Christian Strasser (Verleger)

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Christian J. Strasser (* 31. August 1945 in Niebüll) ist ein deutscher Verleger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Vater war der Hamburger Verleger Christian Wegner. Die Mutter Lucie Funk war eine Danziger Buchhändlerin, die nach dem Krieg in Hagen/Westfalen eine Buchhandlung gründete. Halbbrüder Strassers sind unter anderem der Rowohlt-Verleger Matthias Wegner sowie der Gründer der Hamburger Statt-Partei Markus E. Wegner. Anton Kippenberg, der Verleger des Insel-Verlags, war sein Großonkel.

Nach der Mittleren Reife machte Strasser zunächst eine Maschinenbaulehre, anschließend trampte er ein Jahr lang durch Kanada. Erst durch den Tod seines Vaters 1965 erfuhr er von seiner Herkunft. Er ging nach Hamburg, wo er von 1965 bis 1966 eine Buchhändlerlehre absolvierte. Nach dem Wehrdienst als Fahnenjunker d.R. wurde er Anfang 1969 Werbeleiter der Buchhandlung Hugendubel in München, wo er 1971 mit Heinrich Hugendubel die Buchwerbung der Neun Christian Strasser KG gründete, der die neun größten deutschen Buchhändler als Kommanditisten angehörten.

1973 erfolgte ein Eintritt in den Konzern Time Life, zunächst in Amsterdam als German Marketing Direktor, dann 1975 als Gründungsgeschäftsführer der deutschen Time-Life-Niederlassung in München. 1980 war er in Washington D.C. International Operations Manager, 1981 erfolgte eine Ernennung zum Europachef von Time Life Books Inc. mit Sitz in London. Während zweier berufsbegleitender Studienaufenthalte an der Harvard Business School und an der Stanford Business School 1980 wurde Strasser für Aufgaben im Top-Management vorbereitet, bevor er 1985 als Vice President International die Verantwortung für den weltweiten Vertrieb übernahm.

1986 kehrte er nach Deutschland zurück und war bis Ende 1988 geschäftsführender Gesellschafter des Gräfe & Unzer-Verlags, im Jahr 1990 in gleicher Funktion beim Verlag Zabert Sandmann. 1990 kaufte er den Bucher Verlag und machte sich als Verleger selbständig. 1992 kaufte er zusammen mit seinem 50 Prozent Partner Heinrich Hugendubel die Verlagsgruppe List/Südwest und gründete das Verlagshaus Goethestrasse. Nach der Fusion Anfang 1997 mit der Econ-Verlagsgruppe, zu der auch der Verlag Marion von Schröder gehörte, gründete er die Verlagsgruppe Econ und List. Strasser erweiterte die Gruppe im gleichen Jahr durch Zukauf des Claassen Verlags.

Ende 1998 verkauften Strasser und seine Partner 95 Prozent der Verlagsgruppe an den Axel-Springer-Verlag, der das Unternehmen mit den bei Springer ansässigen Verlagen Ullstein und Propyläen zur Verlagsgruppe Econ Ullstein List verschmolz. Zur Verlagsgruppe zählten 14 Verlage, zu deren geschäftsführendem Verleger Strasser bestellt wurde.

Zum 1. Januar 2001 kaufte der Axel-Springer-Verlag den Wilhelm-Heyne-Verlag und formte durch eine erneute Verschmelzung die neue Verlagsgruppe Ullstein Heyne List, weiterhin mit Strasser als geschäftsführendem Verleger. Die Gruppe machte einen Umsatz von knapp 200 Millionen Euro und war zusammen mit der Verlagsgruppe Random House (Bertelsmann) Marktführer im deutschsprachigen Raum.

Im Jahre 2003 verkaufte der Axel-Springer-Verlag seine sämtlichen Buchverlage an Random House, um sich wieder auf das journalistische Kerngeschäft zu konzentrieren. Aufgrund der Untersagung durch das Bundeskartellamt verkaufte Random House die Hälfte der Verlagsgruppe an den schwedischen Bonnier-Konzern weiter. Strasser scheiterte bei seinem Versuch, diese Verlage mit Hilfe von Investoren selbst zurückzukaufen und schied Ende November 2003 aus der Verlagsgruppe aus.

Zum 1. Oktober 2004 übernahm er den stillgelegten Schweizer Pendo Verlag und widmete sich als privater Verleger neben der Belletristik vor allem aktuellen Themen aus Politik und Gesellschaft. 2008 verkaufte er Pendo und den inzwischen neu gegründeten Fahrenheit-Verlag an den zu Bonnier gehörenden Piper-Verlag.

Kurz darauf gründete er in München den Scorpio-Verlag, in dem er sich vor allem auf den weltweiten Umbau der Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen aus ökonomischer wie auch spiritueller Sicht konzentriert.

2012 kaufte Christian Strasser den stillgelegten Europa Verlag Wien und eröffnete einen Verlagssitz in Berlin und München, um sich - mit neuer Gesellschafterstruktur - verstärkt den künftigen politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu widmen. Er fühlt sich dabei der Geschichte des 1933 in Zürich gegründeten Verlags verpflichtet, der zunächst verfolgten Autoren und verbotenen Manuskripten ein Forum geben wollte. Für den 1946 gegründeten Schwesterverlag mit Sitz in Wien formulierte Gründer Emil Oprecht anschließend das Konzept, dem „Ringen der Anschauungen für europäischen Geist und humanitäre Gesinnung eine Tribüne zu sein“. Strasser will diesen Ansatz im Europa Verlag Berlin weiterentwickeln, mit Schwerpunktthemen, die eine neue Ethik und nachhaltiges Denken fokussieren.

Der Verleger lebt in München und Berlin.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der gelebte Traum. In: BuchMarkt 12/1997, S. 46-52 (Interview mit Christian Strasser).
  • Andreas Trojan: Erben einer großen Passion. In: Börsenblatt 2003, Nr. 9, S. 32-37.
  • „Ich habe meine Berufung gefunden.“ In: Börsenblatt 2010, Nr. 40, S. 42–43 (Interview mit Christian Strasser).
  • Renate Lilge-Stodieck: Aufbruch in die neue Zeit: „Scorpio“, Christian Strasser und das erwachende Bewusstsein. In: TheEpochTimes. 5. Oktober 2011. Interview mit Christian Strasser.
  • Christian Strasser, in: Internationales Biographisches Archiv 10/2010 vom 9. März 2010, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)