Kastagnetten

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Kastagnetten
Kastagnetten mit typischer Handhaltung

Kastagnetten ([kastaˈɲɛtn̩], nach dem französischen Wort castagnettes, spanisch castañuelas) sind paarweise zu spielende muschelförmige, meist hölzerne Klappern von etwa fünf Zentimetern Durchmesser, die zur rhythmischen Begleitung geeignet sind.

Das Perkussionsinstrument besteht aus zwei schalenförmig ausgehöhlten Muscheln (conchas), die normalerweise aus Hartholz gefertigt sind, heute aber oft auch aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellt werden. Mit dem an einem Ende angebrachten Band, das die beiden Kastagnettenblätter lose miteinander verbindet, werden die Muscheln an einem Finger (in der Regel am Daumen, früher und bei bestimmten regionalen Tänzen auch heute noch am Mittelfinger) befestigt. Mithilfe der anderen Finger lässt man die Schalen schnell und rhythmisch gegeneinanderschlagen, was einen tremolierenden Klang erzeugt. Wenn der Spieler in beiden Händen Kastagnetten hält, können auch die beiden Schalenpaare gegeneinandergeschlagen werden. Kastagnettenpaare bestehen aus einer tieferen Halbschale, dem macho („Männchen“), und einer höheren, der hembra („Weibchen“). Durch eine geschickte Spieltechnik mit Anwendung unterschiedlicher Anschlagstechniken (carretilla, tan, tin, tian und posticeo[1]) können verschiedene Klangfarben des durch Gegenschlagen hervorgerufenen charakteristischen Geräusches erzeugt werden. Als carretilla wird eine Art Rasgueado beim Kastagnettenspiel bezeichnet, wobei in schneller Folge Kleiner Finger, Ringfinger, Mittelfinger und Zeigefinger anschlagen.[2]

Eine vereinfachte Variante sind die mit einem Holzstiel versehenen Stielkastagnetten, die wesentlich einfacher zu spielen sind, jedoch nur eine einzige Art von Klang hervorbringen. Sie werden im Orchester eingesetzt.

Die Kastagnetten stammen vermutlich aus dem Orient, das Wort kann auf die arabische Bezeichnung für Handklapper kas, auch kāsāt, zurückgeführt werden. Sie waren schon in Mesopotamien, bei den Ägyptern und Griechen bekannt. In Spanien sind sie seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. belegt. Nach einer anderen Etymologie erhielten sie dort den Namen castañuelas wegen ihrer Ähnlichkeit mit Kastanien (spanisch castaña). Im Westen der Region Andalusien werden sie auch palillos („Stöckchen“, „Essstäbchen“) genannt.

Die Verwendung von Kastagnetten ist in der südspanischen Tanzmusik (Flamenco, Sevillana) seit dem 17. Jahrhundert[3] weit verbreitet, aber auch in Süditalien (Neapel) bekannt. In der klassischen Musik werden sie meist in Werken mit spanischen Anklängen eingesetzt, etwa in der Oper Carmen von Georges Bizet (1875), in der Oper Le Cid von Jules Massenet (1885) und in der Rhapsodie España von Emmanuel Chabrier (1883).

Eine ähnliche Funktion hatte das Krotalon in der Musik der Antike und haben die Chácaras auf den Kanarischen Inseln.

Zu den Pionieren des virtuosen Kastagnettenspiels gehört die spanische Tänzerin La Argentina. Sie trug auch maßgeblich zur baulichen und klanglichen Weiterentwicklung der Kastagnetten bei.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kastagnetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • IGkK e.V. Internationale Gesellschaft für künstlerisches Kastagnettenspiel

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Graf-Martinez: Flamenco-Gitarrenschule. Band 1. B. Schott’s Söhne, Mainz u. a. 1994 (= Edition Schott. 8253), ISBN 3-7957-5083-0, S. 94, 101 (posticeo: Zusammenschlagen von beiden Kastagnetten), 103 (tan: Anschlag der linken Hand mit Ring- und Mittelfinger gleichzeitig, nach carretilla) und 104 (tin: Anschlag der rechten Hand mit Ring- und Mittelfinger gleichzeitig, nach carretilla; tian: tan und tin gleichzeitig angeschlagen).
  2. Vgl. Gerhard Graf-Martinez: Flamenco-Gitarrenschule. Band 1. B. Schott’s Söhne, Mainz u. a. 1994 (= Edition Schott. 8253), ISBN 3-7957-5083-0, S. 94.
  3. Frederick Cook: Die „Batteries“ auf der Spanischen Barockgitarre nach Marin Mersenne. In: Gitarre & Laute. Band 1, 1979, Nr. 5, S. 34–38, hier S. 37 f.
  4. Kersten Knipp: Geschundene Bretter: der Tanz. In: Kersten Knipp: Flamenco. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-45824-8, S. 175–204, hier: S. 183 f.