Chick Publications

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Chick Publications ist ein US-amerikanischer Verlag, der von Jack T. Chick (* 1924) betrieben wird. Er produziert und vertreibt christliche Traktate, DVDs, VCDs, Videokassetten, Bücher und Poster. Die bekanntesten Produkte sind die Chick tracts, kurze Comicgeschichten, die in vielen Sprachen verfügbar sind. Alle Publikationen haben offen das Ziel, Menschen auf Grundlage eines Christentums evangelikaler Prägung zu missionieren. Während einige Comics Lehren wiedergeben, die in der christlichen Theologie allgemein anerkannt sind, beispielsweise die Menschwerdung Gottes[1], vertritt der Verlag auch radikale Ansichten, die nicht von jeder christlichen Kirche unterstützt werden. Dazu gehören z. B. die Ablehnung der Freimaurerei[2], der Römisch-katholischen Kirche[3], von säkularisierten Feiertagen wie Halloween und Thanksgiving[4] sowie von verschiedenen anderen Themen, beispielsweise Rollenspiele, Homosexualität, Evolutionstheorie (stattdessen wird Kreationismus propagiert) oder Abtreibung.

Chick Publications hat seinen Firmensitz in Ontario (Kalifornien). Alle Comictraktate und einige Ausschnitte aus längeren Comics können kostenlos auf der Chick Webseite gelesen werden. Viele ältere Comics werden nicht mehr regulär gedruckt, doch Chick Publications lässt diese bei einer großen Bestellung von meist 10.000 Exemplaren neu auflegen.[5]

Chick tracts[Bearbeiten]

Die Comics behandeln Themen wie Bestrafung oder Erlösung im Jenseits, oder sie beschreiben einen Konflikt zwischen einem Christen und einem Nicht-Christen, um eine christliche Botschaft zu übermitteln. Viele Chick-Traktate enden mit einem Nicht-Christen, der zum Christentum konvertiert. Andere bieten einen Kontrast zwischen denen, die Jesus akzeptieren und denen, die es nicht tun. Manchmal erhält ein Konvertit Eintritt zum Himmel, in anderen werden Nicht-Christen in die Hölle verbannt. Das Urteil spricht Gott, eine hell leuchtende Person ohne Gesicht, die auf einem Thron sitzt. Häufig fordert Gott einen Engel auf, nachzuschauen, ob der Name des Betreffenden sich im Buch des Lebens befindet. Steht der Name darin, kommt der Mensch in den Himmel. Ist dem nicht so, wird er von einem Engel in den „Feuersee“ geworfen. Die meisten Comics enden mit einem Vorschlag für ein Gebet, das der zu konvertierende Leser nutzen soll, um Christus als Erlöser anzunehmen. Meist handelt es sich um ein einfaches Sündengebet mit der Bitte um Erlösung. In Ausgaben, die den Katholizismus, den Hinduismus, den Buddhismus, den Islam oder die Freimaurerei behandeln, enthält das Gebet eine Formulierung, um sich von diesen Gruppen zu distanzieren. Ebenfalls enthalten sind Empfehlungen für ein weiteres Leben als Christ.

Viele seiner Comics zeichnet Jack Chick selber, andere stammen aus der Feder von Fred Carter (letztere sind in der Regel graphisch anspruchsvoller gestaltet). Die Webseite des Verlags listet mehr als 150 Comictraktate. Alle können online betrachtet werden, andere Materialien dagegen nur ausschnittsweise.[6] Laut eigenen Angaben wurden bereits mehrere hundert Millionen Comics weltweit verteilt, manche davon in nahezu 100 Sprachen übersetzt. Der am häufigsten verbreitete Comic, This Was Your Life (dt. Titel Das war dein Leben[7]) ist nicht nur in all diesen Sprachen erhältlich, sondern auch mit Protagonisten unterschiedlicher ethnischer Herkunft, z. B. afro-amerikanisch, chinesisch, koreanisch, thailändisch, etc. Viele Comics sind auch in deutscher Sprache erschienen. Die amerikanischen Namen sind meistens durch deutsche ersetzt, wie z. B. „Klein-Evi“ und „Hugo Stein“.

Die Comics werden durch Kunden von Chick Publications freiwillig und kostenlos verteilt, indem sie z. B. in Kirchen und öffentlichen Gebäuden, Telefonzellen, Bushaltestellen, etc. ausgelegt werden. Chick Publications verschickt die Comics allerdings nicht kostenlos. Sie kosten pro Stück zwischen 10 und 20 US-Cent (auf der deutschen Website 19 Euro-Cent).

Kritik[Bearbeiten]

Die Hindu American Foundation warf Chick Publications vor, Hasspropaganda gegen Hindus und andere Gläubige zu verbreiten[8]. Dabei wurde auf folgende Geschichten eingegangen: “Last Rites – When this Catholic dies, he learns that his church couldn't save him”; (letzte Riten, wenn dieser Katholik stirbt, wird er lernen, dass seine Kirche ihn nicht retten konnte), “The Little Bride – Protect children against being recruited as Muslims. Li'l Susy explains that only Jesus can save them” und “Allah Had No Son – The Allah of Islam is not the God of creation”". ("die kleine Braut-schützt Kinder davor, zum Islam bekehrt zu werden" und "Allah hatte keinen Sohn-Der Allah des Islam ist nicht der Gott der Schöpfung"). Die Chick Publications Website ist in Singapur mit der Begründung gesperrt, Hasspropaganda zu verbreiten, die das Zusammenleben von Muslimen und Christen gefährde[9] [10][11].

Verbreitung der Unwahrheit[Bearbeiten]

In der Geschichte The Poor Little Witch (in der ein kleines Mädchen von Satanisten ermordet wird) wird die unwahre Behauptung verbreitet, dass jedes Jahr 40.000 Menschen in den USA in Zeremonien der Hexerei ermordet werden. Diese Behauptung wurde später zurückgenommen - die gesamte jährliche Mordrate der USA liegt bei ca. 20.000[12] Chick Publications behauptete ebenfalls wahrheitswidrig, dass Paganismus und Neo-Paganismus Formen von Satanismus seien.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Rudis Ameisen, Jack Chick, 1998.
  2. Information on Masonry“, Chick Publications.
  3. Information on Roman Catholicism“, Chick Publications.
  4. The Missing Day, Jack Chick, 2005.
  5. Deutsche Chick-Homepage.
  6. English Chick Cartoon Tracts“, Chick Publications.
  7. Das war dein Leben,“ Chick Publications Deutschland.
  8. Hyperlink to Hinduphobia: Online Hatred, Extremism and Bigotry Against Hindus (PDF; 3,8 MB)
  9. Tim: Homophobic Evangelical Comics, Now Available in Singapore!. In: Trevvy, 03/06/2008. Archiviert vom Original am 17. Juli 2011. 
  10. Elena Chong: Couple on sedition trial. Straits Times. December 4, 2008. Abgerufen am June 24, 2009.
  11. Elena Chong: No ill will intended. Aquarian Tabernacle Church. 6. Dezember 2008. Archiviert vom Original am 7. Dezember 2008. Abgerufen am 24. Juni 2009.
  12. Homicide victimization, 1950-2005, United States Bureau of Justice Statistics, United States Department of Justice, 11. Juli 2007

Weblinks[Bearbeiten]