Carl Rothe

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Dieser Artikel beschreibt den Kulturfunktionär Carl Rothe. Zu anderen Personen siehe Karl Rothe.

Carl Rothe (* 28. Januar 1900 in Aachen; † 12. Mai 1970 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Literat und Kulturfunktionär.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rothe leistete 1918 seinen Militärdienst in Potsdam und studierte dann an der Friedrich-Wilhelms-Universität Geschichte und Nationalökonomie, unter anderem bei Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff, Werner Sombart, Hans Delbrück, Friedrich Meinecke, Otto Hoetzsch und Eduard Meyer, und an der Universität Bonn. In Berlin gehörte er der Akademischen Freischar an. 1923 promovierte er als Historiker.

Ab 1925 war Rothe für den Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband in Hamburg kulturpolitisch tätig – er veröffentlichte in deren Schriftenreihe unter anderem Das Deutsche Unglück – Versailles 1919 (1927), Von den Verfassungen der grossen Staaten (1927) – und schrieb für verschiedene Zeitungen. Rothe beteiligte sich an der Gründung der Volkskonservativen Partei, die er ab 1930 führte.

Von 1933 bis 1938 war Rothe für den Volksbund für das Deutschtum im Ausland tätig – er veröffentlichte in deren Schriftenreihe unter anderem Recht für Eupen-Malmedy (1936) – und außerdem bei den Großdeutschen Dichtertreffen aktiv. Er war kein Mitglied der NSDAP. Er hatte zahlreiche ausländische Kontakte, die er 1941 bis 1944 als Generalsekretär der Europäischen Schriftsteller-Vereinigung auch auf zahlreichen Auslandsreisen wahrnahm. Offiziell wurde die Schriftsteller-Vereinigung 1942 in Weimar gegründet, war aber schon auf dem Weimarer Dichtertreffen im Herbst 1941 geplant. Sie gab eine Zeitschrift Europäische Literatur heraus, deren Schriftleitung Wilhelm Ruoff hatte. In das Umfeld des Verbandes gehörten Schriftsteller wie Felix Timmermans, Pierre Drieu la Rochelle, Robert Brasillach, Knut Hamsun, John Knittel, Lőrinc Szabó und József Nyírő. Er wurde als Gegenpol zum P.E.N.-Club von den deutschen Nationalsozialisten gegründet mit Hans Carossa als Präsidenten. Einerseits ließ Rothe sich so für die nationalsozialistische Kulturpolitik einspannen, andererseits nutzte er Freiräume, um verschiedentlich auch in Opposition zu den Nationalsozialisten stehenden Personen zu helfen.[1] Er war mit Caesar von Hofacker befreundet.[2] Ab 1940 wohnte er in Überlingen am Bodensee, wo sein Haus zu einem kulturellen Zentrum der Gegend wurde.

1959 war Rothe auf Einladung seines Freundes Arnold Bergstraesser am Aufbau der Arbeitsstelle für kulturwissenschaftliche Forschung in Freiburg im Breisgau, des späteren Arnold-Bergstraesser-Instituts, beteiligt. Er übersetzte (und bearbeitete) in den 1960er Jahren die deutsche Geschichte des französischen konservativen Historikers Pierre Gaxotte.

Er war seit 1928 mit Martha von Beckerath verheiratet. Sein Sohn Arnold Rothe (* 1935) war Professor für Romanistik in Heidelberg.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Romane wurden im Zweiten Weltkrieg mehrfach neu aufgelegt und auch ins Holländische und Finnische übersetzt.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Front der Gewerkschaften. Diederichs, Jena 1932.
  • Weltkrieg gegen Deutsche Wirtschaft. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 1932.
  • Wirtschaftskrieg und Kriegswirtschaft. Die Rolle der Landesverteidigung in der Friedenswirtschaft. W.Goldmann, Leipzig 1936. Wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[4]
  • Karl IV von Luxemburg, deutscher Kaiser und König von Böhmen. E. Runge, Berlin 1935.
  • Herausgeber mit Arnold Bergstraesser, Fritz Hodeige: Atlantische Begegnungen – eine Freundesgabe für Arnold Bergstraesser. Rombach, Freiburg 1964.

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Als Herausgeber und Übersetzer aus dem Französischen: Maria Theresia: Die Mutter und die Kaiserin. Briefe der Maria Theresia an ihre Kinder und Vertraute. Hans von Hugo Verlag, Berlin 1939. Neu aufgelegt als Die Mutter und die Kaiserin. Briefe an ihre Kinder und Vertrauten. Herold-Verlag, Wien und München 1968.
  • Pierre Gaxotte, Geschichte Deutschlands und der Deutschen. Rombach Verlag, Freiburg 1965, 1967.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan-Pieter Barbian: Literaturpolitik im Dritten Reich. Saur 1993, dtv 1995.
  • Manfred Bosch: Bohème am Bodensee: Literarisches Leben am See von 1900 bis 1950. Libelle, 1997.
  • Rothe, Carl. In: Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Saur, München. Bd. 8 (2007), S. 569. (online).
  • Dieter Oberndörfer: Zur Geschichte des Arnold-Bergstraesser-Instituts. Eine Dokumentation und persönliche Erinnerungen. Freiburg 2011, ISBN 978-3-928597-61-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Noemi Kiss Wer war Carl Rothe? führt zum Beispiel Kontakte zu Personen des Widerstandes wie Adolf Reichwein an.
  2. Gerhard Heller mit Jean Grand: In einem besetzten Land. Leutnant Heller und die Zensur in Frankreich 1940- 1944. Aus d. Franz. übers. von Annette Lallemand-Rietkötter. Lübbe, Bergisch Gladbach 1985, ISBN 3-404-65066-2, S. 115.
  3. http://www.polunbi.de/bibliothek/1953-nslit-q.html
  4. a b http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-r.html