Christian Bermes

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Christian Bermes (* 3. September 1968[1] in Trier) ist Professor für Philosophie an der Universität Koblenz-Landau.

In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit Fragen und Problemen der Ethik, Philosophischen Anthropologie, Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie und Kulturphilosophie. Die historischen Arbeiten umfassen die Philosophie der Neuzeit, die Philosophie und Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts sowie die Philosophie des 20. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung von Edmund Husserl, Maurice Merleau-Ponty, Ernst Cassirer, Gottlob Frege und Ludwig Wittgenstein.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur am Hindenburg Gymnasium Trier und dem Studium der Philosophie, Politikwissenschaften und Geschichte in Trier und Madrid promovierte Bermes 1996 mit einer Arbeit über die philosophischen Bedeutungstheorien in der Phänomenologie und Analytischen Philosophie. 2001 folgte die Habilitation mit einer Untersuchung zur Entwicklung des philosophischen Weltbegriffs von der Neuzeit bis zum 20. Jahrhundert. Von 2006 bis 2007 hat er den Lehrstuhl für Philosophie an der Technischen Universität Chemnitz vertreten. Er war von 2002 bis 2008 als Hochschuldozent für Philosophie, anschließend als Akademischer Rat an der Universität Trier tätig. Dort leitete er u. a. das Philosophische Forschungsinstitut für Medien und Kultur. 2009 wurde er auf den Lehrstuhl für Philosophie an der Universität Koblenz-Landau (Campus Landau) berufen. Von 2013 bis 2018 wirkte er als Mitglied des Senats der Universität Koblenz-Landau, von 2011 bis 2015 als Prodekan, anschließend von 2015 bis 2018 als Dekan des Fachbereichs 5. Seit 2019 ist er Mitglied des Hochschulrates der Universität Koblenz-Landau.[2]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Philosophische Anthropologie mit Blick auf eine Grundlegung der Ethik und hinsichtlich der Analytik eines normativen Lebensbegriffs. Theorie und Funktion der Werte in der Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts. Geschichte und Systematik der Phänomenologie und Analytischen Philosophie mit Rücksicht auf eine Theorie der Bedeutung. Voraussetzungen der Lebenswissenschaften im Kontext von Biologie und Medizin. Grundlagen der Kulturphilosophie und deren historische Entwicklung im 20. Jahrhundert. Wandel der Sprach- und Debattenkultur angesichts der Entwicklung digitaler Kommunikationsmedien und populistischer Tendenzen in der Politik. Entwicklung einer Theorie wohlfundierter Meinung.

Forschungsprojekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2019 wird das Forschungsprojekt „Was können Meinungen (noch) bedeuten? Eine Verteidigung der Meinung in Zeiten der Meinungsverunsicherung?“ in die Förderlinie „Originalitätsverdacht“ der Volkswagenstiftung aufgenommen. Vor dem Hintergrund sich wandelnder Kommunikationsmöglichkeiten und mit Blick auf die Verfassung moderner Gesellschaften fragt das Forschungsprojekt danach, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um eine Äußerung als Meinungsäußerung zu begreifen. Das Projekt greift damit die aktuelle Beunruhigung auf, was Meinungen für die menschliche Orientierung noch bedeuten können angesichts der Verunsicherungen durch technische, gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Eigenständigkeit des Konzepts der Meinung zu entfalten, um eine Theorie wohlfundierter Meinung zu entwickeln.[3]

Seit 2019 leitet Bermes die internationale Forschergruppe „Phänomenologische Perspektiven: Philosophische Anthropologie und Kulturphilosophie“.[4] Zwei Forscherteams aus Deutschland und China arbeiten gemeinsam an aktuellen Fragen der Phänomenologie mit Blick auf die jeweilige philosophische Tradition in Europa und China. In dem Projekt, das von der DFG unterstützt wird, ist neben der Universität Koblenz-Landau die Sun-Yat-sen-Universität in Guangzhou und die Zhejiang-Universität in Hangzhou beteiligt. In der Forschungskooperation wird darüber hinaus die Aufarbeitung der frühen Phänomenologie vorangetrieben, um diese für den chinesischen Kulturraum zu erschließen.

Im Kontext der Diskussionen um Veränderungen der Kommunikation im öffentlichen und politischen Raum erscheint 2019 die Studie „Wandel der Sprach- und Debattenkultur. Verbindlichkeit – Artikulation – Meinung.“ Die Studie wird im Rahmen des Schwerpunktes der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin vorgestellt und diskutiert.[5] Die Studie bietet einen Überblick über aktuelle Diskussionen in den Sozial- und Kulturwissenschaften zu dem Themenfeld und markiert mit den Titeln „Verbindlichkeit“, „Artikulation“ und „Meinung“ die Rahmenbedingungen für die politische Kommunikation und die Etablierung von Öffentlichkeit in einer liberalen demokratischen Ordnung.[6] Die Studie schließt mit einer systematischen Diskussion des Populismus, indem die Funktion politischer Repräsentation bzw. die Tendenzen, politische Repräsentation auszuschalten, thematisiert werden.

Seit 2014 ist er Sprecher Forschungskonsortiums „Kulturelle Orientierung und normative Bindung.“[7] Der interdisziplinär ausgerichtete Forschungsschwerpunkt ist thematisch untergliedert in drei Cluster, die wiederum untereinander inhaltlich in Beziehung stehen. Kulturelle Praxis, Verkörperung und Sprache bilden die übergeordneten Themenfelder der Cluster, in denen an verschiedenen Beispielen die Ambiguität von Vorgegebenheit und Normativität kultureller Tatsachen diskutiert wird. Der Forschungsschwerpunkt ist international durch wissenschaftliche Kooperationen verankert, in ihm werden zahlreiche Forschungsprojekte entwickelt und durchgeführt, er widmet sich ebenso der Nachwuchsförderung und bietet Raum für die wissenschaftliche Kooperation mit Gastwissenschaftlern.

Seit 2011 leitet Bermes als Sprecher die Graduiertenschule „Herausforderung Leben“.[8] In der Graduiertenschule arbeiten zur Zeit Doktoranden und Post-Docs aus Argentinien, China, Kroatien, Italien und Deutschland zu systematischen Problemstellungen der Lebenswissenschaften, der Philosophischen Anthropologie, der Phänomenologie und Sprachphilosophie. Die Forschungsarbeiten werden durch Veranstaltungen in Form von Workshops, Tagungen sowie Kollegs begleitet. Mit dem Titel ‚Herausforderung Leben’ verbindet sich in der Kollegarbeit die grundlegende Frage nach der Bestimmung, der Funktion und dem Verstehen des gegenwärtig als Einheit fraglich gewordenen Lebensphänomens in seinen verschiedenen Dimensionen. Leben ist als Faktum Gegenstand von Eingriffen unterschiedlicher Art, die von der Medizin bis hin zur Rechtsprechung reichen; zugleich aber bezeichnet Leben im Sinne eines Prinzips die Grundlage normativer Urteile, die das Handeln leiten und begrenzen. Vor dem Hintergrund eines integrativen Verständnisses dieses Doppelaspekts werden in den Forschungsvorhaben Kategorien entwickelt, die die Ambiguität von „Leben“ als Prinzip und Tatsache systematisch reflektieren und damit einen Beitrag zur Theoriebildung in den Lebenswissenschaften und der Philosophischen Anthropologie liefern können.

Bermes hat zahlreiche weitere Forschungsprojekte in den vergangenen Jahren geleitet und durchgeführt. Hierzu gehören u. a. die DFG-Projekte „Max Scheler: Formalismus in der Ethik“[9], „Max Scheler: Wesen und Formen der Sympathie“,[10] das DFG-Villa Vigoni Projekt „Kultureller Ausdruck und menschliche Natur“,[11] das Projekt der Thyssen-Stiftung „Streitfall Mensch“[12] sowie das Forschungsprojekt „Protest und Kulturkritik“, das von der Deutsch-Französischen Hochschule mit binationalen Doktorandenworkshops unterstützt wird.[13] Die Thematik der Protestbewegungen im Fokus der Politischen Theorie und Kulturphilosophie wird ebenfalls aufgearbeitet und diskutiert in der trinationalen Forschergruppe (Frankreich, Luxemburg und Deutschland) „Formen ziviler und politischer Repräsentation“.[14]

Weitere Funktionen in Wissenschaft und Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Editionen, Übersetzungen und Sammelbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vereinsregister VR 7054 Amtsgericht München
  2. Hochschulrat der Universität Koblenz-Landau
  3. Pressemitteilung „Was können Meinungen (noch) bedeuten?“
  4. Deutsch-Chinesische Forschergruppe „Phänomenologische Perspektiven“
  5. KAS Themenschwerpunkt „Wandel der Sprach- und Debattenkultur“
  6. Interview von Christian Bermes zum Wandel der Sprach- und Debattenkultur in der Rheinpfalz vom 17. Juni 2019
  7. Forschungskonsortium „Kulturelle Orientierung und normative Bindung“
  8. Graduiertenschule „Herausforderung Leben“
  9. DFG Forschungsprojekt „Scheler: Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik“
  10. DFG Forschungsprojekt „Scheler: Wesen und Formen der Sympathie“
  11. Villa Vigoni: Kultureller Ausdruck und menschliche Natur
  12. Forschungsprojekt „Streitfall Mensch“
  13. Forschungsprojekt „Protest und Kulturkritik“
  14. Forschungsprojekt „Formen ziviler und politischer Repräsentation“