Carnegie Steel Company

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Die Carnegie Steel Company war ein von Andrew Carnegie gegründeter Stahlhersteller, in dem der Betrieb seiner Hüttenwerke in Pittsburgh, Pennsylvania im ausgehenden 19. Jahrhundert zusammengefasst waren.

Gründung[Bearbeiten]

Carnegie gründete sein erstes Hüttenwerk Mitte der 1870er Jahre: Die nach dem Präsidenten der Pennsylvania Railroad benannte, profitable Edgar Thomson Steel Works in Braddock, Allegheny County, Pennsylvania. Die Gewinne, die durch das Werk erzielt wurden, erlaubten ihm und einer Reihe seiner Teilhaber, weitere Hüttenwerke in der Umgebung zu kaufen. Im Jahr 1892 formierte sich daraus die Carnegie Steel Company.

Sein Hauptquartier lag im Carnegie Building, einem Bürogebäude im Zentrum Pittsburghs.[1] Um den Nutzen von Stahl im Bau zu unterstreichen, war dieses Gebäude fünfzehn Stockwerke hoch und blieb ein ganzes Jahr ohne Dach. Im Jahr 1952 wurde das Gebäude abgerissen.

Hüttenwerke[Bearbeiten]

Carnegie führte in den 1880er Jahren wichtige technologische Neuerungen ein, insbesondere den Siemens-Martin-Ofen in Homestead im Jahr 1886. Von nun an war es möglich, Stahl für Brücken und Panzerplatten für die US-Marine herzustellen, die einen höheren Preis für ein Premiumprodukt zahlte. Deshalb schritt das Werk mit zunehmender Produktion fort zu einem kontinuierlichen Produktionsprozess. Carnegie installierte stark verbesserte Systeme zum Materialfluss, wie beispielsweise Portalkrane, Fördermaschinen, Druckluftladegeräte, Förderwagen. All dies beschleunigte den Prozess der Stahlproduktion und ermöglichte die Produktion einer größeren Produktionsmenge. Mit wachsender Ausdehnung der Hütte nahm auch die Zahl der Beschäftigten zu, insbesondere der ungelernten Arbeiter. Die besser ausgebildeten Gewerkschaftsmitglieder reagierten im Jahr 1892 mit dem erfolglosen Homestead-Streik.

Verkauf[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde im Jahr 1901 für 480 Mio. US-Dollar an US Steel verkauft, wovon etwa die Hälfte auf Carnegie selbst entfiel. US Steel war ein Konzern mit Tochtergesellschaften. Im Jahr 1936 wurde der Name der Tochtergesellschaft in Carnegie-Illinois Steel Company geändert.

Lokaler Wettbewerb[Bearbeiten]

Im Unterschied z. B. zu Standorten in Deutschland wie der Maxhütte, der Völklinger Hütte, der Westfalenhütte oder der Hasper Hütte verfügte die US-Stahlindustrie Dank des Allegheny River, des Monongahela River und des Ohio River über preiswerte Transportwege für den Abtransport schwerer Produkte und die massenhafte Zuführung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen. Alle Fabriken befanden sich unmittelbar oder nahe einem der genannten Flüsse. Solche Standorte werden deshalb als „nasse Standorte“ bezeichnet.

Im Jahr 1853 gründeten Jones, Lauth and Company ein Puddel- und Walzwerk am Monongahela etwa vier Kilometer von Pittsburgh entfernt. Bernard Lauth erfand und patentierte das Kaltwalzverfahren im Jahr 1859. Im gleichen Jahr errichtete Janes H. Laughlin Laughlin and Company direkt am gegenüberliegenden Ufer von Jones, Lauth and Company. Im Laufe der Zeit fusionierten die beiden Unternehmen unter der Firma Jones and Laughlin Steel und installierten im Jahr 1886 ihre ersten zwei Bessemerbirnen zur Stahlproduktion.

J&L Steel wurde einer der wichtigsten Wettbewerber der Carnegie Steel Company und US Steel in der Nachbarschaft von Pittsburgh in Pennsylvania. Im Jahr 1905 begann der Aufbau einer neuen Stahlhütte am Ohio River ca. 32 Kilometer stromabwärts von Pittsburgh in Aliquippa (Pennsylvania). Im Jahr 1908 wurde ein zwölfstöckiges Bürogebäude in Pittsburgh errichtet.

J&L Steel kündigte im Zeitraum zwischen den Jahren 1955 und 1958 zahllose Betriebserweiterungen einschließlich einer Investition von 250 Mio. US-Dollar an. Im Jahr 1968 bot Ling-Temco-Vought Inc. (LTV) aus Texas für die Übernahme eines 63%-igen Anteils an J&L Steel 428,5 Mio. US-Dollar (nach heutigem Wert US$ 2,88 Mrd.) an. Im Jahr 1974 erhöhte LTV seinen Anteil an J&L Steel, um die volle Kontrolle über das Unternehmen zu erwerben, was den Beginn des Endes von „Big Steel“ in der Pittsbourgh-Region markierte. Im Dezember 2001 beantragte LTV Chapter 11 und wurde wenige Monate später von der International Steel Group Inc. übernommen.

Stahlproduktion des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Es gab bereits Veränderungen in der Produktionsweise des Stahls, bevor die Carnegie Steel Company im Jahr 1901 für 480 Mio. US-Dollar (nach heutigem Wert US$ 3,5 Mrd.) verkauft wurde. Stahlhersteller hatten begonnen, die Bessemer-Birne zugunsten des Siemens-Martin-Ofens aufzugeben. Öfen dieser Art waren bis 1970 weit verbreitet, als das Sauerstoffblasverfahren, das Elektrostahlverfahren und das Stranggießverfahren sie ablösten. Gleichzeitig nahm die Beschäftigung in den verbleibenden Fabriken, die seit 1900 Teil der Carnegie Steel Company gewesen waren, außergewöhnlich ab, auch wenn die J. Edgar Thomson Works noch aktiv waren und Walzbrammen produzierten, die per Schiff zu den Irwin Werken in West Mifflin transportiert wurden, um dort zu Coils verarbeitet zu werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Krass, Peter: Carnegie, 2002, Eine Standardschulbiographie, zusammen mit Nasaw und Wall online edition
  • Krause, Paul: The Battle for Homestead, 1880–1892: Politics, Culture, and Steel. U. of Pittsburgh Pr., 1992
  • Nasaw, David: Andrew Carnegie, 2006, große Biographie zusammen mit Krass und Wall
  • Misa, Thomas J.: A Nation of Steel: The Making of Modern America, 1865–1925, 1995, chapter 1 online
  • Wall, Joseph: Andrew Carnegie (Oxford University Press, 1970), eine Standardbiographie zusammen mit Nasaw und Krass

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mellon Square. Abgerufen am 22. Januar 2008.