Carl Adolf Schleussner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Carl Adolf Schleussner (* 12. Mai 1895 in Frankfurt am Main; † 12. November 1959 ebenda) war ein deutscher Chemiker und Fabrikant.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Adolf Schleussner war der Sohn des Fabrikanten Carl Moritz Schleussners und seiner Frau Johanna Caroline Adele, geborene Laurenze. Im Jahr 1914 begann er sein Studium der Chemie, wobei er die Universitäten von Freiburg, Aachen, Frankfurt und Berlin besuchte. Sein Studium wurde aber durch seinen Kriegseinsatz im Ersten Weltkrieg unterbrochen, wofür er sich als Freiwilliger gemeldet hatte. 1916 wurde er Leutnant der Artillerie, im Anschluss war er bei der Luftwaffe eingesetzt. Er wurde in seiner Dienstzeit mit dem Ritterkreuz mit Krone und Schwertern ausgezeichnet. Nach dem Krieg setzte er sein Studium fort und schloss es mit seiner Promotion in Berlin 1919 ab.

Zwanziger und Dreißiger Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1920 begann Schleussner seine Arbeit in der Fabrik (Dr. C. Schleussner Trockenplattenfabrik AG) seines Vaters. Dort leitete er zunächst in die wissenschaftliche Abteilung und befasste sich mit der Weiterentwicklung von Röntgenfilmmaterial. Dem Vorstand des Unternehmens gehörte er ab 1923 an und am 1. Januar 1926 übernahm er die Position seines Vaters und wurde alleiniger Vorstand. Dies geschah zu einer Zeit, wo das Unternehmen sich in einer Krise befand. Die Firma hatte den technischen Anschluss an die Rollfilmproduktion verpasst und auch der Fabrikstandort in der Elbestraße im Bahnhofsviertel sorgte für Probleme. Aufgrund der Luftverschmutzung durch die Dampfloks im nahen Bahnhof kam es häufig zu Verunreinigungen des Plattenmaterials durch Rußpartikel. Schleussner verkaufte die alte Fabrik und nutze den Erlös zusammen mit finanzieller Unterstützung des Rundfunks für einen Neustart. Der Stammsitz des Unternehmens mit Verwaltung und Vertrieb blieb in Frankfurt ansässig, während die Plattenfabrikation ein in Köln gelegenes Zweigwerk verlegt wurde. Die übrige Produktion wurde nach Neu-Isenburg verlegt, wo es aufgrund der besseren Umweltbedingungen möglich war in die Zelluloid-Film-Herstellung einzusteigen. 1929 führte die Firma ihren ersten Zelluloid Rollfilm für Fotozwecke namens „Tempo-Rot-Film“ in den Markt ein. Bereits ein Jahr später wurden auch Kinofilme mit der „Tempo“-Emulsion produziert. Im Mai 1931 gründete Schleussner mit der Cella GmbH ein eigenes Zelluloid- und Lackwerk, welches vorerst in Flörsheim und seit 1934 in Wiesbaden-Biebrich seinen Standort hatte. Hier wurden Zelluloidrohfilme und Lacke auf Cellulosebasis hergestellt. Die Gewinne aus dem Unternehmen wurden zum Teil genutzt um Aktien der eigenen Firma zu erwerben. 1926 befanden sich nur 17 Prozent der Aktien in Familieneigentum, während es Schleussner Mitte der Dreißigerjahre gelang, 75 Prozent der Aktien in seinen Besitz zu bringen. Im Jahr 1938 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt und in „Adox Fotowerke Dr. C. Schleussner GmbH“ umbenannt.

NS-Zeit und Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schleussners Rolle während der NS-Zeit ist nicht ausreichend historisch untersucht. Als Mitglied des Stahlhelms wurde er in die SA eingegliedert und seit 1936 war er Mitglied der NSDAP. Ende 1938 die kaufte er die Kamerafabrik der Gebrüder Wirgin in Wiesbaden, sowie deren Maschinen, Werkzeuge, Einrichtungen und übernahm das Personal. Die Fabrik wurde von Juden geführt welche vor den Nationalsozialisten flohen und so wurde die Fabrik liquidiert. Schleussner gab später an, dass er durch das Fortführen des Betriebs die Arbeitsplätze erhalten wollte und er lehnte daher eine komplette Übernahme der Firma Gebrüder Wirgin ab. Mit Hilfe der Fabrik brachte Schleussner 1939 eigene Kameras unter der Marke „Adox“ auf dem Markt. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Werk in Wiesbaden auf den Rüstungsbetrieb umgestellt und produzierte Teile für Flugzeugmotoren. Weitere Tochterfirmen des Unternehmens, wie die „Cella GmbH“ folgten. Die eigentlichen Fotowerke wurden aber als „kriegswichtig“ eingestuft und durften vorerst uneingeschränkt weiterarbeiten. Als im März 1943 die zivile Produktion von Fotofilmen verboten wurde, beschränkte man sich auf die Herstellung von Röntgen- und Materialuntersuchungsfilmen. Im Verlauf des Krieges wurden das Werk in Neu-Isenburg und Köln zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut. Sie erhielten bereits am 15. Juli 1945 die Erlaubnis der US-Armee den Betrieb wieder aufzunehmen. 1948 verkaufte er die Fabrik in Wiesbaden zurück an Henry Wirgin woraufhin Schleussner das Adox-Kamerawerk auf das Gelände der „Cella GmbH“ in Wiesbaden verlegte. Hier produzierte er 1952 das erste erfolgreiche eigene Kameramodell die „Adox Golf“ und 1959 die Kleinbildkamera „ADOX Polo“. Nach dem Krieg gründete er gemeinsam mit seinem Sohn Hans 1946 die „Biotest-Serum-Institut GmbH“. Diese Firma befasste sich mit der Entwicklung und Produktion von Testseren zur Bestimmung von Blutgruppen, insbesondere des Rhesusfaktors.

Wirken im Rundfunk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben seiner Arbeit als Geschäftsführer beschäftigte er sich aktiv und interessiert mit dem Rundfunk. In den Zwanzigerjahren gründete er mit Hilfe seines Vaters als Investor die Südwestdeutsche Rundfunk AG (SÜWRAG) in Frankfurt maßgeblich mit. Schleussner war dort Delegierter des Aufsichtsrats im Vorstand und wirkte aktiv auf die Form und Organisation des Frankfurter Rundfunks ein. Durch seine Investitionen in die AG besaß die Familie Schleussner den Hauptteil der Aktien, was seine Einflussnahme erleichterte. Für die künstlerische Leitung des Senders hatte er seinen Freund Hans Flesch gewonnen. Er hielt nach Sendebeginn des Südwestdeutschen Rundfunks am 2. April 1924 dort den ersten Rundfunkvortrag und gründete 1925 die „Rundfunk Organisations GmbH“. Nach dem Rücktritt seines Vaters gehörte er seit 1931 dem Verwaltungsrat der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft in Berlin an. Mit der Verstaatlichung des Rundfunks 1932/33 war Schleussner gezwungen alle Anteile an der SÜWRAG zu verkaufen und sich zurückzuziehen, was ihm aber einen guten Gewinn gab welchen er für seine Fotowerke nutzte.

Fünfziger Jahre und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang der Fünfzigerjahre reiste Schleussner mehrmals nach Brasilien und Argentinien, da er plante in den südamerikanischen Markt einzusteigen. Bei einer dieser Reisen wurde er 1952 in Rio von einem Auto angefahren und schwer verletzt. An den Folgen dieses Unfalls verstarb Schleussner am 12. November 1959 in Frankfurt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]