Hasper Hütte

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Werk Harkorten vom Bahnübergang Niederhaspe (1910)
Schild zur Erinnerung an die Hasper Industriegeschichte
Giesspfanne und Schornstein, Objekt zur Erinnerung an die Hasper Industriegeschichte
Beschreibung der Hasper Hütte bei der Route der Industriekultur
Lok 20 die ehemals auf der Hasper Hütte und der Hasper Kohlenbahn verkehrte. Heute im Besitz des Kleinbahnmuseums Selfkantbahn

Hasper Hütte ist der Name eines Walz- und Puddelwerks, das 1847 in der westfälischen Gemeinde Haspe gegründet wurde und in seiner Blütezeit bis zu 7.000 Menschen beschäftigte, bevor es zwischen den Jahren 1972 und 1982 stillgelegt wurde.

1929 wurde die Gemeinde Haspe mit der Nachbarstadt Hagen zusammengeschlossen, und die Hasper Hütte begründete Hagens Position als ein bedeutendes Zentrum der deutschen Stahlindustrie im 20. Jahrhundert. Das Werk verfügte über vier Hochöfen, über je ein Siemens-Martin-, ein Thomas- und ein Elektro-Stahlwerk, außerdem ein Blech- und Profilwalzwerk. Die Anlagen der Hasper Hütte erstreckten sich in ihrer höchsten Ausdehnung über rund 4 km zwischen den Hagener Stadtteilen Westerbauer und Wehringhausen. Auf den Anlagen der Hütte und der Schlebusch-Harkorter Kohlenbahn (auch „Hasper Kohlenbahn“ oder „Silscheder Kohlenbahn“ genannt) wurden über 50 Lokomotiven verschiedener Hersteller und Spurweiten eingesetzt. Heute deutet nur mehr wenig auf die ehemalige Existenz der Hasper Hütte hin.

Die aus den Thomaskonvertern aufsteigende riesige gelb-braune Rauchwolke legte sich im ganzen Stadtteil nieder und wurde von den Bewohnern Hasper Gold genannt.

Geschichte in Stichpunkten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1829 – Zur Versorgung der Harkort’schen Fabrik wurde die Schlebusch-Harkorter Kohlenbahn errichtet. Über diese Bahnstrecke wurden der Hasper Hütte später Kohlen und andere Rohstoffe zugeführt und Schlacke abtransportiert.
  • 1836 – Die Markana-Hütte (51° 20′ 45″ N, 7° 25′ 39″ O), ein Vorläufer der Hasper Hütte, wurde errichtet. Die Hütte wurde später wegen Rohstoffmangel geschlossen.
  • 1847 – Hasper Unternehmer gründen die Kommanditgesellschaft Lehrkind, Falkenroth und Compagnie, der späteren Hasper Hütte, zur Erzeugung von Puddel-, Eisenfrischerei- und Walzwerkserzeugnissen. An dem Konsortium war auch Johann Caspar Harkort V. beteiligt.
  • 1848 – Die Betriebsgenehmigung wird vom Oberbergamt Dortmund erteilt.
  • 1849 – Betriebsaufnahme und Anschluss an die Bahnstrecke Elberfeld–Dortmund
  • 1858 – Die Kohlenbahn wird an die Hasper Hütte angeschlossen.
  • 1863 – Der Betrieb wird in Falkenroth, Kocher und Co. umgewandelt. Die Produktion von Eisenbahnrädern wird aufgenommen.
  • 1873 – Die Markana-Hütte stellt infolge der Wirtschaftskrise ihren Betrieb ein.
  • 1876 – Die Hütte wird im Bahnhof Harkorten an die Ennepetalbahn angeschlossen, die Schlebusch-Harkorter Kohlenbahn wird auf Dampflokbetrieb umgestellt.
  • 1881 – Die Wirtschaftskrise erreicht auch die Hasper Hütte. Der Betrieb wird in die Kommanditgesellschaft Hasper Eisen- und Stahlwerk Krieger & Co. umgewandelt.
  • 1894 – Unter der Wirtschaftskrise wird die Hütte zur Hasper Eisen- und Stahlwerk Aktiengesellschaft umgewandelt.
  • 1900 – Einstellung des Kohlentransports über die Schlebusch-Harkorter Kohlenbahn
  • 1905 – Betrieb der Kohlenbahn durch die Haspe Hütte; Die Hütte wird an das Stromnetz angeschlossen.
  • 1911 – Schlacketransport über die Kohlenbahn zur Halde Enerke
  • 1913 – Der Ausbau ist mit der Inbetriebnahme des vierten Hochofens vorläufig abgeschlossen.
  • 1914 – Die Puddelwerke sind seit ca. 15 Jahren geschlossen und werden durch Thomasstahl- und Siemens-Martin-Stahlwerke ersetzt.
  • 1923 – Unter der Ruhrbesetzung fusioniert die Hütte mit dem Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein zur Klöckner-Werke AG unter der Leitung von Peter Klöckner, der bereits seit 1889 Lieferant der Hütte und seit 1899 Mitglied im Aufsichtsrat ist.
  • 1939 – Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs werden Frauen und Zwangsarbeiter eingesetzt. Auf der Hütte werden Rüstungsgüter produziert.
  • 1940 – Kriegsgefangene aus dem Lager in Hemer werden auf der Hütte eingesetzt.
  • 1942 – Die Hütte betreibt ein Kriegsgefangenenlager, ein Polizeigefängnis und ein Straflager. Hier werden Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, sowjetische Arbeiter, Mischlinge, Halbjuden und als „jüdisch versippt“ eingestufte Deutsche untergebracht.
  • 1945 – Elf sowjetische Gefangene werden erschossen. Nach Ende des Kriegs darf die Hütte mit Genehmigung der Besatzungsmacht den Betrieb im Dezember wieder aufnehmen.
  • 1947 – Im Zuge der Konzernentflechtung wurde am 12. Februar 1947[1] die Hüttenwerk Haspe AG gegründet.
  • 1957 – Der Klöckner-Konzern errichtet in Bremen ein Hüttenwerk. Die Produktion der Hasper Hütte wird in den kommenden Jahren nach dort verlagert.
  • 1965 – Die Schlebusch-Harkorter Kohlenbahn stellte ihren Betrieb ein.
  • 1971 – Die Hasper Hütte verliert ihre Unabhängigkeit und wird zu einer Zweigniederlassung der Klöckner Hütte Bremen.
  • 1972 – Die Stilllegung und Verlagerung der Produktion beginnt.
  • 1982 – Die Produktion ist eingestellt. Es verbleiben einige wenige Beschäftigte der Werkfeuerwehr und der Betriebskrankenkasse.

Die Anlagen der Hütte sind abgebrochen. Auf dem ehemaligen Gelände befinden sich heute Wohnbebauung, Geschäfte sowie Kleinindustrie. Teile des Fahrzeugbestands der Hasper Hütte und der Kohlenbahn wurden mit Schließung der Hütte (bereits 1970) an das Kleinbahnmuseum Selfkantbahn verkauft.[2]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hasper Hütte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Potthoff: Zusammenbruch und Wiederaufbau. Ein Beitrag zur Geschickte der betrieblichen Mitbestimmung an der Ruhr von 1945 bis 1947, in: Gewerkschaftliche Monatshefte, März 1955, S. 129–137, hier S.136.
  2. selfkantbahn.de: Dampflok 19 Dampflok 20 Dampflok 21, abgerufen am 29. August 2011

Koordinaten: 51° 20′ 29″ N, 7° 24′ 41″ O