Christoph Geiser

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Christoph Geiser (* 3. August 1949 in Basel) ist ein Schweizer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Geiser ist der Sohn eines Kinderarztes und einer Schauspielerin. Nach der Matura studierte er Soziologie an den Universitäten in Freiburg im Breisgau und Basel. Er brach sein Studium ab und verbüsste 1970 mehrere Monate Haft wegen Dienstverweigerung. Anschliessend war er als Journalist tätig, u.a. gründete er zusammen mit Werner Schmidli die Literaturzeitschrift drehpunkt. Seit 1978 lebt er als freier Schriftsteller in Bern. 1980 war er Gastdozent am Oberlin College in Oberlin (Ohio), 1982 unternahm er eine Lesereise durch Australien. Gegenwärtig lebt er abwechselnd in Bern und Berlin.

Christoph Geisers Prosa und Lyrik war anfangs von Kafka und Brecht beeinflusst und beschäftigte sich hauptsächlich mit gestörten Familienbeziehungen. Seit Mitte der 1980er und mit Geisers Bekenntnis zur eigenen Homosexualität verlagerte sich die Thematik hin zur Enttabuisierung sexueller Obsessionen.

Christoph Geiser ist Mitglied des Verbandes der Autorinnen und Autoren der Schweiz, des Deutschschweizer P.E.N.-Zentrums sowie korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den ersten Erzähl- und Lyrikbänden wurden Christoph Geiser mit den Romanen Grünsee und Brachland die ersten Erfolge zuteil. Politik, Gesellschaft, Familie und Homosexualität sind die wesentlichen Themen der frühen Werke. Die deutlichste Zäsur in Geisers Schaffen als Romanschriftsteller findet sich nach Wüstenfahrt, einem Roman über eine Männerbeziehung, in den Werken Das geheime Fieber und Das Gefängnis der Wünsche. Darin wendet er sich kulturhistorischen Stoffen zu, dem Leben des italienischen Barockmalers Caravaggio einerseits und einer imaginären Konfrontation zwischen dem Marquis de Sade und Goethe andererseits. Besonders in seinen zuletzt erschienenen Werken Die Baumeister, Über Wasser und Wenn der Mann im Mond erwacht löst Geiser mit seiner Assoziationstechnik und den „Wortkapriolen“ die konventionelle Begrifflichkeit auf. Christoph Geiser wendet sich damit im Gegensatz zu seinen ersten Romanen vermehrt an ein Publikum, das mit der Ausdrucksweise der literarischen Moderne vertraut ist.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bessere Zeiten (Gedichte). Regenbogen, Zürich 1968
  • Mitteilung an Mitgefangene. Gedichte für die Insassen der Strafanstalt Oberschöngrün, Solothurn. Lenos Verlag, Basel 1971
  • Hier steht alles unter Denkmalschutz. Erzählungen. Lenos, Basel 1972
  • Warnung für Tiefflieger. Gedichte und Mittelland-Geschichten. Lenos, Basel 1974
  • Zimmer mit Frühstück. Erzählung. Lenos, Basel 1975; ebd. 1992, ISBN 3-85787-607-7 und 1977 Verlag Volk und Welt, Berlin (DDR)
  • Grünsee. Roman. Benziger, Zürich 1978 und 1979 Verlag Volk und Welt, Berlin (DDR)
  • Brachland. Roman. Benziger, Zürich 1980 und 1983 Verlag Volk und Welt, Berlin (DDR)
    • Neuausgabe: Grünsee – Brachland. Zwei Romane (plus CD-ROM). Ammann, Zürich 2006, ISBN 3-250-60091-1
  • Disziplinen. Vorgeschichten. Lenos, Basel 1982
  • Wüstenfahrt. Roman. Nagel & Kimche Verlag, Zürich 1984 und 1986 Verlag Volk und Welt, Berlin (DDR)
  • Das geheime Fieber. Roman. Nagel & Kimche, Zürich 1987
  • Das Gefängnis der Wünsche. Roman. Nagel & Kimche, Zürich 1992, ISBN 3-312-00181-1
  • Wunschangst (Acht Erzählungen, ill. v. Hannes Steinert). MännerschwarmSkript, Hamburg 1993, ISBN 3-928983-14-8
  • Kahn, Knaben, schnelle Fahrt. Eine Fantasie. Nagel & Kimche, Zürich 1995, ISBN 3-312-00207-9
  • Die Baumeister. Eine Fiktion. Nagel & Kimche, Zürich 1998, ISBN 3-312-00244-3
  • Über Wasser. Passagen. Ammann Verlag, Zürich 2003, ISBN 3-250-60059-8
  • Wenn der Mann im Mond erwacht. Ein Regelverstoß. Ammann, Zürich 2008, ISBN 978-3-250-60109-8
  • Der Angler des Zufalls. Schreibszenen. Hrsg. von Michael Schläfli. MännerschwarmSkript, Hamburg 2009, ISBN 978-3-939-54279-7
  • Schöne Bescherung. Kein Familienroman. Offizin, Zürich 2013, ISBN 978-3-907496-82-4
  • Da bewegt sich nichts mehr. Mordsachen. Die Lunte im Spiegelberg Verlag, Zürich 2016, ISBN 978-3-939043-69-0
Essays
  • Vom allmählichen Schwinden der Schweiz, in "Passauer Pegasus. Zeitschrift für Literatur", 11. Jg. H. 21 - 22: "Literatur aus der Schweiz". Krieg, Passau 1993 ISSN 0724-0708 S. 15 - 25

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Schellenberg: Stoffe, Motive, Formen im Werk Christoph Geisers. Zugleich Diss. phil. Universität Zürich 1987 (Philosophische Fakultät 1)
  • Malcolm Pender: The „literarische Ich“ as Vantage Point, in: Rejection and Emancipation. Writing in German Speaking Switzerland 1945 – 1991, Hgg. Michael Butler und Malcolm Pender. Berg, New York & Oxford 1991, S. 156 – 170
  • Rosmarie Zeller: Der "Neue Roman" in der Schweiz: Die Unerzählbarkeit der modernen Welt, Seges, Neue Folge 11, Universitätsverlag, Freiburg 1992, S. 55 – 60
  • Michael Gratzke: Liebesschmerz und Textlust. Figuren der Liebe und des Masochismus in der Literatur. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000, S. 265 – 270
  • Martina Karena Schneider: Das „Coming-Out“ der Sprache, Kiel 1996
  • Michael Schläfli: Vom Schlachtfeld zur Oase? Notieren als Schreibverfahren bei Christoph Geiser, Schweizerisches Literaturarchiv, Bern 2006 (Reihe: Arbeitsberichte, o. Nr.)
  • Gonçalo Vilas-Boas: Von der „Insel“ weg in die Welt. Zeitgenössische Schweizer Autoren auf der Reise nach Ost und West. (Christoph Geiser und Christian Kracht), in Isabel Hernández & Ofelia Martí-Peña (Hrsg.): Eine Insel im vereinten Europa? Situation und Perspektiven der Literatur der deutschen Schweiz, Weidler, Berlin 2006, S. 107 – 122
  • Michael Schläfli: Die Entstehung von Christoph Geisers Romanen "Grünsee" und "Brachland", in: Quarto. Zeitschrift des Schweizerischen Literaturarchivs Hermann Burger, Bern 2007, S. 19 – 27
    • ders.: "Der Text kommt aus der Dunkelheit!" Christoph Geiser schreibt "Im Freigehege", in: Hubert Thüring, Corinna Jäger-Trees, Michael Schläfli, Hgg.: Anfangen zu schreiben. Ein kardinales Moment von Textgenese und Schreibprozess Wilhelm Fink Verlag, München 2009 (Reihe: Zur Genealogie des Schreibens, 11)
    • ders.: Aus den Kerkern der Erfindung. Christoph Geiser schreibt gegen die Wirklichkeit, in: Quarto. Zeitschrift des Schweizerischen Literaturarchivs Schreiben im Gefängnis, Bern 2014, S. 81 – 87
  • Joanna Wolf: Christoph Geiser, in dies. & Konstanze Fliedl & Marina Rauchenbacher, Hgg., Handbuch der Kunstzitate. Malerei, Skulptur, Fotografie in der deutschsprachigen Literatur des Moderne. Band 1. De Gruyter, Berlin 2012 ISBN 3110205009 S. 218 - 222
  • Rosmarie Zeller: Spiel mit Diskursen. Zu Christoph Geisers Umgang mit der Sprache, in Regula Schmidlin... [et al.] Hgg., Sprachgebrauch und Sprachbewusstsein. Implikationen für die Sprachtheorie. de Gruyter Mouton, Berlin 2015, S. 39–54

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]