palm Springs touristische Attraktionen. Einige Cahuilla haben es in gut bewässerten landwirtschaftlich genutzten Gegenden, wie bei Salton Sea, zu Wohlstand gebracht. Viele arbeiten nach wie vor auf Ranches und Farmen, verpachten Land (etwa für Werbetafeln) oder unterhalten Casinos. Das verbliebene Reservat ist fern von Märkten, Wasser und Arbeitsplätzen, so dass die Arbeitslosigkeit 1995 dort bei 78 Prozent lag.[2]

Trotz der erheblichen Assimilierung, die um 1860 einsetzte und des Landverlustes, der die traditionelle Sammelwirtschaft unmöglich gemacht hat, konnte sich eine lebendige Folklore (überlieferte Muster mit christlichen und modernen Elementen), viele soziokulturelle Traditionen – wie die Begräbnisrituale, Verwandtschaftsverhältnisse und die soziale Gegenseitigkeit[2] – sowie das Handwerk der Korbflechterei halten. Das Interesse am kulturellen Erbe ist groß. Junge Cahuilla lernen wieder ihre Muttersprache, alte Lieder und den Respekt vor ´iva´a und den Geistern.[2] Obwohl das letzte Zeremonialhaus in den frühen 1970er Jahren geschlossen wurden, bekennen sich auch heute noch einige Cahuilla ausschließlich zum überlieferten Glauben.[4] Nach den laufenden Erhebungen des evangelikal-fundamentalistisch ausgerichteten Bekehrungsnetzwerkes Joshua Project sind das noch 20 Prozent.[7] Zweimal jährlich wird ein panindianisches Powwow abgehalten.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lowell John Bean: Mukat's People: The Cahuilla Indians of Southern California. University of California Press, Berkeley, 1972
  • Robert F. Heizer (Hrsg.): Handbook of North American Indians, Vol.8 California, Smithsonian Institution Press, Washington D.C. 1978 ISBN 0-16-004574-6
  • A. L. Kroeber: Handbook of the Indians of California. Bureau of American Ethnology Bulletin No. 78. Washington, D.C., 1925
  • Harry C. James: The Cahuilla Indians Malki Museum Press, Banning, California, 1969
  • Hansjakob Seiler: Cahuilla Grammar Malki Museum Press, Banning, California, 1977
  • Hansjakob Seiler: Cahuilla Texts with an Introduction, Indiana University Publications, Bloomington, 1970
  • Anna Fuchs: Morphologie des Verbs im Cahuilla, de Gruyter Mouton, 1970

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cahuilla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Census 2010. Abgerufen am 2015.
  2. a b c d e f g h i Barry M. Pritzker: A Native American Encyclopedia. History, Culture and Peoples. Oxford University Press, New York 2000, ISBN 978-0-19-513877-1. S. 119–121.
  3. a b c CAHUILLA. In: SOCIAL STUDIES FACT CARDS, CALIFORNIA INDIANS, Toucan Valley Publications, abgerufen am 31. Dezember 2015.
  4. a b c d Eagle Mountain Pumped Storage Project No. 13123. Response to Additional Information Request. Appendices. In: Gutachten der Eagle Crest Energy Company, Palm Desert (USA), 2009, abgerufen am 31. Dezember 2015. S. 15–16.
  5. Christian F. Feest: Beseelte Welten – Die Religionen der Indianer Nordamerikas. In: Kleine Bibliothek der Religionen, Bd. 9, Herder, Freiburg / Basel / Wien 1998, ISBN 3-451-23849-7. S. 83–84.
  6. Chuck Smith: ANTHRO 6 - An Introduction to California's Native People – MISSIONIZATION. In: Cabrillo College, Aptos (USA) 1999, abgerufen am 31. Dezember 2015.
  7. Joshua Project: United States (Cahuilla), abgerufen am 31. Dezember 2015.