Cezzâr Ahmed Pascha

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Cezzâr Ahmed Pascha, Ölbild von Thomas Aldridge

Ahmad (Bascha) al-Dschazzar (arabisch أحمد باشا الجزار Ahmad Bāschā al-Dschazzār, DMG Aḥmad Bāšā al-Ǧazzār; geboren um 1722 in Bosnien; gestorben 1804), türkisch Cezzâr Ahmed Paşa, war von 1775 bis zu seinem Tod osmanischer Gouverneur von Sidon, wo er weitgehend unabhängig von der osmanischen Zentralregierung herrschen konnte. Zudem wurde ihm in den Jahren 1785, 1790, 1799 und 1803 auch das Eyâlet Damaskus anvertraut.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cezzâr Ahmed Pascha hält in Akkon Gericht. Druck aus den Jahren um 1800.

Über al-Dschazzars Herkunft und Kindheit gibt es wenig gesicherte Fakten. Er stammte aus Bosnien. Einige Quellen behaupten, seine Eltern seien Christen gewesen. Mit 16 trat er als Soldat in die Dienste des osmanischen Großwesirs Hekimoğlu Ali Pascha. 1756 begleitete er Ali Pascha nach Ägypten, der dort das Gouverneursamt übernahm. Dort schloss sich Ahmed dem Haushalt von Abdallah Bey an. Nachdem Abdallah als Gouverneur (kaschif) des Bezirks Buhaira von Beduinen getötet wurde, wurde er von Scheich al-Balad Ali Bey zu dessen Nachfolger ernannt und in das Beylikat erhoben. Wahrscheinlich wegen seines brutalen Vorgehens gegen die Beduinen als Rache für den Tod seines Patrons, erhielt er den Beinamen al-Dschazzar (der Schlächter).[2] Er wurde ein Anhänger von Ali Bey, der seit 1763 versuchte seine Macht gegenüber anderen Haushalten auszubauen. Ahmed begleitete Ali Bey 1766, als dieser gezwungen war nach Syrien zu flüchten. Mit Unterstützung von Salih Bey al-Qasimi gelang Ali ein Jahr später seine alte Machtposition in Ägypten wiederzuerlangen. Im Machtkampf zwischen den ehemaligen Alliierten schloss sich Ahmed Salih Bey an. Als dieser ermordet wurde, floh er 1768 nach Syrien und baute sich dort einen eigenen Haushalt auf.[3][1]

Während des Russisch-Türkischen Kriegs vernichtete im Juli 1770 eine russische Flotte fast die gesamte osmanische Kriegsflotte (Seeschlacht von Çeşme) und verblieb darauf im östlichen Mittelmeer um mit Agenten lokale Herrscher gegen das Osmanische Reich aufzuwiegeln und gegebenenfalls zu unterstützen. So kam es zu einer Allianz zwischen Ali Bey, der seit 1769 offen gegen das Osmanische Reich revoltierte, und Dhaher al-Omar, der seit den 1730er Jahren als Usurpator von der osmanischen Zentralregierung als Herrscher von Galiläa geduldet wurde, gegen das Osmanische Reich. Ein weiterer Lokalherrscher, der Emir der Drusen Yusuf Schihab, blieb zunächst dem osmanischen Sultan loyal und beauftragte 1772 Ahmed mit der Verteidigung Beiruts gegen die Russen und deren Alliierte. Als Ahmed öffentlich erklärte nicht Yusuf, sondern einzig den osmanischen Sultan als Herrscher anzuerkennen, verbündete sich Yusuf mit Dhaher. Beirut wurde 1773 durch die russische Flotte bombardiert und mithilfe von Dhaher und Yusuf belagert. Nach vier Monaten Belagerung nahm Ahmed das Angebot von Dhaher an, die Stadt zu übergeben und mit seinen Truppen sich in seine Dienste zu stellen, floh aber bei erster Gelegenheit. Für seine Loyalität zum osmanischen Sultan wurde er 1775 zum Pascha erhoben und nach endgültigem Sieg über Dhaher zum Gouverneur der Provinz Sidon ernannt. Zu seinem Regierungssitz wählte er 1779 Dhahers Zitadelle im befestigten Akkon.[4][1][5][6]

Die Provinz Sidon baute Ahmed zu seinem persönlichen Herrschaftsbereich aus, regierte dort despotisch, aber blieb dem Osmanischen Reich loyal und wurde regelmäßig als Gouverneur bestätigt. Die nächsten Jahrzehnte seiner Herrschaft waren geprägt durch die Versuche seinen Einfluss auf die Gebiete im nördlichen Libanon zu erweitern. Dazu nutze er die Rivalitäten zwischen den einflussreichen Klans aus, um diese gegeneinander auszuspielen. Diese Gebiete gehörten zwar der Provinz Sidon an, standen aber, außer in Finanzangelegenheiten, unter autonomer Verwaltung der Drusen (Emirat der Drusen). Emir war seit 1770 Yusuf Schihab. 1789 zwang Ahmad nach einer siegreichen Schlacht Yusuf zur Abdankung. Die libanesischen Oberhäupter wählten Baschir Schihab II. zu dessen Nachfolger. 1790 wurde Yusuf für eine Revolte im Libanon verantwortlich gemacht und auf Betreiben Ahmeds von Baschir II. hingerichtet.[7]

Verteidigung von Akkon[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ahmed ist am besten dafür bekannt, dass er Akkon gegen Napoleon Bonaparte während der Belagerung von 1799 verteidigte.[8] Nach Napoleons Eroberung des türkisch beherrschten Ägypten beabsichtigte die französische Armee auch die Eroberung von Syrien und Palästina. Obwohl die Franzosen die Belagerung von al-Arisch, die Belagerung von Jaffa und sämtliche Kämpfe gegen die Osmanen auf dem offenen Feld siegreich abschließen konnten, waren sie nicht in der Lage, die Befestigungen von Akkon zu durchbrechen. Ihre Armee wurde durch Pest geschwächt und vom Nachschub abgeschnitten. Der Erfolg geschah aufgrund des englischen Commodore William Sidney Smith und Antoine Le Picard de Phélippeaux, die nach Akkon segelten und dem türkischen Kommandanten halfen, die Verteidigungen und die alten Mauern wieder einzusetzen, und ihn mit zusätzlichen Kanonen bemannt von Soldaten und Marines aus seinen Schiffen ausstatteten. Smith nutzte auch sein Seekommando, um die französische Belagerungsartillerie zu erbeuten, die von Schiffen aus Ägypten gesandt wurden, und um die französische Armee an der Nutzung der Küstenstraße von Jaffa zu hindern, indem die Truppen von der See aus bombardiert wurden.

Obwohl sowohl Napoleon als auch Ahmed Beistand von Baschir Schihab II. (1767–1850) erbaten, der als Führer der Schihab-Dynastie den Großteil des heute Libanon genannten Gebiets beherrschte, blieb Baschir neutral. Nach mehreren Monaten von Attacken wurde Napoleon gezwungen, sich zurückzuziehen. Sein Versuch, Ägypten und den Orient zu erobern, scheiterte.

Bautätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mithilfe seines Chef-Finanzberaters Chaim Farchi, eines Juden aus Damaskus, leitete Ahmed ein wichtiges Bauprogramm ein. Dazu zählten die Befestigung der Stadtmauern, die Sanierung des Aquäduktes, das Quellwasser aus dem nahegelegenen Fluss Kabri brachte, und der Bau eines großen Hammāms (türkisches Bad).

Eines der wichtigsten Wahrzeichen, die von Ahmed gebaut wurden, war die nach ihm benannte Dschazzar-Pascha-Moschee. Sie wurde im osmanischen Stil über ehemaligen muslimischen und christlichen Gebetshäusern errichtet und ist dafür bekannt, dass in ihr ein Haar aus dem Barte des Propheten Mohammed aufbewahrt wird. Ahmed und sein Adoptivsohn und Nachfolger Süleyman Pascha el-Adil wurden im Hof der Moschee begraben.[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Malcolm Holt: Egypt and the Fertile Crescent 1516-1922. A Political History. Longmans Green and Co. Ltd., London 1966.
  • Kamal S. Salibi: (al-)Djazzar Pasha, Ahmad. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition. Bd. 12 (=Supplement), Leiden 2004, S. 268–269.
  • Thomas Philipp: Acre: The Rise and Fall of a Palestinian City, 1730–1831. Columbia University Press, 2013, ISBN 978-0-231-50603-8 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dschezzar Pascha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Kamal S. Salibi: (al-)Djazzar Pasha, Ahmad. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition. Bd. 12 (=Supplement), Leiden 2004, S. 268.
  2. Es wird auch gemutmaßt, dass es sich bei al-Dschazzar um seinen ursprünglichen Nachnamen oder um ein Kampfnamen, den er sich zu Beginn seiner Soldatenkarriere gab, handelt. Vgl. Kamal S. Salibi: (al-)Djazzar Pasha, Ahmad. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition. Bd. 12 (=Supplement), Leiden 2004, S. 268.
  3. Holt: Egypt and the Fertile Cresecent 1516-1922. S. 129.
  4. Holt: Egypt and the Fertile Crescent 1516-1922. S. 97 u. 125-128.
  5. William Persen: The Russian occupations of Beirut, 1772–74. In: Journal of The Royal Central Asian Society, Volume 42, 1955 - Issue 3-4, S. 275–286.
  6. Paul du Quenoy: Arabs under Tsarist Rule. The Russian Occupation of Beirut, 1773–1774. In: Russian History 41 (2014), S. 128–141.
  7. Holt: Egypt and the Fertile Crescent 1516-1922. S. 130–132.
  8. The Ottoman Centuries: Peace and Stagnation in der Google-Buchsuche
  9. Jami' al-Jazzar. Archnet, abgerufen am 29. Dezember 2016.